Die Zeit bis zu Meis Geburtstag hatte sich dank der täglichen Gespräche mit Mercedes wirklich schön gestaltet und war daher auch verdammt schnell vergangen. Meine Nachmittage waren ähnlich abgelaufen wie sonst auch, nur hatte ich nebenbei irgendwann noch ein kleines Geschenk für Mei zusammengestellt. So war also der Samstagabend gekommen, an dem ich an Meis Haustür klingelte. Ich musste nicht lange warten bis das dunkelhaarige Mädchen mir die Tür öffnete. Zoa stand bereits hinter ihr im Flur während die anderen noch nicht da zu sein schienen. Ich kam rein, legte Schuhe und Jacke ab und wir drei begaben uns die Treppe hoch in Meis Zimmer, wo wir uns auf ihrer Coach niederließen. Eine kurze Weile lang führten wir einfach Smalltalk ehe wir von dem Klingeln unterbrochen wurden, welches Meis Handy von sich gab. Sie nahm ab. "Ja?" fragte sie als Begrüßung, weswegen ich davon ausging, dass sie vorher auf dem Display gelesen hatte wer der Anrufer war. Ich hörte die Antwort nicht, alles was ich mitbekam war, wie Meis Mundwinkel sich nach unten verzogen, jegliche Freude aus ihrem Blick wich. Ganz langsam stand sie auf und verließ den Raum, schloss die Tür hinter sich. "Jede Wette Jessi sagt ihr gerade ab." meinte Zoa mit einem komplett gefühlskalten Gesichtsausdruck. Sie erhob sich vom Sofa und ging herüber zu einer Stelle wo Mei eine Wolldecke über etwas geworfen hatte was verdächtig nach einem Alkoholvorrat aussah. Zoa zog die Decke weg und als sie die Bierkiste und die verschiedenen Flaschen die darum herum standen sah schlich sich ein Grinsen auf ihre Lippen. "Bingo." gab sie von sich und schnappte sich eine Bierflasche. "Willst du auch?" fragte sie und blickte mich dabei an. Ich schüttelte den Kopf. "Nachher." meinte ich bloß und Zoa nickte verständnisvoll. Sie schnappte sich einen Flaschenöffner, kam wieder zu mir rüber, setzte sich neben mich auf die Coach, öffnete ihre Flasche, packte den Öffner dann weg und trank einen ersten Schluck. "Nicht schlecht." merkte sie an und warf jetzt erst einen Blick auf das Etikett. Einige Sekunden verstrichen ehe sie sich in meine Richtung drehte, den Ellbogen auf der Rückenlehne des Sofas und den Kopf auf ihrer Hand abgestützend betrachtete sie mich. Ich drehte mich ebenfalls ein wenig in ihre Richtung und legte meinen Kopf auf der Rückenlehne des Sofas ab. Eine ganze Zeit lang schauten wir uns nur an, keine von und sagt etwas. "Was?" Mit dieser kleinen Frage unterbrach ich die Stille. "Nichts" bekam ich eben so knapp wie die Frage ausgefallen war zur Antwort. "Du schaust mich so erwartungsvoll an" beschwerte ich mich daraufhin. "Mache ich gar nicht." Verteidigte Zoa sich und trank einen weiteren Schluck von ihrem Bier. "Doch" hielt ich dagegen und ein schmunzeln legte sich auf meine Lippen. Wo Mei wohl steckte? "Du aber auch." Zoa schmollte und brachte mich damit zum Lachen, ein Lachen in welches sie selbst beinahe sofort mit einstieg. Wir saßen also zusammen aus Meis Sofa, blickten uns an und lachten, ein wahrlich wundervoller Moment.
Während wir noch so am Lachen waren öffnete sich die Zimmertür. "Habt ihr etwa ohne mich Spaß?" beschwerte sich Lucy, die einige Wimpernschläge später durch diese Tür trat. "Niemals!" beteuerte Zoa, während ich aber immer noch am Lachen war. Mir verging das Lachen erst, als Mei hinter Lucy ins Zimmer kam. Sie sah alles andere als glücklich aus und irgendwie brach es mir sehr das Herz Mei auf ihrer eigenen Geburtstagsfeier so traurig zu sehen. "Jessi kommt nicht." erklärte die Gastgeberin nun woraufhin mir Zoa einen bedeutungsvollen Blick zuwarf. Sie hatte Recht gehabt, leider.
Mei blickte auf das Bier in Zoas Hand und schnappte sich dann selbst eines, ehe sie sich zu uns aufs Sofa setzte. Auch Lucy nahm Platzt, fehlte also nur noch Mercedes, zumindest gingen wir davon aus.
Als es jedoch gut zehn Minuten später an der Haustür klingelte sollten wir eines besseren belehrt werden.
Mei stand auf, öffnete die Tür und kam dann wenig später wieder. "Hey Katze!" rief Zoa bereits ihrer besten Freundin entgegen, bevor das Mädchen hinter Mei überhaupt den Raum betreten hatte. An sich ja nichts verwerfliches, der Harken bei dem Ganzen war nur, dass es gar nicht Mercedes war, die da hinter Mei durch die Tür trat.
Jeanie strich sich unsicher durch ihr blondes Haar, scheinbar nicht gewillt ein Wort von sich zu geben. Man sah ihr an, dass sie sich unwohl fühlte, was ich ihr nicht verübeln konnte, denn all unsere Blick klebten auf ihr.
Ich kannte Jeanie nur, weil wir den selben Englischkurs besuchten. Wir alle wussten, dass Mei in der Schule noch jede Menge Bekannte hatte, aber niemand hätte erwartet, dass sie davon jemanden einlud.
Ich senkte den Blick, wollte Jeanie nicht anstarren, denn ich mochte es selbst auch nicht alle Blicke auf mir zu spüren.
Dennoch bekam ich mit, dass Mei sich setzte und Jeanie es ihr nach tat. Nun fehlte also nur noch Mercedes. Ich hatte den Gedanken kaum zu Ende gedacht als es auch schon an der Tür klingelte. Mei erhob sich also wieder und verschwand aus dem Zimmer.
Schweigen herrschte, etwas was wirklich ungewöhnlich für unsere Gruppe war. Zoa trank stumm ihr Bier und Lucy schien in Gedanken zu sein, daher war ich also mal diejenige, die ein Gespräch startete. "Hi... Wenn mich nicht alles täuscht haben wir Englisch zusammen... Hast du auch einen Kurs mit Mei?" fragte ich Jeanie und versuchte mich an einem herzlichen lächeln. Jeanie nickte und erwiderte mein Lächeln halbherzig. "Wir haben Musik und Sport zusammen." erklärte sie und ehe wir die Konversation noch weiter voran treiben konnten öffnete sich dann die Tür des Zimmers wieder. Mei trat wiedermal ein und dieses Mal kam wirklich Mercedes hinter ihr durch die Tür. "Jetzt brauche ich erstmal Shots." verkündete sie. Was Zoa ein glückliches Lächeln ins Gesicht zauberte. "Dankeschön. Wurde aber auch Zeit." Im Gegensatz zu mir waren Zoa und Mercedes gerne mal auf verschiedensten Partys unterwegs, was dafür sorgte, dass ich echt gespannt war, wie der Abend noch weiterhin verlaufen würde.
Schon bald löste sich diese Spannung in mir. Wir redeten, tranken, hörten Musik und waren eben einfach wir. Niemanden störte es, dass wir Jeanie gar nicht wirklich kannten, aber es bemerkte auch niemand wie still die hübsche Blondine den ganzen Abend über war. Zumindest bemerkte das niemand außer mir und ich war einfach zu unsicher um irgendwas dazu zu sagen.
Die Stunden verstrichen, die Flaschen wurden geleert und die Stimmung wurde immer ausgelassener. Irgendwann fiel dann auch noch von irgendjemandem der Vorschlag ein Trinkspiel zu spielen. Die meisten waren sofort begeistert von dieser Idee und so bekam jeder eine Flasche Bier in die Hand gedrückt. "Und was spielen wir jetzt?" fragte Lucy und zauberte damit allen nachdenkliche Ausdrücke ins Gesicht. Mercedes lachte, drehte die Musik leiser und machte dann einen Vorschlag. "Never have I ever?" Zoas Augen begannen zu leuchten kaum waren die Worte ausgesprochen. Sie wedelte mit ihrem Handy rum. "Ich hab eine App!" rief sie begeistert aus und weckte damit in mir den Verdacht, dass sie schon den einen oder anderen Shot zu viel gehabt hatte. Die anderen waren von der Idee sofort angetan. Die App wurde also gestartet und Zoa begann verschiedenste Aussagen vor zu lesen. Für mich machte das ganze Spiel im Grunde wenig Sinn. Ich hatte so wenig Erfahrungen in meinem Leben gesammelt, dass meine Bierflasche lediglich von einer Hand in die andere und wieder zurück, aber nicht zu meinen Lippen wanderte. Zumindest war dies die meiste Zeit des Spieles so. Dann jedoch kam eine Aussage, die dies änderte. "Ich hab mich noch nie in jemanden vom selben Geschlecht verguckt" las Zoa vor. Mein Blick wanderte zu meiner Flasche, dann sah ich wieder hoch, blickte in die verschiedenen Gesichter. Einen Moment schien sich niemand zu regen, dann hob Jeanie ihre Flasche an und trank einen kräftigen Schluck. Durch diese simple Geste brachte sie mich dazu zu vergessen, dass Mercedes direkt neben mir saß. Brachte mich dazu zu vergessen, dass niemand in diesem Raum und auch sonst niemand eine Ahnung von meinen Vorlieben hatte und dies auch besser so bleiben sollte. Ich führte meine Flasche zu meinen Lippen und trank. Noch ehe ich die Flasche wieder vollständig abgesetzt hatte bemerkte ich eine Bewegung im Augenwinkel, als ich meinen Kopf also leicht drehte um zu sehen, wer sich da bewegte blieb mein Herz für eine Sekunde stehen.
Mercedes trank einen großen Schluck aus ihrer Bierflasche, ehe sie diese auf den Sofatisch vor sich stellte und sich ein verlegenes Lächeln auf ihren Lippen bildete.
Sie hatte gemerkt, dass ich sie anstarrte, natürlich hatte sie das, denn mein Blick musste wohl sehr auffällig gewesen sein. Schnell schaute ich weg. Zum Glück war ich niemand, die schnell rot wurde, sonst würde ich jetzt vermutlich aussehen wie eine Tomate.
Sie hatte getrunken, sie hatte wirklich getrunken.
Ob sie wohl schon so besoffen war, dass sie die Aussage einfach missverstanden hatte? Oder hatte sie wirklich schon mal was von einem Mädchen gewollt. Und wenn ja von wem? Die Fragen überschlugen sich in meinem Kopf und sorgten dafür, dass mir leicht schwindelig wurde. Ich hörte nicht was Zoa als nächstes sagte, es interessierte mich auch nicht. Ich brauchte jetzt erstmal eine kurze Weile um das gerade geschehene zu verarbeiten.
Noch ein paar Mal trank ich während das Spiel weiterging einen kleinen Schluck aus meiner Bierflasche. Aber keiner dieser Schlücke brachte so eine Welle an Gefühlen und Gedanken mit sich, wie die solche, die über mir zusammen gebrochen war, als Mercedes eben in gewisser Weise zugegeben hatte schon einmal Interesse an einem Mädchen gehabt zu haben.
Der Abend nahm weiter seinen Lauf und ich musste zugeben, es war ein wirklich toller Abend, wenn auch mich all die Fragen, die sich in meinem Kopf gebildet hatten nicht los zu lassen vermochten. Während ich häufig mal für einige Sekunden in meine Gedankenwelt tauchte, hatten die anderen Mädchen den Abend etwas anders fortgesetzt. Ich hatte Lucy noch nie so betrunken erlebt und von Mei und Zoa brauchte ich gar nicht erst anzufangen. Mercedes hatte zwar die ganze Zeit mit getrunken, benahm sich aber als hätte sie den ganzen Abend keinen Schluck Alkohol gesehen. Entweder sie konnte echt viel ab, oder sie hatte irgendwas anderes getrunken als die anderen drei. Jeanie hatte sich, wie ich auch, eher zurückgehalten. Allgemein hatte man nicht wirklich viel von ihr mitbekommen, was ich irgendwie minimal schade fand. In so einem privaten Umfeld wirkte sie wirklich sympathisch auf mich, das war mir in der Schule nie so aufgefallen. Irgendwann standen Lucy und Mei einfach auf und verschwanden. Sie kamen nicht wieder, weswegen wir beschlossen mal zu schauen wo sie abgeblieben waren. Wir fanden sie im Gästezimmer. Es war schon irgendwie ein süßer Anblick, wie die beiden da so nebeneinander lagen, von einander abgewandt in ihr Traumwelten versunken schienen. "Vielleicht ne gute Idee, wenn sie ihren Rausch ausschlafen." stellte Mercedes fest. Ich schaute zu ihr hoch. "Wie kommt es, dass du nicht betrunken bist?" fragte ich mit einem Schmunzeln auf den Lippen, welches schon seit einer ganzen Weile nicht von dort weichen wollte. Mercedes zuckte mit den Schultern, sagte nichts weiter, sondern drehte sich um. Sie ergriff meine Hand und jagte mir damit eine Gänsehaut über den ganzen Körper. Gemeinsam verließen wir den Raum, erst unmittelbar bevor wir Meis Zimmer betraten löste Mercedes den Körperkontakt zwischen uns. Wie auch vor einiger Zeit in der Schule war diese kleine Berührung zwischen uns nichts wirklich besonderes gewesen, zumindest nicht für Außenstehende, aber für mich war es besonders. Für mich war es etwas Besonderes, etwas Schönes.
Als wir ins Meis Zimmer eintraten lag Jeanie in Meis Bett, Zoa hatte es sich eng neben ihr bequem gemacht und verwechselte das Mädchen scheinbar mit einem Kissen. Ich blickte Jeanie an und hob fragend eine Augenbraue. Das andere Mädchen lachte nur kurz und zuckte kaum merklich mit den Schultern. Mercedes war derweil bereits dabei das Schlafsofa aufzuklappen, oder zumindest versuchte sie es. Irgendwie fand ich es wirklich witzig wie schnell aus Partystimmung ein Haufen schlafender Menschen geworden war. "Hilf mir doch Estelle!" beschwerte sich Mercedes, die scheinbar mit dem Sofa am verzweifeln war. Warum sie mich noch immer Estelle nannte war mir schleierhaft, ich hatte ihr schon mehrmals gesagt sie könnte ruhig Stella zu mir sagen, aber sie war nie darauf eingegangen. Fairerweise musste ich zugeben, dass ich mich auch nicht mit dem Gedanken anfreunden konnte sie Katze zu nennen, aber das war ja irgendwie auch etwas anderes. Irgendwie...
Zusammen hatten wir das Sofa schnell zu einer großen Schlaffläche aufgeklappt, kaum hatten wir dies geschafft ließ Mercedes sich auch schon auf den geschaffenen Schlafplatz fallen. Sie rückte ein Stück zur Seite um mir Platz zu machen. Zögerlich legte ich mich neben sie. Jeanie war drüben in Meis Bett bereits eingeschlafen, weswegen ich für eine Weile gänzlich die Existenz irgendwelcher anderen Menschen verdrängte. Für mich gab es nur Mercedes und ihre wunderschönen kaffeebraunen Augen in welche ich nun direkt schaute. Mercedes schien meine Augen eben so genau zu betrachten wie ich die ihren. "Ich mag deine Augen." flüsterte sie und ohne, dass ich auch nur das grinste dagegen unternehmen konnte sorgten ihre Worte dafür, dass sich ein Lächeln auf meinen Lippen abbildete. "Ich deine auch..." erwiderte ich und fügte dann nach kurzem noch ein "sie erinnern mich an Kaffee" an. Mercedes lachte leise auf. "Kaffee?" harkte sie nach. "Ja Kaffee, lass mich, ich mag Kaffee." rechtfertigte ich mich müde, ehe ich meine Augen schloss. Eine Weile herrschte Schweigen zwischen uns. "Gute Nacht Kätzchen." flüsterte ich dann irgendwann, ohne zu wissen, ob Mercedes überhaupt noch wach war. Noch viel weniger wusste ich, warum ich sie Kätzchen nannte, es erschien mir in dem Moment einfach irgendwie passend. "Gute Nacht Sternchen." hörte ich Mercedes nach einem Moment zurück flüstern. Sternchen? Warum Sternchen? Diese Frage war der letzte Gedanken, der mir durch den Kopf ging, bevor ich einschlief.
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Girls kiss better
Fiksi RemajaWarum verlieben wir uns immer in Leute die wir nicht haben können? Wo ist der Reiz in unerreichbar? Alles hätte so einfach sein können, wenn ich mich einfach in irgendeinen möchtegern Gentleman verliebt hätte. Jemanden, den ich meiner Familie vorste...
