Kapitel 30: Niki Smith

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,,Dann müsst ihr die Variablen freistellen..." weiter höre ich gar nicht zu.
Meine volle Konzentration liegt auf meinem Vorhaben für die Pause. Ich habe niemandem von meinem Plan erzählt, sonst wird noch jemand versuchen mich davon abzubringen.
Sie würden versuchen mich zu beschützen. Aber ich muss lernen meine Entscheidungen selbständig zu treffen.

Plötzlich werde ich von Nelly angestupst ,,Was ist los ?"
,,Nichts , es ist alles gut."
,,Hm okay."

Als es endlich zur Pause klingelt packe ich erleichtert meine Sachen ein.
,,Wieso hast du es denn so eilig ?" fragt mich Maria belustigt.
,,Was ist das für ne Frage, sie will zu ihrem Schatzi." erklärt Nelly während sie Knutschgeräusche nachahmt. Dafür kriegt sie einen Schlag auf ihren Hinterkopf von mir.

Wir begeben uns daraufhin in die Cafeteria und setzen uns an einen freien Tisch.
Nelly und Maria unterhalten sich die gesamte Zeit über die Freunde von Stephen.
,,Hey hörst du uns überhaupt zu ?" fragen mich die beiden aufgebracht. Ich schüttle kurz meinen Kopf und entschuldige mich.
,,Also worum ging es ?" die beiden fangen synchron an zu lachen.
,,Auf einer Skala von eins bis zehn, wie gut kann Stephen küssen ?" Ich fange an zu grinsen.
,,Stephen ist ein leidenschaftlicher Mensch, er nimmt trotzdem Rücksicht auf mich bei egal was. Ich glaub das sagt alles aus oder Mädels." wir drei lachen los.

Ich beobachte wie die Cafeteria immer voller wird und entscheide mich dafür endlich mein Plan in die Tat um zu setzen.
Ich stelle mich auf den Tisch, was bereits einige Blicke auf mich zieht unter anderem die von Nelly, Maria und auch Stella.

Ein Mal durchatmen und durchziehen.
,,Darf ich bitte um eure Aufmerksamkeit bitten." nun liegen wirklich alle Blicke auf mir.
,,Viele von euch haben sich in letzter Zeit gefragt, wer Thalia ist und ich weiß es. Ich bin Thalia." dies verursacht lauter Gemurmel. Es verunsichert mich und lässt mich durch die wirre Menge gucken. Ich entdecke Stephen, der meine Anspannung wohl bemerkt hat und mir aufmunternd zu nickt und mir einen beruhigenden Blick schenkt.
Sein Blick gibt mir wie so oft Kraft um weiter zu machen.

,,Ich wurde zu Thalia, weil ich mich nicht traute meine Meinung offen zu äußern. Die Meinung von anderen Leuten war mir wichtiger als meine eigene. Ich dachte ich würde zu meiner Meinung stehen, wenn ich Thalia bin. Ich hab mich selbst belogen. Die Anonymität hat mir Schutz gegeben, es war eine Schutzmauer hinter der ich mich verstecken konnte. Ich dachte ich wäre ein Vorbild für all die jenen, die genau wie ich ihre Meinung nicht frei äußern konnten. Dabei war das was ich tat nie ein Begriff von Freiheit, sondern Feigheit. Aber ich habe durch Thalia auch dazu gelernt. Ich habe gelernt was es heißt Jemand zu sein und sich nicht von den Idealen der Gesellschaft beeinflussen zu lassen. Es tut mir Leid,dass ich euch belogen habe."
Ich bin zum Gehen geneigt als plötzlich ein Applaus erklingt. Ich schaue auf in die Gesichter der Menschen, die keinerlei Wut zeigen, sondern viel mehr Begeisterung.

,,Ich möchte auch etwas sagen." kommt es von einem zierlichen Mädchen, es ist Gwyneth meine frühere Freundin.
,,Ich hatte Bulimie, weil ich dachte ich müsste perfekt sein. Ich war dabei meinen eigenen Körper zu zerstören, bis Thalia kam. Auch wenn ich nicht wusste wer sie ist, gab sie mir Kraft. Sie half mir dabei ich selbst zu werden und zu meinem Körper zu stehen. Dafür will ich dir danken Niki, auch wenn du nicht zu dir selbst standest hast du Menschen geholfen. Danke Niki."

Erneutes Gejubel ertönt durch die Cafeteria und auf Gwyneths Gesicht zeichnet sich ein Lächeln ab.

Erneut steigt jemand auf einen Tisch, diese Person kenne ich nicht.
,,Ich bin Chris und ich war auch ein Fan von Thalia. Ich habe mich jedoch nie ganz getraut zu mir selbst zu stehen, bis Heute, bis zu demZeitpunkt als Niki auf diesen Tisch gestiegen ist und mir Mut gegeben hat um das hier zu tun.
Ich bin schwul. Und ich bin stolz darauf, das habe ich dir zu verdanken. Danke Niki."

Schon wieder ein lauter Applaus.

In dieser Pause steigen noch viele Leute auf Tische und erzählen ihre Geschichten. Ich werde jedoch von jemand ganz Bestimmtes in die Arme geschlossen.

,,Ich bin so stolz auf dich Prinzessin." flüstert Stephen in mein Ohr und drückt mir einen Kuss auf die Halsbeuge.
,,Das hätte ich nie ohne dich geschafft. Ich liebe dich." ich drehe mich in seinen Armen um, um ihm in sein Gesicht schauen zu können.
,,Ich dich auch."
Und schon küssen wir uns voller Gefühle und blenden dabei völlig unsere laute Umgebung aus. Bis plötzlich ein lautes Räuspern neben uns zu hören ist.
,,Es tut mir leid euch zu stören, aber ich wollte nur kurz sagen, dass ich stolz auf dich bin Niki." Und dann verschwindet Ms. Maroni in der Menge.

Nun hier in seinen Armen kann ich nach einem langen Weg sagen. Ich bin Niki Smith.

Wer ist Thalia?  Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt