„Baby?" fragte Vladislav erneut, als ich nicht reagierte.
„Ja, tut mir leid. Ich...ich war gerade in Gedanken." nuschelte ich und rieb mir die Stirn.
„Du siehst eher aus als hättest du einen Geist gesehen." lachte er und als ich ihn anschaute, überkam mich eine eiskalte Gänsehaut.
„Was..." stammelte ich und legte meine Hand auf seine Wange. Er hatte tiefe Augenringe und seine Pupillen waren riesig, obwohl die Küche gut belichtet war. Seine Haut war blass und ich bildete mir ein, dass seine Augen ein wenig gerötet waren.
„Was hast du gemacht?" fragte ich schockiert, als er mich verwirrt, aber dennoch mit einem kleinen grinsen ansah.
„Nix, was soll ich denn gemacht haben Baby?" lachte er und nahm meine Hand aus seinem Gesicht.
„Komm, wir gehen wieder raus." sagte er aufgeregt und zog mich eilig hinter sich her.
„Warte doch mal!" rief ich und bremste ihn aus.
„Hast du..."
„Hab ich was?" fragte er ungeduldig und tippelte auf seinen Beinen hin und her.
„Hast du gezogen?"
„Was laberst du nahui? Natürlich nicht. Ich will nur feiern, also los." ratterter er schnell herunter und zog mich dann wieder mit.
„Party!" brüllte er sprang in Richtung Granit, der sofort mit einstimmte und die Musik aufdrehte. Samra hatte sich wieder Valentina gewidmet, die auf seinem Schoß saß und sich den Joint mit ihm teilte.
„Zieh Baby." sagte Vladislav freudig und drückte mir ebenfalls einen Joint in die Hand.
„Nein alles gut." lehnte ich ab und wollte ihm das Teil wieder geben, aber er nahm es nicht an.
„Na komm kleine, nimm nen Zug. Ist doch nur Gras." Kam es von Nima, der seinen Arm brüderlich um Vladislav gelegt hatte, damit er sein Gleichgewicht halten konnte.
„Ihr seid alle viel zu besoffen." lachte ich nur kopfschüttelnd und zog dann einmal kräftig an dem riesigen Tütchen.
„Braves Mädchen." sagte Vladislav euphorisch und nahm ihn mir wieder ab.
„Das Problem ist, dass du noch nicht besoffen bist. Sonst hättest du genau so viel Spaß wie wir." Hörte ich Granit, der hinter mir auftauchte und mir eine Mische reichte.
„Was ist da drin?" fragte ich skeptisch und musste lachen, als er immer wieder schwankte.
„Trink einfach." froderte er und ich nahm ihm den Becher ab.
„Eigentlich bin ich vorsichtig bei Getränken, die ich von anderen bekomme."
„Vertrau mir süße, ich hab da bestimmt keine KO-Tropfen rein gemacht." Lachte Granit und taumelte wieder zurück zu Larissa, die sich ihm sofort an den Hals schmiss, wobei sie beide fast umfielen.
Ich nahm einen kleinen Schluck von der mysteriösen Mische und musste fest stellen, dass sie mega gut schmeckte. Wonach konnte ich nicht genau sagen, aber sie war mega lecker.
„Trink Baby. Dann wird unsere kleine Achterbahnfahrt nachher noch wilder." grinste Vladislav und schlug mir auf den Hintern während ich an dem Becher nippte, was dazu führte dass ich mich fast an der Flüssigkeit verschluckte. Ich musste kurz husten, bekam es aber dann wieder in den Griff und schaute ihm entsetzt hinterher, als er sich mit Nima irgendetwas zusammen mischte. Immer wieder lachte er wie ein bekloppter und musste aufpassen, dass er nicht auf die Fresse flog. Klar hatte er gezogen. Aber das würde er nicht zugeben. Und je mehr ich darüber nachdachte, desto wütender machte es mich.
„Können wir kurz reden?" flüsterte ich ihm ins Ohr, als Nima wieder zu Melanie zurück ging und er alleine vor den ganzen Flaschen stand.
„Alles was du willst." lachte er und folgte mir um die Ecke, wo die anderen uns nicht sehen konnten.
„Vladislav. Ich weiß, dass du was genommen hast."
„Ja, hab ich. Und? Gras ist nichts schlimmes, ich weiß gar nicht was du hast Prinzessa." redete er sich heraus und spielte an meinen Haaren herum.
„Das meine ich nicht." sagte ich streng und schob seine Hand von mir weg.
„Du hast gekokst."
„Hab ich nicht." stritt er ab, guckte erst wütend aber lachte dann wieder.
„Ach nein?" fragte ich gereizt und wischte die kleinen Rückstande vom Pulver weg, die noch an seiner Nase klebten.
„Wenn du es schon abstreiten willst, dann guck beim nächsten mal dass du alle Beweise entfernt hast." sagte ich beleidigt und wollte ich stehen lassen, doch er schnappte nach mir und drückte mich gegen die Wand.
„Das ist kein Koks, sondern Zucker. Den haben wir über die Mische gestreut, die Nima gemacht hatte. Kannst ihn fragen wenn du mir nicht glaubst." fauchte er und hielt demonstrativ meine Hand nach oben, mit der ich die Rückstände weggewischt hatte.
