Sieben

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Auch wenn ich versucht hätte, mich Bella zu nähern, hätte es niemals geklappt, denn bis eine Woche nach dem Unfall war sie das Gesprächsthema in ganz Forks. Es wurde sogar in der "Foks Weekly" über sie geschrieben. Ich versuchte, sie endlich aus meinen Gedanken zu sperren, doch sie verschwand einfach nicht. Meine Gedanken führten immer wieder zurück zu dieser Person. Und erklären konnte ich es mir immer noch nicht. Das war das frustrierendste daran. Zu wissen dass ich ihr in irgendeiner Weise hilflos ausgeliefert war. Ich konnte nicht aufhören an sie zu denken, wenn ich verschwinde, komme ich zurück und weiß wieder einmal nicht, warum. Was würde als nächstes kommen? Ich schenke ihr eine Blume und eine Schachtel Pralinen und worauf ein kleines Kärtchen liegt und draufsteht:"Du bist so unwiderstehlich wie auch dein Geruch, bitte lass mich dich töten"? Gott verdammt nochmal.

Offensichtlich konnten meine abwehrende Gesten und meine grimmigen Blicke nicht ihren Zweck erfüllen, denn zwei Tage nach den Unfall sprach sie mich in der Biologie stunde an. Am liebsten hätte ich ihr geantwortet, doch mein Entschluss stand fest. Ich würde sie ignorieren und jeglichen Kontakt zu ihr vermeiden. Deshalb nickte ich nur knapp und blickte dann zum Fenster raus. Sie musste verstehen dass ich nichts mit ihr zu tun haben wollte. Und ich auch...

Heute war- verglichen mit den anderen Tagen- ein eher lustiger Tag. Das erste amüsante war, dass Mike heute vor der Biostunde zu Bellas Platz kam und sie fragte mit hochrotem Gesicht fragte, ob sie mit ihm zum Ball gehen würde. Das lustigste aber daran war, dass sie die flache Ausrede benutzte, sie würde an dem Wochenende zu ihrer Mutter nach Seattle fahren. Es fiel mir wirklich schwer, nicht zu schmunzeln. Als dann Mike noch röter an seinen Platz ging, sprießte auch Bella das Blut ins Gesicht. Wenn man drüber nachdachte, wäre auch dies ein Grund zum lachen gewesen, doch für mich war es einfach nur schmerzhaft. Ich wand mich ab und blieb den Rest der Stunde versteinert neben einer genervten Bella sitzen.

Anscheinend war sie nach dem Vorfall mit Mike besonders aufgebracht, denn als sie das Klassenzimmer verlassen wollte, stolperte sie über die Türschwelle, doch konnte sich grade noch an der Wand festhalten, doch dabei ließ sie ihre gesamten Bücher auf den Boden fallen. Da ich direkt hinter ihr war, hob ich den Großteil ihrer Bücher auf und drückte sie ihr in die Hand, doch anstatt dass sie mich einfach ignorierte und weiter lief, hielt sie mich am Ärmel zurück und schaute mich sauer an. "Was sollte das?" fragte die leise. Was? Darf ich jetzt auch keine Bücher mehr aufheben? Anstatt zu antworten, zog ich nur eine Augenbraue hoch. "Na, du ignorierst mich tagelang und tust trotzdem einen auf Gentleman?" Nein, anscheinend durfte ich's nicht. "Ich halte es einfach für besser, wenn wie nichts mehr miteinander zu tun haben." antwortete ich im selben Ton. "Und wieso?" fragte sie ein wenig verdattert. "Bella, wir waren noch nie Freunde und werden es auch wahrscheinlich nie werden." trotzte ich und ging davon. Ja ich gebe zu, das war ziemlich harsch von mir, doch ich konnte es nicht zulassen, wieder nett zu ihr zu sein. Es bestand immer noch die Gefahr, dass ich durch irgendeine Situation wieder zu ihr fand. Und jedes Mal wenn das passierte, würde es schwerer sein, sich von ihr fernzuhalten.

Der Spaß ging in der Cafeteria weiter, als Eric sich zu ihr setzte, einen Arm um sie legte und ihr unauffällig zuflüsterte, ob sie mit ihm zum Ball ginge. Auch ihm gab sie einen Korb, wieder mit derselben Begründung.
Vielleicht lag ja doch etwas an der Aussage, sie würde nach Seattle fahren. Vielleicht hätte sie sich wirklich einen festen Termin gesetzt, damit sie nicht dahingehen müsse. Doch weit kam ich mit meinen Gedanken leider nicht, denn als ich auf dem Parkplatz Tylers Gedanken las, wusste ich genau, was zu tun war. Ich stieg ins Auto und ließ ein paar andere Autos vorbeifahren, bis ich sah, dass Bellas Transporter Aufbruch bereit war. Ich manövrierte mich in den Verkehr ein, sodass ich direkt vor Bella stand und hinter ihr Tyler. Ich fuhr sehr langsam und dann hielt ich an. Die meisten dachten wahrscheinlich ich täte das ohne Grund, doch ich hatte einen Plan. Als ich es zwei Autos hinter mir Hupen hörte, schaute ich durch den Rückspiegel zu, wie Bella sich bei Tyler entschuldigte und die Schuld auf mich schob. Doch wie ich gedacht hatte, war Tyler eher froh als genervt von diesem Stau, denn jetzt war es für ihn die passende Gelegenheit, Bella die tausend-Dollar-frage zu stellen "Ich weiß ist nicht schlimm" antwortete er auf den Bissigen Kommentar von Bella, die grade erwähnt hatte, dass ich den Stau verursachte. "Eigentlich passt das ganz gut, denn ich wollte dich fragen, ob du mit mir zum Ball gehst." Doch anstatt sofort zu antworten, drückte die einmal wütend auf die Hupe, und als sie merkte, dass sich nichts im Verkehr änderte, sagte sie "Ich bin in diesem Wochenende in Seattle." dabei sah die mich so finster an, dass ich aufs Gas trat und schnell davonfuhr, damit sie nicht auf dumme Gedanken kam, wie mir zum Beispiel in den Kofferraum zu fahren. Ich glaube sie wusste genau, dass ich den Stau extra verursacht hatte. Und der Blick danach. Zum schreien.

Leider hatte ich denselben Fehler wie gestern gemacht, nur dass ich, anstatt ihren Schulbüchern, ihre Autoschlüssel aufgehoben hab.
"Wieso bist du eigentlich immer da, wenn ich etwas tollpatschiges mache?" Sie war nicht sauer, jedoch ein wenig genervt. "Du bist unaufmerksam." sagte ich. "Das ist keine Antwort!" entgegnete sie. Wenn es so weiterging, würde es wieder in einem Streit ausbrechen. Das wollte ich nicht schon wieder auf mich nehmen, aber sie anscheinend schon. "Was sollte eigentlich gestern der Stau?" "Na, ich wollte Tyler doch schließlich auch eine Chance geben, dich aus zu fragen." sagte ich so beiläufig wie möglich. Sie starrte mich erst total entgeistert, dann wütend an. Innerlich lachte ich mich wieder zu Boden. Das musste einfach sein. Sie schien ziemlich sprachlos, denn sie hatte immer noch nichts gesagt. Das verblüffte mich ein wenig. Sie musste doch zumindest eine kleine Erwiderung darauf finden. Ein Grinsen Schlich sich auf meine Lippen. "Was? Das heißt du hast mich seit was weiß ich wievielen Tagen ignoriert und so getan als ob ich nicht existiere. Das einzige was ich für eine Reaktion aus dir rausbekommen habe, als ich dich angesprochen habe, war ein nicken. War es etwa eine derart schlechte Entscheidung, mich vor dem Van zu retten, dass du mich aufs Blut reizen musst?" jetzt hatte sie ihre Stimme wieder gefunden und ich meine verloren. Sie stürmte davon und ich stürmte hinterher. "Hey warte mal." ich fasste sie sanft an der Schulter an. Sie drehte sich ruckartig um und ich blieb sofort stehen. Ich weiß das war nicht nett von mir..." doch sie unterbrach mich. "Warum lässt du mich nicht einfach in Ruhe?" "Weil ich dich etwas fragen wollte." sagte ich seelenruhig. "Sag mal hast du eine gespaltene Persönlichkeit?" fragte sie prompt. Wiebitte? Das hat doch jetzt gar nichts damit zu tun. "Was ich dich fragen wollte", wiederholte ich "hast du Lust am Samstag..." doch zum wiederholten Mal unterbrach sie mich. "Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?" Nein, es war nicht mein Ernst, ich hatte es extra so formuliert. Ich wollte schließlich auch meinen Spaß. Sie war kurz davor, wieder davonzulaufen, doch ich hielt sie am Handgelenk fest. "Lass mich doch erstmal ausreden." sagte ich, wobei ich ein Schmunzeln unterdrücken musste. "Ich wollte dich fragen ob du am Samstag wirklich nach Seattle fährst." ich war auf ihre Reaktion gespannt. "Hast du mich belauscht?" sie sah ein wenig geschockt, ein wenig peinlich berührt aus. "Gehst du nun hin oder nicht?" ich wusste genau was sie jetzt dachte. Man konnte es in ihrem Gesicht ablesen. Warum geht er meinen Fragen aus dem Weg? Doch ich hatte nunmal eine Frage gestellt und ich wollte auch meine Antwort. "Ja, ich gehe nach Seattle." sagte sie nachdenklich. "Hättest du Lust, mit mir mitzufahren." fragte ich unerwartet. Ich hatte mich selbst verwundert. Hatte ich das grade wirklich gesagt? So viel zu dem Thema, dass ich nie wieder etwas mit ihr machen werde. Pah! "Wiebitte?" fragte sie überrumpelt. "Ich hab gefragt, ob du..." "Ja ich habs doch verstanden." Ich kicherte leise. "Wie kommt der plötzliche Sinneswandel? Und vorallem, wann hast du denn entschieden, dich nicht mehr von mir fernzuhalten?" "Ich habs einfach leid, dich immerzu zu ignorieren. Und um alles wieder gut zu machen und dein Transporter eh kurz vor dem Zusammenbruch steht, hab ich gedacht ich nehme dich mit?" sie schaute beleidigt. "Mein Transporter funktioniert Einwandfrei!" "Bella, das war nicht die Frage." sagte ich belustigt. "Ja ich komme gerne mit." sagte sie leise.
"Du solltest dich wirklich von mir fernhalten." Riet ich ihr noch, dann ging ich zum Unterricht. Ich konnte mir nur allzu gut ihr verwirrtes Gesicht vorstellen. Was sie wohl grade denkt? Wahrscheinlich, dass ich vollkommen geistesgestört bin und mal lieber zum Arzt gehen sollte.
Ich kicherte in mich hinein, dann sah ich Alice auf dem Gang. Ich hatte ihr immer noch nicht ganz verziehen, dass sie mir diese Vision vorgespielt hatte, doch sie hatte mir mehrere Male erklärt, dass es nicht extra war. Ich konnte nichts beweisen und so beließ ich es dabei. Aber auf mein Vertrauen konnte sie eine Weile verzichten.
Doch das einzige woran ich denken konnte, war die bald bevorstehenden Biostunde.

Hey •.•
Wie ihr wahrscheinlich bemerkt habt, habe ich kein Bild für dieses Kapitel. Das liegt daran, dass es mir extrem schwer fällt, passende Gesichter zu finden, und dann muss noch der Buchname hinpassen... Sry <3 Auf jeden Fall hoffe ich, dass euch das Kapitel gefallen hat.
LG Tamara

Biss Zum Morgengrauen -Edwards Sicht (On Pause)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt