Kapitel 10

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Kapitel 10

Ich wachte von der Ankündigung auf, dass wir nun landen würden.

Eine Stewardess bat mich, meinen Gurt anzulegen. Ich tat alles was sie sagte.

Als ich endlich aus den ganzen Passkontrollen entlassen wurde, lief ich mit meinem Gepäck in die Eingangshalle. Dort standen viele Menschen mit Schildern in den Händen.

Ich konnte Namen lesen wie Andrew, Liza, Ronald und Christina, doch meiner war nicht dabei.

Also setzte ich mich auf die Sitze, die überall angebracht waren, und wartete.

Nach einer Viertelstunde standen nur noch wenige Leute herum, und nach eine halben Stunde war ich allein im Gebäude. Langsam kamen mir die Tränen. War das nur ein böser Scherz von Mom gewesen? War sie böse auf mich, weil ich mich getrennt hatte? Hasste sie mich nun?

Irgendwo wusste ich sicherlich, dass das Unsinn war, und irgendjemand gleich kommen würde.

Aber als nach eineinhalb Stunden immer noch keiner auftauchte, legte ich mich auf zwei Sitze und stützte den Kopf auf meine Handtasche. Irgendwann schlief ich ein.

Ich wachte von einem mich piksenden Zeigefinger auf. "Au", murmelte ich noch vollkommen abwesend.

"Entschuldigung? Miss Parker? Rosalie Parker?" Ich hielt die Augen geschlossen. Wehe, er nannte noch einmal diesen entsetzlichen Namen. Ich hatte ihn noch nie irgendjemandem verraten.

"Ja", murrte ich. Dann schlug ich endlich die Augen auf. Und wich mit einem hohen Keuchen zurück.

Vor mir stand wahrhaftig Paul Higgins. "Rose. Du bist es wirklich", sagte er erschrocken. "Was willst du, Paul?"

"Ich bringe dich jetzt in dein Hotel." "Wer hat das alles arrangiert? Doch bestimmt nicht meine Mom!" "Wie kommst du denn auf deine Mom?", fragte er verblüfft.

"Sie macht im Moment eine Dienstreise in England ...", murmelte ich. Langsam dämmerte es mir, wie dumm es gewesen war, zu glauben meine Mutter hätte alles organisiert.

Ich sprang auf. "Ich werde nicht mit dir mitkommen!" Er seufzte. "Sowas in der Richtung hatte ich schon befürchtet. Aber komm, mach jetzt kein Theater."

Er griff sich meinen Koffer und warf mir meine Handtasche zu. "Hey! Lass meine Sachen stehen!", rief ich.

"Oder was? Willst du heute Nacht am Flughafen schlafen? Und morgen zurückfliegen? Komm schon, schlaf wenigstens eine Nacht in dem Hotel! Was kann es schaden?"

Ich biss mir auf die Unterlippe, bis sie anfing zu bluten. Er hatte Recht. Und trotzdem zögerte ich.

"Und du versprichst mir, dass ich morgen zum Flughafen fahren darf? Du wirst mich nicht aufhalten und auch niemand anders?" "Nicht ich und auch niemand anders", versprach er mir.

Ich schluckte. Dann nickte ich. "Okay. Eine Nacht. Aber morgen früh bin ich weg."

Don't walk away without meWo Geschichten leben. Entdecke jetzt