1. Kapitel - Pasco (WA)

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Die unsanfte Landung weckt mich auf. Ich blicke auf den Kopf des Mannes, der immer noch auf meiner Schulter ruht. Seufzend schüttele ich den Kopf, ehe wir zum Stillstand kommen und die Durchsage erklingt. Pasco ist eine kleine Stadt in Washington, und ich habe nicht vor, mich länger dort aufzuhalten. Ich krame nach dem Zettel, auf dem ich mir eine wichtige Adresse notiert habe. Nachdem ich mir gar nicht erst die Mühe gemacht habe, mich zu orientieren, sondern sofort mein Handy gezückt habe, entscheide ich mich dazu, die kurze Strecke zu laufen. Seltsamerweise fühle ich mich ganz normal. Als würde ich in meiner kleinen Heimatstadt durch die Straßen schlendern, während der Wind die bunten Herbstblätter auf den Boden trägt. Es wirkt, als hätte ich das alles nur geträumt. Meggies Tod, den Streit mit meinen Eltern, den Flug nach Amerika. Ich könnte jeden Moment mit meiner kleinen Schwester im Arm aufwachen und merken, dass alles in Ordnung ist. Ich habe Mühe, den Kloß in meinem Hals zu schlucken. Wieso quäle ich mich nur selbst so?

Ein großer, rundlicher Mann mit Vollbart steht wartend vor dem Autohaus, dessen Adresse ich mir notiert hatte. Das hier ist kein Urlaub, sondern eine Mission. Und ich werde starten, sobald ich den Schlüssel meines Mietwagens im Zündschloss drehe. Ich nicke dem Mann, um ihm verständlich zu machen, dass ich diejenige bin, auf die er wartet. Er begrüß mich freundlich und verschwindet kurz darauf, um alles Notwendige zu besorgen. Meine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin ermöglicht es mir, mich ohne Probleme mit den Amerikanern unterhalten zu können. Ich spüre ein verdächtiges Kribbeln in meinen Fingerspitzen, als ich das blaue Auto mustere. Ich bin Feuer und Flamme. Nie zuvor in meinem Leben hatte ich etwas so sehr gewollt wie dieses Abenteuer. Ganz allein, ohne jegliche Pläne. Lediglich bepackt mit einer Karte, auf der ich mir einige Punkte angemerkt habe. Ich bin mir sicher, dass dieser Wagen mich an mein Ziel bringen wird, wo auch immer das sein sollte. Der Mann kehrt mit Papieren und Schlüssel zurück und zwinkert mir zu, bevor er mir beides aushändigt.

Ich habe das Gefühl, in Pasco ist die Zeit stehen geblieben, als ich durch die Straßen fahre. Alles geht so furchtbar langsam. Ich bin mir nicht sicher, ob es an mir liegt. An meinem verwirrten Kopf, der irgendwo zwischen Deutschland und Amerika, zwischen Traum und Realität aufgehört hat, zu glauben, was er sieht. Ich fühle mich wahnsinnig leicht. Und auch irgendwie leichtsinnig. Das einzige, das ich habe, ist Hoffnung. Hoffnung auf Frieden, auf Ruhe. Hoffnung darauf, wieder ich sein zu können, wenn ich zurück bin.

Als ich ein paar Runden gefahren bin, entschließe ich mich zum Kauf einiger Lebensmittel, bevor ich meine Karte vor mir ausbreite und meinen Finger auf einen westlich gelegenen Punkt bewege. Die erste Nacht werde ich wie geplant im Auto verbringen müssen, um mich kurz darauf auf den Weg zu meinem nächsten Ziel zu machen. Ich weiß weder, was mich auf dieser Reise erwarten wird, noch welche Hürden ich überwinden muss. Ich weiß nur Eines: Ich werde Meggies größten Wunsch erfüllen, was auch immer sich mir in den Weg stellt.


Ich weiß, dass ich euch lange hab warten lassen. Ihr kennt doch sicher alle das Problem mit dem Schulstress.. Jedenfalls hoffe ich nun öfter updaten zu können. Sagt mir gerne, was ihr von der Geschichte so erwartet, und wie ihr dieses erste Kapitel fandet! :)

xskinny




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