Als wir endlich an der Endstation angekommen waren - und das lebendig - stieg ich mit wackeligen Beinen aus. Es hatte ganz schön Kraft gekostet mich im Sitz zu halten. Dieser Busfahrer war echt anstrengend.
Ich lief erst mal zu der Bushaltestellenbank, setzte mich hin und wartete darauf, dass der Bus wieder verschwand. Doch das tat er nicht. Stattdessen ging die vordere Tür nochmals auf und der Busfahrer stieg aus. Er kam direkt auf mich zu.
"Worauf wartest du?"
"Darauf, dass meine Beine aufhören zu zittern!", giftete ich ihn an.
"Oh, das Fräulein ist also nicht nur zu schwach, um sich festzuhalten, sondern auch, um zu sitzen!", neckte er mich.
"Kann ja nicht jeder so durchtrainiert sein wie Sie." Ich warf automatisch einen kurzen Blick auf seine Bauchmuskeln, die durchaus besser aussahen als meine. Wie kam ich eigentlich darauf, ihn um sein Sixpack zu beneiden? Ich brauchte keins! Es sei denn, er wäre weiterhin mein Busfahrer...
Er hatte den Blick natürlich bemerkt und konnte sich sein dämliches Grinsen nicht verkneifen.
"Willst du sie mal anfassen?"
Mein Kopf schnellte hoch. Noch so ein Kranker. Schnell weg!
Ich sprang von der Bank auf und lief, so schnell mich meine wackeligen Beine trugen, den Weg entlang.
Zuhause angekommen, knallte ich die Haustür zu und lehnte mich dagegen. Mir entfuhr ein erleichtertes Aufseufzen.
"Eunmi? Bist du wieder da?", hörte ich die Stimme meines Bruders, von irgendwo aus den Tiefen des Kühlschranks kommen. Anstatt zu antworten, ging ich direkt in die Küche und stellte mich neben den Kühlschrank, aus dem nur der Hintern meines Bruders herausragte.
"Du glaubst ja nicht, was mir heute passiert ist! Zuerst hat mein Kursleiter mich angebaggert, dann hat mich ein Pedo begrabscht und dann bin ich mit dem Busfahrer aneinandergeraten. Der hatte sie echt nicht mehr alle! Er hat mich doch echt gefragt, ob ich seinen Bauch anfassen möchte!" Während ich mich über meinen Tag beschwerte, war mein Bruder Jin aus dem Kühlschrank hervorgekrochen und beobachtete mich nun aufmerksam. "Was machst du da eigentlich im Kühlschrank? Es ist doch nicht so warm, dass man in den Kühlschrank ziehen muss oder versuchst du einfach einen kühlen Kopf zu bewahren?", fragte ich mit einer hochgezogenen Augenbraue.
"Ich hab mir nur überlegt, was ich heute kochen soll, wo doch meine Freunde vorbei kommen. Hast du eine Idee?"
"Was bist du denn so nervös? Wer sind deine Freunde? Schauspieler? Sänger? Leute, die mit ihrem Essen spielen?" Ich lachte kurz auf.
"Sie sind einfach nur meine besten Freunde und ich möchte doch, dass es ihnen schmeckt."
"Sie wären bestimmt mit dem Pizza Service zufrieden." Er sah mich einfach nur an. Teils schockiert, teils belustigt.
"Ist das dein Ernst? Weißt du, wie lange wir uns schon nicht mehr gesehen haben? Da kann ich doch nicht mit sowas banalem wie Pizza ankommen!" Mein Bruder war ein leidenschaftlicher Koch und machte aus der kleinsten Veranstaltung ein kaltes Buffet.
"Pizza ist nicht banal! Pizza ist ein kulinarisches Meisterwerk! Der Erfinder der Pizza sollte einen Orden bekommen!"
"Wohl eher bekommen haben. Weißt du wie alt die Pizza schon ist? Schon über zweihundert Jahre!"
"Dafür schmeckt sie aber noch ziemlich gut", meinte ich schulterzuckend. Er musste sich ein Lachen verkneifen, kam dann auf mich zu und drückte mir seine beiden Zeigefinger rechts und links in die Backen.
"Du bist so putzig", lachte er, als ich meine Backen aufplusterte. "Ich glaube, ich weiß was ich koche."
Oh gott, was kommt jetzt?
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A bus stop story || k.th ff ||
FanfictionJeder kennt diese Busfahrer, die fahren wie die Henker und dann in die Bremsen treten, als hätten sie nicht mehr alle Tassen im Schrank. Wenn alle Sitzplätze besetzt sind muss man sich logischerweise hinstellen und irgendwo halt suchen, um nicht der...