Wie Espinosa gesagt hatte, saßen die anderen Magcon Boys im sogenannten Hintergarten welcher wiederum hinter einem Gartenhäuschen lag, um ein Lagerfeuer.
Ich ging näher an die Feuerstelle und blickte in die Runde. Alle waren dort im Innersten Kreis ohne irgendwelche anderen Leute versammelt, nur Anja fehlte komischerweise. Alarmiert sah ich zu Cameron, der auch am Feuer saß: "Wo ist Anja? Meine Freundin?" Mit zerknirschter Miene sah er mich an und ich befürchtete das allerschlimmste. Hoffentlich hatte sie sich nicht am Feuer verbrannt, das wäre bei ihr schon möglich gewesen. "Die telefoniert irgendwie mit Leon oder so ähnlich.", gab er zur Antwort und stützte seinen Kopf in die Hände. "Hä mit wem?", fragte ich irritiert. Mit bedrücktem Gesicht sah er mich wieder an und antwortete: "Vielleicht hieß er auch Lancelot oder so. Er hatte einen ziemlich bescheuerten Namen." Ich verdrehte genervt die Augen: "Kannst du vielleicht mal Klartext reden, Cameron?"
"Verdammt sie hat mit Lampert oder Levin telefoniert. Woher soll ich den blöden Namen ihres dahergelaufenen Freundes kennen?! Ich kenn ihn ja nicht mal, wie du vielleicht gemerkt hast.", sagte er aufgebracht und ignorierte mich dann.
Wenn sie mit Lewis telefonierte war sie wenigstens nicht in Gefahr, also setzte ich mich auf einen freien Platz in die Runde.
"Kommt machen wir was interessantes. ", teilte Carter in die Runde mit und klatschte in die Hände. Was kam jetzt wohl? Menschärgeredichnicht, Hufeisenwerfen oder etwa Häuser mit Eier bewerfen? Ich hatte mal irgendwo gelesen, dass Leute die früh berühmt wurden und sogut wie keine Kindheit hatten, sie später immer mehr auslebten. Vielleicht war das ja bei Magcon der Fall.
"Und was schlägst du vor Reynolds?", fragte Taylor und sah ihn gespannt an.
"Ich hätte da so eine Idee.", meinte er geheimnissvoll und zog eine Münze hervor. Was sollte das jetzt werden? Anscheinend wussten alle außer ich Bescheid, denn Shawn sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an: "Nein."
Carter hatte wahrscheinlich mit seiner Antwort gerechnet denn er meinte: "Mendes, wir wissen eh alle dass du für solche Dinge nicht genug Mann bist." Shawn schnaubte verächtlich: "Und dein Gehirn ist anscheinend auch kein bisschen gewachsen, immer noch so groß wie eine Erdnuss."
Carter lachte als würde ihn Shawns Reaktion nur amüsieren. "Worin gehts in dem Spiel?", fragte ich verunsichert. "Es ist halb so schlimm wie unserer kleiner Freund es beschreibt. Wir werfen einfach eine Münze, wenn man Kopf hat muss man nichts tun und der nächste kommt dran, bei Zahl trinkst du einfach einen Shot. Verstanden?", fragte mich Carter und seine Augenbrauen zuckten. Ich rührte nie auch nur Alkohol an, vorallem weil ich erst 17 war und nicht 21 und ich somit gegen das Gesetz verstoßen hätte. "Ich trinke nicht.", sagte ich und zuckte mit den Schultern. Carters Augen blitzten mich freudig an: "Komm schon, sei keine Spielverderberin. Nur eine einzige Runde. Spiel mit, ein Glas hat noch niemanden geschadet. ", versuchte er mich zu überreden. "Ich weiß nicht so recht.", zögerte ich, mir war das ganze ziemlich unangenehm. Einerseits wollte ich nicht als Spießerin rüberkommen, anderseits war ich nicht scharf darauf betrunken nach Hause zu Tante Brenda zu gehen oder womöglich zu jemanden anders. "Carter sie muss nicht mitmachen. Außerdem ist sie nicht volljährig.", verteidigte mich Shawn. "Da haben wirs wieder: Shawn Mendes muss das arme kleine Mädchen retten, dass nicht für sich selbst entscheiden kann. Traurig, traurig dass du nicht alle Mädchen beschützen kannst, du Held.", meinte Carter mit herablassender Stimme. Ich war hin und her gerissen was ich tun sollte, aber wegen einem Glas würde ich jetzt nicht sterben und dann würde ich einfach Anja suchen. "Ich mach mit. Aber nur für eine Runde.", sagte ich und Carter sah mich begeistert an: "Gute Entscheidung Süße."
Shawn hingegen sah mich wütend an und stand auf: "Werden wir ja sehen. Ich bin bei Espinosa."
