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Ich hatte mir geschworen, dass es ein Tag wie jeder andere werden würde.
Kein Drama. Kein Feiern. Kein „Alles Gute".
Ich wollte einfach nur meine Ruhe.

Das Erste, was ich an diesem Morgen hörte, war das leise Brummen der Kaffeemaschine.
Der Geruch von frischem Kaffee zog durch den Flur, begleitet vom Knistern des Radios, das mein Vater jeden Morgen einschaltete, als wolle er das Haus daran erinnern, dass es noch lebte.

Ich zog mir eine Lederjacke über, trat barfuß in die Küche und setzte mich an den Tisch.
Mein Vater stand am Herd, drehte sich kurz zu mir um und lächelte.

„Morgen, Bella."

„Morgen," murmelte ich, während ich mir Kaffee einschenkte.

Keine Blumen. Keine Karte.
Nur Stille – und sein Lächeln, das ein bisschen zu unschuldig war.

Er drehte sich wieder um, tat beschäftigt, aber ich sah, wie seine Schultern leicht zuckten, als würde er etwas verbergen.
Ich beschloss, ihn nicht darauf anzusprechen.

Ich wollte es nicht hören.
Nicht heute.

„Ich geh früher los," sagte ich nach ein paar Minuten. „Wir haben viel zu tun."

Er nickte nur. „Mach's gut, Kleines."

Und wieder nichts.
Ich lächelte gequält, griff nach meiner Tasche und ging.

Draußen war der Himmel grau, fast bleiern.
Diese Art von Himmel, der keine Stimmung hat – weder traurig noch schön. Nur still.
Ich lief den Weg zur Arbeit, die Kopfhörer tief in den Ohren, und versuchte, nicht an das heutige Datum zu denken.

Als ich das Restaurant betrat, roch alles nach frisch gebackenem Brot, Kräutern und Tomatensauce.
Ein ganz normaler Tag.
Nur dass sich heute alles ein bisschen schwerer anfühlte.

„Guten Morgen, Geburtstagskind!" rief Mila, eine meiner Kolleginnen, kaum dass sie mich sah.
Sie grinste breit, hielt ein kleines Cupcake-Tablett hoch, auf dem bunte Streusel in Herzform lagen.

Ich zwang mich zu einem Lächeln. „Du bist unmöglich."

„Und du bist alt," sagte sie lachend und drückte mir einen Cupcake in die Hand. „Komm schon, iss. Ich hab ihn extra nicht zu süß gemacht."

Ich lachte leise. „Danke, aber ehrlich... ist nicht nötig."

„Ich weiß. Aber du bist nie jemand, der sich selbst feiert. Also mach ich's für dich."

Ich sah sie kurz an, und etwas in mir wurde weich.
Mila war seit dem ersten Tag an meiner Seite gewesen.
Sie wusste nie alles, aber sie wusste genug, um mich in Ruhe zu lassen, wenn ich's brauchte – und mich zu zwingen, zu lachen, wenn ich's vergessen hatte.

„Danke," sagte ich schließlich. „Wirklich."

„Bitte. Und keine Sorgen, ich sag's keinem. Dein Geheimnis bleibt sicher."

Ich nickte.
Das Letzte, was ich wollte, war Aufmerksamkeit.
Ich wollte nur arbeiten, den Tag überstehen und vergessen, dass er überhaupt existierte.






















[...]





















Die Stunden zogen sich wie zäher Honig.
Kunden kamen und gingen, Teller klirrten, Bestellungen wurden laut gerufen.
Ich bewegte mich mechanisch – Servieren, Lächeln, Kassieren, Wiederholen.

Zwischendurch ertappte ich mich immer wieder dabei, wie ich auf die Uhr starrte.
Noch drei Stunden.
Noch zwei.
Noch eine.

Aber irgendetwas an diesem Tag fühlte sich anders an.
Ich konnte es nicht erklären, aber da war dieses leise Kribbeln in meinem Bauch, diese unruhige Ahnung, dass irgendetwas passieren würde.
Etwas, das mit ihm zu tun hatte.

𝐌𝐲 𝐌𝐚𝐟𝐢𝐚 𝐁𝐨𝐬𝐬Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt