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THEODORE FERNANDEZ POV

Ich hätte nie gedacht, dass Erde so schwer riechen kann.
Feucht, warm, mit diesem eigenartigen Duft nach Leben – oder vielleicht einfach nur nach etwas, das ich nie verstanden hatte.
Ich stand gebückt im Garten von dem Vater meiner ehrgeizigen geliebten, meine Finger voller Erde, während die Sonne träge über den Horizont kroch.

Ich war nie der Typ für sowas gewesen.
Ich kannte das Summen von Neonlicht in einem Lagerhaus besser als das Summen von Bienen.
Ich wusste, wie man eine Waffe auseinanderbaut, nicht, wie man eine Rose pflanzt.
Aber jetzt... jetzt grub ich ein Loch für eine kleine Pflanze, die vermutlich mehr Zukunft hatte als ich.

„Weißt du," sprach er nach einer Weile, „sie redet nie über dich. Aber ich seh's in ihren Augen. Sie will das du da bist."

Ich schluckte.
Ich hatte keine Antwort darauf.
Was sollte ich auch sagen? Dass ich in den letzten Jahren kein einziges Mal eingeschlafen war, ohne an sie zu denken?
Dass jede Frau, die mir begegnete, nur ein Schatten von ihr war?

„Ich hab Fehler gemacht," murmelte ich schließlich. —„Mehr, als sie verdient hat."

„Fehler machen wir alle," sagte er ruhig. „Aber nicht jeder versucht, sie wieder gutzumachen. Du tust's."

Das stimmt. Jedoch hab ich noch nicht genug versucht.

„Du machst das gar nicht so schlecht", versucht er, um die Stimmung aufzuleben während er eine neue Pflanze einsetzte.
Sein Ton war halb neckend, halb ehrlich.

Ich lachte leise. „Wenn du wüsstest, wie ungewohnt das für mich ist. Ich hatte nie was mit... sowas hier zu tun."
Ich deutete auf die Pflanzen, auf die Erde, auf das kleine Chaos aus Werkzeugen um uns herum.

Er grinste. „Vielleicht wird's ja Zeit, dass du's lernst."

„Vielleicht", murmelte ich, ohne aufzusehen.

Wir arbeiteten eine Weile schweigend weiter.
Das Zwitschern der Vögel, das Rauschen des Windes – alles war so still, dass ich mich dabei ertappte, wie ich langsamer atmete.
Fast so, als wollte ich das Geräusch nicht stören.

„Ich bin froh, dass du gekommen bist", sagte er nach einer Weile. „Ehrlich gesagt, hätt ich nicht gedacht, dass du's tust."

Ich setzte mich auf einen alten Holzstuhl, atmete tief durch. „Ich wollte schon oft herkommen. Aber ich wusste nicht, ob ich willkommen bin."

„Das bist du. Zumindest bei mir", antwortete er ruhig. „Bei ihr... das musst du dir selbst verdienen."

Ich nickte. „Ich weiß."
Ich wusste es zu gut.

Ein paar Minuten vergingen, bevor er wieder sprach.
„Sie hat viel durchgemacht, weißt du?"

„Ja."

„Und du auch."

Ich blickte auf. „Ich hab's verdient. Alles, was passiert ist."

„Vielleicht. Aber sie hat dich nie wirklich gehasst."

Ich sah ihn an, überrascht über seine Worte. „Wie kannst du dir da so sicher sein?"

Er lächelte schwach. „Ich bin ihr Vater. Ich seh's an ihrem Blick. Wenn sie von dir redet, sind ihre Worte kalt, aber ihre Augen nicht. Weißt du, was das bedeutet?"

Ich schüttelte leicht den Kopf.

„Dass sie dich noch liebt – und genau das ist ihr Problem."

Ich schwieg.
Die Erde klebte an meinen Fingern, und plötzlich fühlte sich alles zu echt an. Zu nah.

𝐌𝐲 𝐌𝐚𝐟𝐢𝐚 𝐁𝐨𝐬𝐬Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt