Carlisles Geschichte

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Wir liefen den Gang zurück und blieben vor der Tür von Carlisles Büro stehen.
Einen Moment später hörten wir dessen Stimme >>Herein.<<
Ich öffnete die Tür und wir betraten ein hohes Zimmer mit großen Fenstern, die nach Westen hinausgingen. Die Wände waren auch hier vertäfelt, allerdings mit einem dunkelsten Holz - zumindest, soweit man das sehen konnte, denn der Großteil der Wandfläche wurde von enormen Bücherregalen verdeckt, die uns hoch über den Kopf ragten und mehr Bücher enthielten, als in manchen Bibliotheken.
Carlisle saß hinter einem Mahagoni-Schreibtisch in einem Ledersessel und legte gerade ein Lesezeichen zwischen die Seiten eines gewichtigen Bandes.
>>Was kann ich für euch tun?<< fragte er freundlich und erhob sich.
>>Ich wollte Bella etwas von unserer Geschichte zeigen<< sagte ich. >>Genauer gesagt, deine Geschichte.<<
>>Wir hoffen, wir stören nicht<< sagte Bella entschuldigend.
>>Überhaupt nicht. Wo wollt ihr beginnen?<<
>>London<< erwiderte ich, legte eine Hand auf ihre Schulter und drehte sie zur Tür herum. Bei der Berührung und war es auch noch so beiläufig, begann Bellas Herz unglaublich laut an zu pochen.
Die Wand, vor der wir standen, war nicht mit Bücherregalen, dafür aber mit gerahmten Bildern jeder Größe bedeckt, manche in leuchtenden Farben, andere eher blass und monochrom.
Ich zog Bella nach links und deutete auf ein kleines, quadratisches Ölbild in einem schlichten Holzrahmen, das zwischen den größeren und farbenfroheren Gemälde nicht weiter auffiel. Es war eine Stadtansicht in unterschiedlichen Sepia-tönen; ein Meer von Häusern mit spitzen Dächern, ein paar Turmspitzen und im Vordergrund, ein breiter Fluss, über den eine Brücke mit kleinen Aufbauten führte, die aussahen wie Miniaturkathedralen.
>>Das London um 1630<< sagte ich.
>>Das London meiner Jugend<< fügte Carlisle hinzu, der plötzlich hinter uns stand. Bella zuckte zusammen - sie hatte ihn nicht kommen hören können. Ich drückte zärtlich ihre Hand.
>>Willst du lieber erzählen?<< fragte ich und Bella wandte sich halb zu Carlisle um.
Er schaute Bella an und lächelte.
>>Ich würde ja gern<< erwiderte er und richtete dann seinen Blick auf mich. >>Aber ich bin ein bisschen spät dran. Heute früh kam ein Anruf aus dem Krankenhaus - Dr. Snow hat sich für den Tag krankgemeldet. Und außerdem<< fügte er grinsend hinzu, >>kennst du die Geschichte so gut wie ich.<<
Carlisle lächelte ihr noch einmal herzlich zu, dann verließ er das Zimmer.
Sie betrachtete das kleine Bild von Carlisles Geburtsstadt. >>Was geschah dann?<< fragte sie nach einer Weile und schaute mich an.
>>Als er wusste, was mit ihm passiert war?<< fragte ich und wandte mich wieder den Bildern zu und sie folgte meinem Blick zu einem etwas größeren Landschaftsgemälde mit trüben, herbstlichen Farben; es zeigt eine schattige Wiese umgeben von Wald, mit einem zerklüfteten Berggipfel in der Ferne.
>>Als ihm klar wurde, was er geworden war<< sagte ich leise >>begehrte er dagegen auf. Er versuchte sich zu töten, doch das ist alles andere als einfach.<<
>>Wie hat er denn ...?<< platzte Bella mit ihrer Frage heraus.
>>Er stürzte sich von Häusern und Brücken<< sagte ich nüchtern. >>Und er versuchte sich im Meer zu ertränken. Doch sein neues Leben war gerade erst in ihn erwacht und er war sehr stark. Es ist fast nicht zu glauben, dass er schaffte, seinem Durst zu widerstehen, obwohl die Verwandlung erst so kurz zurücklag. Am Anfang ist der Instinkt am stärksten, er drängt alle anderen Impulse in den Hintergrund. Carlisle jedoch war so angewidert von seinem Verlangen, dass er sogar die Kraft für den Versuch aufbrachte, sich zu Tode zu hungern.<<
>>Geht das?<< fragte sie mit schwacher Stimme.
>>Nein. Es gibt nur sehr wenige Methoden, einen von uns zu töten. Er wurde also immer hungriger und schwächer und hielt sich von Menschen so fern wie möglich, denn mit seiner körperlichen Stärke ließ auch seine Willenskraft nach. Monatelang durchstreifte er die Nacht und verkroch sich an den einsamsten Orten. Er war erfüllt von Selbsthass. Eines Nachts kamen Rehe an seinem Versteck vorüber. Er war so rasend vor Durst, dass er sich auf sie stürzte, ohne nachzudenken. Als er merkte, dass er wieder zu Kräften kam, wurde ihm klar, dass es einen Ausweg gab - er musste nicht zu dem grauenhaften Monster werden, das er selber so verabscheute. Und hatte er nicht in seinem alten Leben auch Wild gegessen? Im Laufe der nächsten Monate entwickelte er seine Philosophie. Er konnte existieren, ohne ein Ungeheuer zu sein; er konnte zu sich selbst zurück finden. In der Folge begann er, seine Zeit besser zu nutzen. Er war schon immer intelligent und wissbegierig gewesen, und jetzt stand im unbegrenzte Zeit zur Verfügung. Nachts las er und lernte, tagsüber machte er Pläne. Dann schwamm er nach Frankreich und...<<
>>Er schwamm nach Frankreich?<<
>>Bella, es schwimmt andauernd jemand durch den Ärmelkanal<< erinnerte ich sie geduldig.
>>Klar, stimmt schon. Es klang nur irgendwie komisch in dem Zusammenhang.<<
>>Schwimmen ist leicht für uns -<<
>>Alles ist leicht für euch<< motzte sie.
Ich wartete amüsiert.
>>Ich unterbreche dich nicht mehr, versprochen.<<
Ich lachte grimmig in mich hinein und beendete meinen Satz. >>Weil wir, genau genommen, nicht atmen.<<
>>Ihr -<<
>>Denk an dein Versprechen!<< erinnerte ich sie lachend und legte meinen kalten Finger auf ihre weichen Lippen. >>Willst du die Geschichte nun hören oder nicht?<<
>>Du kannst mir nicht sowas hinwerfen und erwarten, dass ich nichts dazu sage<< brummelte sie an meinem Finger vorbei.
Dann legte ich meine flache Hand an ihren Hals; ihr Herz raste, doch sie ließ nicht locker. >>Ihr müsst nicht atmen?<<
Ich zuckte mit den Schultern. >>Es ist nicht notwendig, nein. Wir atmen nur aus Gewohnheit.<<
>>Wie lange hältst du es aus, ohne zu atmen?<<
>>Unbegrenzt lange, nehm ich an; ich weiß nicht genau. Man riecht nichts - das wird auf Dauer etwas unangenehm.<<
>>Etwas unangenehm<< wiederholte sie mit einem verstörten Gesichtsausdruck.
Ich ließ meine Hand fallen und stand reglos da; ich ließ meinen Blick auf ihrem Gesicht ruhen. Die Stille zog sich in die Länge. Wie zwei Statuen standen wir in dem Büro.
>>Was ist?<< flüsterte sie zaghaft und berührte ihr Gesicht; der starre Ausdruck verschwand.
Ich seufzte. >>Ich warte immer noch darauf, dass es passiert.<<
>>Dass was passiert?<<
>>Irgendwann werde ich etwas sagen oder du wirst etwas sehen, was du nicht mehr ertragen kannst. Und dann wirst du schreiend davonlaufen.<< sagte ich mit einem gezwungenen Lächeln und einem ernsten Blick. >>Ich werde dich nicht zurück halten, wenn das passiert. Ich wünsche mir ja, dass es passiert - dass du dich in Sicherheit bringst. Aber zugleich will ich bei dir sein. Und beides zusammen geht nicht ...<< ich verstummte, sah sie an und wartete.
>>Ich laufe nirgendwohin<< versprach sie.
>>Wir werden sehen<< sagte ich lächelnd.
Sie blickte mich finster an. >>Also weiter - Carlisle schwamm nach Frankreich.<<
Ich hielt inne, um den Faden meiner Geschichte wieder aufzunehmen. Mein Blick fiel auf ein Bild, das farbigste, größte; es war doppelt so breit wie die Tür, neben der es hing und von allen am prunkvollsten gerahmt. Die Leinwand war prall gefüllt mit leuchtenden Figuren in wallenden Gewändern, die sich um hohe Säulen wanden und auf marmornen Balkonen drängten.
>>Carlisle schwamm nach Frankreich und ging von dort aus auf Wanderschaft durch Europa und seine Universitäten. Abends und nachts studierte er - Musik, Naturwissenschaften, Medizin - und fand so seine Berufung und seinen Weg zur Buße. Die Rettung von Menschenleben.<< sagte ich ehrfürchtig. >>Mir fehlen die Worte, um seinen Kampf zu beschreiben - zwei Jahrhunderte mörderischer Anstrengung waren nötig, um seine Selbstbeherrschung zu perfektionieren. Heute ist er nahezu immun gegen den Geruch von menschlichem Blut und kann die Arbeit, die er liebt und die ihm seine innere Ruhe gibt, frei von Qualen ausüben ...<< erzählte ich gedankenverloren. Einige Momente lang war ich ganz in der Geschichte versunken, dann viel mir plötzlich ein, warum sie vor den Bildern standen. Ich tippte mit dem Finger auf das große Gemälde. >>Während seines Studiums in Italien traf er andere seiner Art. Sie waren ungleich zivilisierter und gebildeter als die ungeheuer der Londoner Unterwelt.<< ich deutete auf die Gruppe von vier ruhig wirkenden Figuren, die vom höchsten Balkon aus gelassen das turbulente treiben zu ihren Füßen betrachteten. Bella schaute sie sich genauer an und lachte erschrocken auf, als sie einen von ihnen, einen gold-blonden Mann, erkannte.
>>Solimena wurde stark von Carlisles Freunden beeinflusst und malte sie oft als Götter<< erklärte ich schmunzelnd. >>Das ist Aro, das dort Marcus und das Caius<< sagte ich und zeigte auf die anderen drei. Zwei von ihnen hatten schwarze Haare, einer schneeweiße Haare. >>Die nächtlichen Schutzheiligen der Künstler.<<
>>Was wohl aus ihnen geworden ist?<< überlegte Bella laut und ließ ihren Finger andachtsvoll einen Zentimeter über der Figurengruppe schweben.
>>Soviel ich weiß, sind sie immer nich dort.<< beantwortete ich die frage und zuckte mit den schultern. >>So wie seit wer weiß sie vielen Jahrtausenden. Carlisle blieb nicht lange bei ihnen, ein paar Jahrzehnte nur. Er bewunderte ihre Umgangsformen und ihre Kultiviertheit, doch sie versuchten immer wieder, ihn zur Rückkehr zu seiner, wie sie es nannten, >natürlichen Ernährung< zu bewegen. Sie wollten ihn überzeugen, und er sie - beides war vergeblich. Das war der Zeitpunkt, als er seine Hoffnungen auf die Neue Welt zu richten begann; er träumte davon, in Amerika seelenverwandte zu finden. Er war damals sehr einsam. Lange Zeit blieb seine Suche erfolglos. Als Hexen, Werwölfe und Vampire im Bewusstsein der Menschheit immer mehr zu Figuren von Legenden und märchen wurden, entdeckte er zwar, dass er mit ahnungslosen Menschen als ihresgleichen verkehrten konnten- damals begann er auch, als praktischer Arzt zu arbeiten. Doch die Gemeinschaft, nach der er sich sehnte, blieb ihm verwehrt, da er es nicht riskieren konnte, jemandem zu nahe zu kommen. Als die Grippeepidemie sich ausbreitete, arbeitete er nachts in einem Krankenhaus in Chicago. Seit Jahren geisterte ihm eine Idee durch den Kopf, und er war kurz davor, sie umzusetzen. Wenn er keinen Gefährten finden konnte, würde er sich einen schaffen. Er zögerte noch, weil er sich nicht völlig sicher war, wie seine eigene Verwandlung vonstatten gegangen war. Außerdem verabscheute er die Vorstellung, jemandem das Leben zu nehmen, so wie man im seines genommen hatte. Und dann stieß er auf mich. Ich lag gemeinsam mit anderen sterbenden auf der Station der hoffnungslosen Fälle. Er hatte meine Eltern gepflegt und wusste, dass ich keine Angehörigen hatte. Also entschied er sich, es zu versuchen ...<< erzählte ich und wurde zunehmend leiser bis es nur noch ein flüstern war und dann komplett verstummte. Mit leerem Blick Starrte ich aus dem Fenster.
Bella wartete schweigend.
Als ich mich wieder zu Bella umwandte, lächelte ich sie an. >>Und damit sind wir wieder in der Gegenwart<< sagte ich abschließend.
>>Und seitdem bist du immer bei Carlisle gewesen?<<
>>Fast immer.<< sagte ich, legte meine Hand an ihre Hüfte und schob sie sanft zur Tür hinaus. Sie warf noch einen letzten Blick auf die Bilder.
Wir liefen den Gang entlang; als ich nichts weiter sagte, fragte sie >>Fast immer?<<
Ich seufzte, dann antwortete ich widerwillig >>Also, ungefähr zehn Jahre nach meiner ... Geburt ... Verwandlung - wie auch immer du es nennen willst - hatte ich eine typische Phase Jugendlicher Rebellion. Ich kam mit seiner abstinent- Philosophie nicht klar und war wütend, dass er meinen Appetit zügelte. Also ging ich eine Zeit lang meiner eigenen Wege.<<
>>Wirklich?<< fragte sie fasziniert.
Wir gingen weiter nach oben.
>>Du bist nicht angewidert?<<
>>Nein.<<
>>Warum nicht?<<
>>Ich finde, es klingt ... einleuchtend.<<
Ich lachte auf. Mittlerweile standen wir in einem weiteren vertäfelten Korridor.
>>Vom Zeitpunkt meiner Neugeburt an<< sagte ich leise, >>wusste ich, was jeder in meiner Nähe, ob Mensch oder Monster, dachte. Das war der Grund, warum es zehn Jahre dauerte, bis ich mich Carlisle widersetzte - ich kannte seine absolute Aufrichtigkeit und verstand ganz genau, warum er so lebte. Aber nach wenigen Jahren kehrte ich zu ihm zurück und lebte wieder ganz nach seiner Philosophie. Ich hatte gedacht, ich wäre immun gegen die ... seelischen Qualen, die mit einem belasteten Gewissen einhergehen. Wenn ich die Gedanken meiner Opfer kannte, dann konnte ich schließlich die unschuldigen verschonen und nur die bösen verfolgen. Was war denn so schlimm daran, dachte ich, wenn ich einem Mörder in eine dunkle Gasse folgte und ein junges Mädchen vor ihm rettete?<<
Bella erschauderte.
>>Doch mit der Zeit erkannte ich immer deutlicher das Monster in mir – es schaute mich aus meinen eigenen Augen an. Ich konnte der Verantwortung für all die Menschenleben nicht entfliehen. Also ging ich zurück zu Carlisle und Esme, und sie nahmen mich auf wie einen verlorenen Sohn. Es war mehr, als ich verdient hatte.<<
Wir waren vor der letzten Tür im Gang stehen geblieben.
>>Mein Zimmer<< sagte ich, öffnete die Tür und zog sie hinein.
Es war ein Südzimmer und auch hier war die Außenwand komplett verglast - wie wahrscheinlich die gesamte Rückseite des Hauses. Man blickte hinab auf den Sol Duc River, der sich durch den unberührten Wald von Gipfelkette der Olympic Mountains herunter schlängelte. Die Berge waren zum greifen nah.
Die Wand rechts vom Fenster war komplett mit CD-Regalen bedeckt, die besser bestückt waren als manch ein Musikgeschäft. In der Ecke stand eine High-End-Musikanlagen. Es gab kein Bett, nur ein breites schwarzes Ledersofa. Der Boden war mit einem dicken, goldfarbenen Teppich ausgelegt, die Wände waren mit einem etwas dunkleren, schweren Stoff verkleidet.
>>Gute Akustik, nehme ich an.<< sagte sie nach dem umschauen.
Ich lachte und nickte. Ich nahm eine Fernbedienung und stellte die Musik an. Leider Jazz erfüllte den Raum und es klang als würde die Band live im Zimmer spielen. Bella ging zu meiner Musiksammlung.
>>Sind die sortiert?<< fragte sie und legte ihren Kopf leicht schräg.
Ich dagegen war mit den Gedanken wo anders.
>>Äh ... ja - nach Erscheinungsjahr und innerhalb des Jahres nach meinen Vorlieben<< erklärte ich abwesend.
Sie drehte sich um und ich konnte den Blick nicht von ihr lassen.
>>Was?<< fragte sie irritiert.
>>Ich dachte, ich wäre einfach ... erleichtert, wenn du alles weißt und ich nichts mehr vor dir verheimlichen muss. Erleichtert, nicht mehr. Doch es ist anders. Es macht mich ... glücklich.<< sagte ich mit einem Schulterzucken und lächelte zaghaft.
>>Das ist schön<< sagte sie mit weicher stimme und lächelte engelsgleich.
Ich runzelte meine Stirn und mein Lächeln verschwand.
>>Aber du wartest immer noch darauf, dass ich kreischend davonlaufe, hab ich Recht?<<
Ich schmunzelte und nickte.
>>Tut mir leid, dass ich dir die Illusion nehmen muss, aber du bist keineswegs so beängstigend, wie du denkst. Ehrlich gesagt, ich finde dich überhaupt nicht beängstigend.<< sagte sie.
Ungläubig zog ich meine Augenbrauen nach oben, dann grinste ich verschlagen.
>>Das hättest du nicht sagen sollen.<<
Ein tiefes Knurren kam aus meiner Kehle, meine Lippen entblößten meine scharfen Zähne und dann kauerte ich mich kampfbereit hin - wie ein Löwe vor dem Sprung. Jede Faser meines Körpers war angespannt.
Bella wich zurück und funkelte mich böse an. >>Das machst du nicht.<< sagte sie in einem drohenden Ton, der mich noch wilder machte.
Ich sprang so schnell auf sie zu, dass sie es nicht wahr nehmen konnte. Ich zog ihr im wahrsten Sinne der Wortes, den Boden unter den Füßen weg. Wir krachten auf das Sofa und mit dem Sofa gegen die Wand. Ich hatte mit meinen Armen einen schützenden Käfig um ihren Körper geformt, so dass sie den Aufprall kaum spürte. Sie schnappte nach Luft, als sie versuchte sich wieder aufzurichten. Doch anstatt sie loszulassen, drückte ich sie eng an meine Brust. Mir war klar dass sie keine Bewegungsfreiheit hatte, in meinem festen Stahlgriff. Erschreckt starrte sie mich an, jedoch viel ich nicht darauf ein, denn ihr Herzschlag war Verhältnismäßig ruhig. Mir gefiel es, Herr der Lage zu sein und Kontrolle über ihren zerbrechlichen Körper zu haben.
Schalkhaft schaute ich ihr tief in die Augen. >>Wie war das noch mal?<< knurrte ich gespielt.
>>Du bist ein sehr, sehr fürchterliches Monster<< sagte sie atemlos.
>>Das hört sich schon besser an.<<
>>Ähm.<< Sie versuchte, sich meinem Griff zu entwinden. >>Darf ich jetzt wieder aufstehen?<<
Ich lachte nur.
>>Können wir reinkommen?<< fragte Alice leise vor der Tür.
Bella versuchte nochmal, sich zu befreien, doch ich rückte sie bloß ein wenig zurecht, so dass sie halbwegs gerade auf meinem Schoß saß.
Alice stand in der Tür und hinter ihr Jasper.
>>Herein mit euch.<< sagte ich lachend.
Alice tänzelte zur Mitte des Raumes, wo sie sich geschmeidig zu Boden sinken ließ. Jasper blieb aus Rücksicht und vor Schreck an der Tür stehen und fixierte mich mit seinem Blick. [Du wirkst in ihrer Nähe so unglaublich menschlich.] dachte er.
>>Es klang, als würdest du Bella verspeisen, also haben wir gedacht, wir sehen mal nach, ob für uns was übrig bleibt << verkündete Alice.
Bella zuckte zusammen, entspannte sich aber sofort wieder.
Ich grinste. >>Tut mir leid, ich kann euch, glaube ich, nichts abgeben<< erwiderte ich und zog Bella gewagt nahe an mich heran.
Jasper fing ebenfalls an zu lachen. >>Eigentlich<< setzte er an und trat ins Zimmer, >>wollten wir dich fragen, was du von einem Spielchen hälst. Emmett hatte die Idee - und Alice meint, es wird heute Abend noch ziemlich heftig gewittern.<<
Meine Augen blitzen vor Begeisterung, doch ich zögerte.
>>Bella kannst du natürlich mitbringen<< zwitscherte Alice vergnügt.
Jasper warf Alice einen kurzen Blick zu.
>>Hat du Lust?<< fragte ich sie erwartungsvoll mit leuchtenden Augen.
>>Warum nicht?<< antwortete sie.
>>Ähm, was genau wollen wir denn machen?<<
>>Baseball spielen - wir müssen nur auf den Donner warten. Du merkst dann schon, warum.<<
>>Brauch ich einen Schirm?<< fragte Bella.
Jasper, Alice und ich lachten.
>>Und?<< fragte Jasper und sah Alice an.
>>Nein.<< sagte sie mit fester Überzeugung. >>Das Gewitter wird sich hauptsächlich über der Stadt entladen. Auf der Lichtung müsste es halbwegs trocken bleiben.<<
>>Prima.<< sagte Jasper enthusiastisch.
>>Lass uns mal Carlisle anrufen, ob er Lust hat.<< sagte Alice beim aufspringen und lief zur Tür.
>>Was für eine Frage<< sagte Jasper lachend und beide waren verschwunden. Jasper schaffte es unmenschlich und unauffällig ruhig die Tür hinter sich zu schließen.
>>Als hätte ich in der Schule noch nicht genug Sport<< sagte Bella und verdrehte die Augen.
>>Keine sorge, du schaust nur zu<< beruhigte ich sie.
>>Warum spielen Vampire überhaupt Baseball?<<
>>Es ist der amerikanische Nationalsport<< sagte ich mit gespielter Feierlichkeit.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Jun 25, 2018 ⏰

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