Nachdem Cameron sein viertes Glas geleert hatte und die Münze wieder an mich gereicht wurde, war mir schon etwas schwindlig, obwohl ich erst zweimal dran war. Trotzdem bemerkte ich wie Carters Hand immer auf meinem Rücken ruhte, obwohl ich immer weiter weg rutschte, er rutschte nach. Gerade als ich die Münze aus seiner Hand entgegen nehmen wollte, rutschte er noch näher und näher und drückte mir einen feuchten Kuss auf die Schläfe. Das war zu viel. Obwohl die anderen anscheinend nichts bemerkt hatten, wusste ich dass ich es mir nicht eingebildet hatte, denn der zufriedene Gesichtsausdruck den er hatte, als ich zurückwich konnte ich mir nicht einbilden. Mit einem Ruck stand ich auf und mein Stuhl fiel zurück als ich rückwärts taumelte. Das war einfach zu viel und er zu nahe. Mit klopfendem Herzen schwankte ich zum Gartenhaus um Abstand zwischen das Feuer und mich zu bringen. Ich hielt mir den pochenden Kopf und rutschte an der Wand des Gartenhaus hinab und setzte mich dann mit abgewickelten Beinen hin. Dann schluchzte ich leise und versuchte einen kühlen Kopf zu bewahren. Es waren doch nur zwei Gläser gewesen, wie konnte mein Körper das nicht verkraften! Oder waren es mehr gewesen? Ich wusste nicht wie lange ich dort schon gesessen hatte. Ich wusste nicht wieviele Runden wir gespielt hatten, nur dass ich mehrmals versucht hatte die Runde zu verlassen und trotzdem aufgehalten wurde.
Meine Haare hingen mir verstrubbelt ins Gesicht und eine salzige Träne lief mir über die Wange ohne dass ich etwas dagegen hätte tun können. Ein Wimmern erfüllte meinen Körper und ich hoffte dass Carter nicht nach mir suchen würde. Ich hatte Angst. Einerseits vor Carter, anderseits von der Schwäche die meinen Körper durchflutete.
Ich wischte mir mit dem Handrücken über das Gesicht, als ich Schritte hörte. Dann kauerte ich mich noch kleiner zusammen. Ich wollte keinesfalls entdeckt werden.
"Louisa?", hörte ich eine sanfte Stimme in der Dunkelheit.
Ich zog meinen Kopf tiefer ein, obwohl sich die Stimme nicht nach Carter anhörte. "Louisa!" Die Stimme kam näher bis ich spürte dass sich die Person direkt vor mir befand. Jetzt gab es also kein Entkommen. Die Person bückte sich zu mir hinunter und ging vor mir in die Hocke. Ängstlich sah ich hinter meinem Haarvorhang hervor. Es war nicht Carter. Es war nicht Cameron. Es war nicht Espinosa. Es war die letzte Person die ich hier in der Dunkelheit erwartet hätte: Shawn.
Sanft strich er mir die Haare aus dem Gesicht und ich schloss die Augen, es war einfach viel zu peinlich ihn in diesem Zustand anzusehen. Besonders weil er mir vorhin noch geraten hatte nicht mitzumachen. "Bitte schau mich an.", sagte er leise und legte seine Finger unter mein Kinn. Ich wimmerte und schüttelte den Kopf. Ich konnte ihn einfach nicht ansehen, nicht jetzt und auch nie wieder sonst. "Bitte. ", flüsterte er und fing eine Träne mit seinem Finger auf. Ich schniefte und drehte mich weg. Weg von ihm. Ich legte meinen Kopf in meine Hände und weinte leise. Ich wollte dass er wegging und mich alleine ließ. Er sollte einfach weggehen, dann würde alles besser werden. Seine Hand legte sich in meinen Rücken und er zog mich an sich. Er wiegte mich in seinem Arm und flüsterte beruhigend: "Alles wird gut. " Ich weinte nur noch lauter gegen seine Brust. Was sollte er nur von mir denken. Ich schniefte nochmal und schmiegte mich wie von selbst an ihn. "Carter.", wimmerte ich und seine Haltung versteifte sich. "Was hat er dir angetan?", fragte er mich wütend. Ich schüttelte den Kopf, ich konnte jetzt nicht darüber reden. "Ich schwöre dir, er wird dafür bezahlen. Du musst keine Angst haben, du bist in Sicherheit.", meinte er und streichelte mir über meine Haare. Ich legte meine Wange an seine Brust und hörte seinen Herzschlag. Sanft und beruhigend. Ich roch seinen Geruch. Eine Mischung aus frischer Kernseife und ein leichter Aftershavegeruch. Dann sah ich ihn an und er blickte auf mich hinab. "Danke. ", sagte ich leise und lehnte mich gegen ihn. "Nicht dafür.", stellte er klar und nahm mich fester in den Arm.
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wait for me | s.m
FanfictionSo don't be a fool, wait for me darlin'. Manchmal könnte man denken, dass das Leben mehr Zufälle für einen bereit hält, als man sich erträumen oder erdenken könnte. Manche Zufälle bereichern dein Leben, manche lassen dich zweifeln und denken, doch...
