Ich weiß nicht, warum ich hierhergekommen bin.
Vielleicht, weil ich endlich einen Ort brauchte, der sich echt anfühlt. Vielleicht, weil ich gehofft habe, dass die Erinnerungen hier... leiser wären.
Aber sie sind es nicht.
Die Bank ist noch dieselbe. Das alte, abgeblätterte Holz, die kalten Eisenlehnen. Ich war oft hier, damals, bevor alles begann. Bevor er kam.
Der Wind streicht mir durchs Haar, trägt den Geruch von nasser Erde und Herbst mit sich. Ich schließe kurz die Augen. Für einen Moment kann ich fast vergessen, wer ich geworden bin.
Dann höre ich Schritte.
Langsam, fest.
Sie kommen näher – zu nah.
Mein Herz schlägt schneller, und als ich mich umdrehe, bleibt mir die Luft weg.
Er steht da.
Theodore.
Er sieht anders aus, und doch ist alles an ihm so vertraut, dass es weh tut. Das dunkle Haar, die funkelnden Augen– nur kälter, tiefer. Ein paar Falten mehr, eine andere Haltung.
Aber dieses Gefühl... das ist dasselbe.
„Isabella" sagt er leise.
Ich starre ihn an, unfähig, etwas zu sagen. All die Jahre hatte ich mir vorgestellt, was ich tun würde, wenn ich ihn je wiedersehen würde. Ihm ins Gesicht schreien? Ihn ohrfeigen? Oder einfach weggehen?
„Was willst du hier?" frage ich schließlich, und meine Stimme klingt brüchiger, als ich gehofft hatte.
Er kommt ein Stück näher. „Ich bin jeden tag hier. Seit genau 730 Tagen."
Mein unamüsiertes Gesicht sprach laut und deutlich welches er schnell bemerkte denn dann wechselte seine Grimasse sich zu einer ernsten miene. —„Ich wollte dich sehen."
Ich lache bitter. „Nach allem, was du getan hast?"
Er nickt kaum merklich. „Ich weiß. Ich verdiene das nicht. Aber ich wollte nicht gehen, ohne dir die Wahrheit zu sagen."
„Die Wahrheit?" wiederhole ich. „Du hattest zwei Jahre Zeit, Theodore."
Er senkt den Blick, und für einen Moment wirkt er nicht wie der Mann, der mir damals diese sachen angetan hatte – sondern einfach wie jemand, der etwas verloren hat, das er nie ganz verstanden hat.
„Ich hab dich nie vergessen," sagt er leise. —„Ich wollte dich beschützen, Bella. Aber ich hab's falsch gemacht. Ich wollte dich bei mir behalten, weil ich..." Er bricht ab, sucht nach Worten.
—„Weil ich dich wollte. Nicht aus Macht. Nicht aus Schuld. Sondern einfach, weil du die Einzige warst, bei der ich nicht dieser Mensch war."
Ich atme scharf ein. Seine Worte treffen mich tiefer, als ich zugeben will.
Ein misstrauender blick entglitt mir und er merkte das, denn er starrte mich an – mit diesem Blick, den ich nie vergessen konnte. Ruhig, aber voller Schmerz.
„Weil ich's dir zeigen will."
Langsam greift er in seine Jackentasche und zieht etwas hervor. Eine goldene Halskette. Meine Halskette. Ich dachte damals sie wäre mir einfach abgerutscht und hatte es schnell vergessen bei der Thematik.
Ich kann nur stumm zusehen.
„Ich hab's behalten," sagt er. „Weil ich gehofft hab, dass du eines Tages wieder hier sitzt."
Ich schüttle den Kopf.
„Du hättest mich nie finden sollen."
Er macht einen Schritt auf mich zu, und ich spüre plötzlich wieder diesen Sturm aus Wut, Angst und einem Gefühl, das ich längst begraben wollte.
„Und trotzdem bin ich hier," sagt er.
Für einen Augenblick ist alles still. Nur der Wind, das Rauschen der Blätter und unser Atem.
Wir stehen an demselben Ort, an dem alles angefangen hat.
Nur diesmal weiß ich: Ich bin nicht mehr das Mädchen, das sich retten lässt.
Er steht nur einen Schritt von mir entfernt, und trotzdem fühlt es sich an, als läge ein ganzer Ozean zwischen uns.
Ich sehe ihn an, versuche in seinen Augen zu lesen — aber alles, was ich finde, ist Chaos. Schmerz, Reue, etwas Unausgesprochenes.
„Du hast kein Recht, hier zu sein," sage ich leise.
„Ich weiß."
Seine Stimme ist ruhig, zu ruhig. „Aber ich konnte nicht länger so tun, als wäre alles vorbei."
Ich verschränke die Arme, um das Zittern meiner Hände zu verbergen. „Es ist vorbei, Theodore. Schon lange."
Er nickt, schaut kurz auf den Boden — dann wieder zu mir. „Vielleicht für dich. Für mich nie."
Ich will etwas erwidern, aber mir fehlen die Worte.
Es macht mich wütend, dass seine Stimme mich noch immer trifft. Dass ich ihn nicht einfach hassen kann, so wie ich es mir vorgenommen hatte.
„Du solltest gehen," sage ich schließlich.
Er lächelt schwach, aber traurig. „Wenn du wirklich willst, dass ich gehe, sag es. Ich dreh mich um und verschwinde. Aber sag es ehrlich — ohne, dass du dich fragst, ob du's wirklich willst."
Ich halte den Atem an.
Seine Worte treffen mich an einer Stelle, die ich zwei Jahre lang versucht habe, zu vergessen.
„Du glaubst, ich will dich immer noch?" frage ich spöttisch, doch es klingt nicht überzeugend.
„Ich weiß es," sagt er schlicht.
Ein Moment Stille. Nur das Rauschen der Bäume zwischen uns.
Ich schüttele den Kopf. „Du bist immer noch derselbe. Du glaubst, du kannst Menschen lesen, kontrollieren, lenken..."
Er tritt einen halben Schritt näher, aber diesmal weiche ich nicht zurück.
„Ich will dich nicht kontrollieren," sagt er ruhig. „Ich will dir zeigen, dass ich mich verändert habe. Dass ich nicht mehr der bin, der dich damals verletzt hat."
„Und warum jetzt?" frage ich. „Warum nach all der Zeit?"
Er sieht mich an. „Weil es nicht mehr nur um uns geht."
Ich runzle die Stirn. „Was soll das heißen?"
Er atmet tief durch, sieht kurz zur Seite, als würde er abwägen, ob er mir überhaupt die Wahrheit sagen darf.
Dann flüstert er:
„Dein Vater hat wieder Schulden, Isabella. Und diesmal bei den Falschen. Ich bin zurück, um ihn – und dich – zu schützen."
Ich blinzle. „Beschützen? Ausgerechnet du?"
„Ich hab Fehler gemacht," sagt er, ernst. „Aber ich lass nicht zu, dass jemand euch wehtut. Nicht noch einmal."
Ich will nicht glauben, was ich höre. Aber irgendetwas in seinem Blick — diese Ehrlichkeit, die ihn so gefährlich macht — bringt mich ins Wanken.
„Und was erwartest du von mir?" frage ich leise.
„Gar nichts," sagt er. „Nur, dass du mir zuhörst. Ein letztes Mal."
Ich atme tief ein, schließe kurz die Augen.
Die Luft riecht nach Regen, und mein Herz hämmert gegen meine Brust.
Ich weiß, dass ich Nein sagen sollte.
Aber stattdessen nicke ich langsam.
„Dann red," flüstere ich.
Er setzt sich neben mich, vorsichtig, als wäre er sich nicht sicher, ob er das darf.
Und während seine Stimme die Stille füllt, weiß ich, dass dieser Abend alles verändern wird. Wieder einmal.
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𝐌𝐲 𝐌𝐚𝐟𝐢𝐚 𝐁𝐨𝐬𝐬
Fantasía•𝐌𝐚𝐟𝐢𝐚 𝐁𝐨𝐬𝐬• 𝐌𝐲 𝐌𝐚𝐟𝐢𝐚 𝐁𝐨𝐬𝐬 Fantasy ___________________________________________ Ein 17 jähriges Mädchen was vertieft in ihren Büchern und Fantasien ist, wird ihrer Welt aufeinmal nicht mehr klar. Ihre Welt war nicht das beste was...
