School

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Ich lief neben Bruce durch einen der vielen Gänge der Schule. Viele Schüler waren nicht mehr da, aber die paar, die tratschend in den Gängen standen, sahen voll Verwunderung zu uns. Beziehungsweise zu Bruce . Es hätte nur noch gefehlt, dass ihn jemand um ein Autogramm oder ein Foto bittet, aber sie trauten sich scheinbar nicht. Mir war die überzogene Aufmerksamkeit merklich unangenehm und ich war froh, als wir am Sekretariat ankamen. In dem kleinen Zimmer begrüßte uns eine Frau, die sich uns als die Direktorin Mrs. Collins vorstellte und uns die Hand gab. Wir setzten uns gegenüber von ihr. Sie saß in einem roten Drehstuhl und schaut streng, ohne eine Miene zu verziehen, auf uns herab. Zumindest fühlte ich mich so, als ob sie von oben auf mich herab schaute, eigentlich war sie hinter ihrem Tisch ungefähr auf meiner Augenhöhe. Ihre Haare waren spiegelglatt nach hinten gebürstet, blond und lang, sie trug einen schwarzen, schlichten Blazer und ein Paar silberne Hängeohrringe zierten ihre kleinen Ohren. Nachdem mein Onkel und sie das gröbste besprochen hatte, kramte sie einen Papierstapel aus einem der Ordner zu ihrer linken.

Circa zwei Stunden hatten wir gebraucht, um all die Antworten zu geben, die Mrs. Collins hören wollte. Bruce war genauso entnervt wie ich und wir beschlossen anschließend uns noch in ein Café zu setzen. „Oh Gott... ich hoffe für dich, dass nicht alle Lehrer so sind", meinte Bruce lachend, als er sich erschöpft auf seinen Stuhl fallen ließ. „Vielleicht hätte sie Agentin werden sollen, so wie die mich analysiert hat", antwortete ich lächelnd, „oder Coach in einem Militärcamp", fügte er hinzu. Er war so sympathisch, ich wollte immer noch hier weg, aber in seiner Nähe fühlte ich mich gar nicht mehr so fremd, obwohl wir uns kaum kannten. Er war das einzige was das alles hier erträglich machte. Er schien gemerkt zu haben, dass ich in Gedanken war und wollte gerade anfangen etwas zu sagen, aber er kam nicht mehr dazu, da die Bedienung in dem Moment zu unserem Tisch kam. Ein bisschen froh war ich darüber, ich war noch nie gut darin meine Gedanken in Worte zu fassen.

Am nächsten Tag war mein erster Schultag an der neuen Schule. Mein Wecker klingelte mich schon um 6 Uhr aus dem Bett. Wie eine Leiche stolperte ich in mein Bad und entschied mich dazu meine langen, braunen Haare einfach zu einem Zopf zu machen und mir eine schwarze, lange Jeans mit einem weisen Top und einer dünnen, schwarzen Jacke anzuziehen. Dann lief ich in die Küche, in der Bruce schon auf mich wartete. Wir aßen Frühstück und dann fuhr er mich zur Schule, weil es ja fast auf dem Weg zu seiner Arbeit lag.

Vor der Schule angekommen merkte ich erneut, dass ein Lamborghini leider nicht sehr unauffällig war. Alle starrten mich an und ich versuchte die Blicke zu ignorieren, indem ich auf den Boden schaute. Das nächste Mal soll Bruce nicht genau vor dem Tor halten. Heute Morgen war im Schulgebäude schon wesentlich mehr los als gestern Nachmittag. Alles wimmelte. Fast fühlte ich mich wie zuhause. Ich verstand nicht ganz, was an dieser Schule besser sein sollte, sie sah von der Grundstruktur ähnlich aus wie meine alte. Gerade kam ich an ein paar Jugendlichen vorbei, die einen Schüler gegen ein „Anti-Mobbing-Plakat" schubsten. Ich entschied mich einfach dazu zum Sekretariat zu gehen, das war das einzige zu dem ich den Weg wusste. Vor der Tür stand sogar schon ein Mädchen mit rotbraunen Locken, das scheinbar nach mir Ausschau hielt. Sie stieß sich von der Wand ab, an die sie gerade noch gelehnt war und kam auf mich zu. „Hey, bist du Kelly? Die Neue?", fragte sie mich. Sie wirkte sehr offen und fröhlich. „Ähm, Kelsey...", antwortete ich nur schüchtern. „Was auch immer", lachte sie, „ich soll dir die Schule zeigen, ich heiße Madison." Daraufhin hüpfte sie los und zeigte mir das gesamt Schulgebäude, während ich versuchte hinter ihr herzukommen und mir das wichtigste zu merken. Nach zehn Minuten waren wir scheinbar in unserem Klassenzimmer angekommen. Madison setzte sich auf einen Stuhl in der vorletzten Reihe, neben einen schwarzhaarigen Jungen und bat mir an neben ihr zu sitzen. Naja, wahrscheinlich war auch sonst nirgends mehr Platz gewesen, aber ich nahm den Stuhl dankend an. Kurze Zeit später klingelte es und eine Frau kam hereingestützt. Ihr schwarzer Pferdeschwanz schwang bei jeder Bewegung und die Blätter, die sie auf den Armen trug wären wohl heruntergefallen, hätte sie sie nicht im letzten Moment auf den Tisch geworfen. Wie zu erwarten, war die erste Stunde mit unser Lehrerin einfach nur seltsam. Zwar hatten wir alle unterschiedliche Kurse gewählt, aber Grundklassen gab es dennoch und unsere Klassenlehrerin war die, die gerade vorne auf dem Lehrerpult saß. Natürlich wollte sie, dass ich mich vorstellte. „Guten Morgen Klasse, wie ihr wahrscheinlich schon gesehen habt, habt ihr eine neue Schülerin", ein paar drehten sich zu mir um, realisiert hatten sie mich wohl noch nicht wirklich, „steh auf und stell dich doch mal vor, bitte, wer du bist, wo du herkommst, ich bin Mrs. Porter, übrigens", sie hatte sehr breite Schultern für eine Frau und ihre helle Stimme passte irgendwie nicht in das Gesamtbild. Sie wirkte nett, auch wenn mich ihr prüfender Blick löcherte. Schließlich stand ich auf, „Ähm, hallo ich heiße Kelsey... Wayne", bei dem Nachnamen starrten mich alle Schüler an, was die Situation nicht angenehmer für mich machte, „und ich komme aus einem kleineren Ort in Montana." Ich überlegte, ob noch irgendetwas fehlte und schaute Mrs. Porter fragend an, doch sie winkte mich nur wieder zum hinsetzten. „Schön, schön, dann machen wir mal weiter." Madison lehnte sich zu mir, „Wayne? So wie in Bruce Wayne?", flüsterte sie mir aufgeregt zu, „Ja... er ist mein Onkel...", meinte ich nur und schaute wieder nach vorne, da Mrs. Porter uns schon im Auge hatte. Wir schwiegen beide, um keinen Ärger zu bekommen, aber Madison war sichtlich erstaunt darüber.

Nach dieser ersten, langweiligen Deutschstunde stellte mir Madison Janson vor, der Junge, der vorhin neben ihr saß. Sie waren beide sehr aufgedreht und passten sehr gut zusammen, wenn auch nur freundschaftlich. Das Gegenteil zu mir, aber irgendwie verstanden wir uns trotzdem. Freunde waren gut auf einer neuen Schule. Natürlich war die erste Frage, die von Janson kam, die die auch schon von Madison fragte, „Bist du eigentlich wirklich verwandt mit Bruce Wayne?", fragte er mich begeistert und um alle Fragen im Voraus beantwortet zu haben, erzählte ich ihnen die ganze Geschichte, wie meine Eltern Bruce gefunden hatten und warum ich hier war.

Danach hatten wir Sport. Endlich ein Fach das ich konnte und dann auch noch Leichtathletik.

„Girl, was war das vorhin eigentlich?", fragte mich Janson nach der Doppelstunde. Ich wusste nicht gleich was er meinte, aber er spielte wohl auf meinen Auftritt auf dem Schwebebalken an, von dem ich einen Salto gemacht hatte. Zwar war ich besser in Gymnastik auf dem Boden und im Klettern, aber ein Salto bekam ich hin. Fast wunderte es mich, dass auf einer Eliteschule nicht einmal die Hälfte der Schüler ein Rad auf die Reihe bekamen... das Gute war, mein Sportlehrer Mr. West hatte einen sehr guten ersten Eindruck von mir, auch wenn ich wahrscheinlich bei den meisten Lehrern noch eine Zeit lang das „dafür, dass sie die letzten Jahre nicht auf solch einer Schule war, sind ihre Leistungen ok" hören muss. Dann gongte es endlich und nach 2 Stunden Chemie und einer Stunde Mathe, waren wir befreit. Ich konnte es kaum erwarten endlich nach Hause zu kommen, zu viele neue Gesichter auf einmal überall. Im Wayne Manor erwartete mich schon Alfred, „Guten Tag Miss Wayne, wie war Ihr erster Schultag?" „Ganz ok, Chemie mag ich immer noch nicht", antwortete ich. Er musste ein wenig lächeln, „Das kann ich gut nachvollziehen. Wenn Sie keine Wünsche mehr haben, würde ich Sie bitten mich zu entschuldigen, Master Wayne teilte mir noch ein paar Aufgaben zu." „Aber natürlich, Alfred", antwortete ich. Sprachen alle Diener so geschwollen? „Was ist eigentlich da unten?", fragte ich einfach, ohne darüber nachzudenken, ob es nicht vielleicht privat war, doch Alfred sagte nur: „Ach, nichts Besonderes, ein paar von Master Waynes Sachen." Ich fragte nicht mehr weiter und ließ ihn weglaufen, woraufhin ich mich auf die Couch setzte und den Fernseher anschaltete. Es liefen gerade Nachrichten, „...Bank eingebrochen. Kurze Zeit später gab das Arkham Asylum der Polizei bekannt, dass der Joker ausgebrochen sei und sich wieder auf freiem Fuß befände. Das GCPD geht davon aus, dass der Einbruch ein Plan des Jokers und seinen Helfern gewesen ist", berichtete der Nachrichtensprecher. Nun wurde ein Bild vom Joker eingeblendet. Der Sprecher erzählte noch irgendetwas über ihn im Hintergrund, doch ich hörte nicht mehr zu, ich starrte nur das Bild an. Es war ein Frontportrait des Jokers. Der Blick seiner giftgrünen Augen schien direkt in meine zu schauen, er trug weißes, verschmiertes Make-up, um seine Augen hatte er schwarze Schminke gemalt und, obwohl es ein Polizeifoto war, grinste er in die Kamera. Ein Grinsen, das ich noch nie vorher bei irgendwem gesehen hatte und kaum einschätzen oder benennen konnte. Ein sicheres, überzeugtes Lachen mit verwischtem, rotem Lippenstift und von seinen Mundwinkeln aus führten jeweils eine Narbe zu seinen Wangen, sodass sie das Grinsen noch größer und... schrecklicher aussehen ließen. Auch wenn schrecklich nicht das richtige Wort gewesen wäre... eher... was denke ich hier überhaupt? Natürlich war das das richtige Wort, es ging um einen psychopatischen Massenmörder. Ich schüttelte meinen Kopf, um die seltsamen Gedanken aus meinem Kopf zu bekommen, im nächsten Moment war das Bild auch schon weg und der Nachrichtensprecher ging zum nächsten Thema über: „Aus dem Museum of Art, neben dem Robinson Park wurde gestern Abend ein altantikes Stück, aus der Zeit des römischen Reiches, entwendet. Hinterlassen wurde ein Rätzel, wodurch der Verdacht auf dem Riddler liegt." Ich schaltete den Fernseher wieder aus, es fiel mir eh schwer mich darauf zu konzentrieren, denn vor meinen Augen sah ich immer noch das Bild des „Clown prince of crime" vor mir. Ich hatte schon mal von ihm gehört.

Driving into madness (Gotham ff - german)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt