Musik hatte mir schon einiges mehr beigebracht als meine Mitmenschen. Diese wiederum hatten mir beigebracht Regeln zu brechen und nicht auf Ratschläge von irgendwem zu hören.
Das Haus ist leer, wie üblich, also wieso nicht den Weinvorrat meiner Mutter plündern und fragwürdige, übernatürliche Rituale durchführen?
(wundervolle Idee, kreativ wie immer)
Die Balkontür meines Zimmers ist offen und lässt die letzten Sonnenstrahlen des Tages herein, die sich im Kristallglas auf dem schwarzen Brett des Ouijaboards spiegeln und bunte Farben an meine Wände werfen. Ich positioniere mich im Schneidersitz vor dem bemalten Stück Holz, das ganz bestimmt tatsächlich magische Kräfte besitzt
(nicht)
während ich einen tiefen Schluck aus einer der Weinflaschen meiner Mutter nehme. Beschissener Tag.
Wieso tue ich das eigentlich? Vermutlich nur aus Langeweile und um meiner Schwester zu beweisen, wie bescheuert dieses esoterische Zeug ist. Wieso schenkt sie mir sowas auch? Sie weiß doch genau, dass ich nicht abergläubisch bin. Als wäre sie so eine verrückte religiöse Fanatikerin, die mich zu ihrem Glauben konvertieren will. Und wie ist sieeigentlich auf dieses Zeug gekommen? Wahrscheinlich will ich es gar nicht wissen.
Vielleicht bin ich sogar ein kleines bisschen neugierig. Man weiß ja nie, was so passieren könnte.
Ich lege langsam zwei Finger auf das Glas und denke darüber nach, dass wenn mein Leben ein Film wäre, diese Szene jetzt in Zeitlupe und Nahaufnahme, überlagert von unzähligen epischen Spezialeffekten sein würde.
„Ist noch jemand hier?", spreche ich laut aus und komme mir wieder wie in einem Film vor, in dem die Teeniegirls bei einer Pyjamaparty mit einem Ouijaboard spielen, die ganze Zeit kichern, sich über einander lustig machen wenn eine von ihnen Angst hat und dabei aus Versehen einen bösen Geist freisetzen, der dann leider ein kleines Blutbad anrichtet.
(aber das hier ist kein horrorfilm)
Ich fühle mich echt bescheuert dabei so etwas selber - in der Realität - zu tun. Ich seufze und schiebe das Brett von mir weg, wobei das Glas umkippt und nehme noch einen Schluck Wein. „Das ist doch eh nu-„
Plötzlich ertönt ein klirrendes, lautes Geräusch das dem Zerbrechen eines Spiegels ähnelt und ich springe vor Schreck auf, sofort auf meinen eigenen Spiegel direkt neben mir starrend, den ich nicht einmal berührt habe - doch er ist nicht kaputt, kein einziger Riss, nichts.
Trotzdem stimmt etwas nicht.
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mirrors
Paranormal,,Du bist ich", sage ich in Richtung Spiegel und sehe ihn letztendlich richtig an. Seine Haare sind wie meine, sein Shirt, seine Jeans, sogar die unterschiedlichen Socken, weil ich heute Morgen verschlafen und panisch irgendetwas aus meinem Schrank...