„Warum streitest du es ab?" flüsterte ich und hoffe auf eine normale Antwort.
„Warum sollte ich was abstreiten, was ich nicht gemacht habe?" Dass er mir eiskalt ins Gesicht log, verpasste mir einen Stich in meinem Herzen.
„Alles gut bei euch?" fragte Granit, der besorgt nach uns schaute.
„Alles bestens." zischte Vladislav und ließ mich dabei nicht aus den Augen, während ich mit den Tränen kämpfte.
„Könnte nicht besser sein." hauchte ich wütend und schubste ihn von mir weg.
„Josy!" rief er wütend, doch dieses mal ließ ich ihn wirklich stehen. Schniefend schnappte ich mir mein Handtuch und meine anderen Sachen, die noch auf meiner Liege lagen wischte mir eine Träne weg.
„Du bleibst hier, wenn ich mit dir rede!" Kam er mir hinterher und packte mich grob am Handgelenk.
„Wer bist du, mein Vater?" schrie ich außer mir und riss mich wieder von ihm los – dieses mal allerdings ohne Erfolg.
„Werd nicht frech!" kam es nur von ihm, während sich ein Griff verstärkte.
„Lass mich los." sagte ich leise, weil ich keine Kraft mehr zum schreien hatte.
„Capi." Sagte Granit besänftigend und legte seine Hand auf seine Schulter. Durch die Tränen konnte ich nur verschwommen erkennen, wie uns alle anstarrten. Sogar Samra hatte sich von Valentina abgewandt und beobachtete uns aufmerksam.
„Lass los." wiederholte ich flehend und dann tat er es endlich. Mit einem lauten Schniefen legte ich mein Handtuch zusammen und rannte in die Küche, wo ich alles in die Ecke schmiss und mir weinend die Haare raufte. Gerade als ich einfach nur noch hoch, duschen und ins Bett wollte kam Vladislav mir erneut hinterher und schloss die Schiebetür hinter sich.
„Baby." sagte er ruhig und kam auf mich zu.
„Lass mich in Ruhe." weinte ich leise und wollte hoch gehen, aber er ließ mich nicht vorbei. Ohne etwas zu sagen zwang er mich dazu, nach hinten auszuweichen bis ich wieder die Küchentheke im Rücken hatte. Er fuhr mit seiner Hand durch meiner Haare und zog mich so am Hinterkopf nach hinten. Verlangend drückte er seine nach Alkohol und Gras schmeckenden Lippen auf meine und biss mir sanft auf die Lippe, damit sich unsere Zungen vereinen konnten. Überwältigt von dem Kuss ließ ich mich komplett auf ihn ein und legte meine Hände in seinen Nacken, während er mich an den Hüften packte und mit einem Ruck auf die Küchentheke hob. Er wurde von Sekunde zu Sekunde schneller, und ich passte mich seinem Tempo an. Ich musste leicht grinsen, als seine Hand unter mein Shirt wanderte und mit einem leisen schnispen mein BH offen war. Der ganze Streit und die Wut von eben war plötzlich wie weg gezaubert. Gerade als ich ebenfalls meine Hand unter sein Shirt schieben wollte, stoppte er plötzlich und drehte sich weg.
„Was hast du?" fragte ich besorgt.
„Klo." sagte er schnell und rannte dann davon.
„Vladislav!" rief ich entsetzt und versuchte meinen BH wieder zu verschließen, aber ich bekam es nicht auf die Reihe.
„Alles okay?" fragte Nima, der vorsichtig seinen Kopf in die Küche steckte und sich umsah.
„Nima ich weiß das ist mega unpassend und so, aber kannst du mir bitte meinen BH zu machen? Ich krieg den Verschluss nicht..."
„Na hallo!" freute er sich und sprang zu mir.
„Das ist so peinlich." murmelte ich und schüttelte den Kopf.
„Du glaubst gar nicht, wie viele Endorphine das bei mir frei setzt." sagte er schelmisch grinsend und zog mein Shirt wieder runter.
„Danke." sagte ich leise und eilte dann zur Toilette. Vladislav hatte zum Glück nicht abgeschlossen, also drückte ich die Klinke nach unten und sah ihn über der Kloschüssel hängen.
„Was machst du nur?" fragte ich traurig und strich ihm über den Kopf.
„Sorry." war das einzigste war er heraus bekam, bevor er sich die Seele aus dem Leib kotzte. Schnell nahm ich das kleine Handtuch, welches neben dem Waschbecken hing, befeuchtete es mit kaltem Wasser und legte es in seinen Nacken.
„Alles gut." sagte ich besänftigend und strich über seinen Rücken. Das ganze dauerte locker 15 Minuten an, bevor er nur noch wie ein Stückchen Elend da hing und kaum noch die Augen offen halten konnte.
„Josy? Alles gut?" Hörte ich Granit, der nach uns suchte.
„Ja, wir sind im Bad. Alles gut." ehe ich ausgesprochen hatte, ging auch schon die Tür auf und Granit schaute uns schockiert an.
„Kann ich dir irgendwie helfen?" fragte er besorgt und wies auf Vladislav.
„Kannst du mir helfen ihn ins Bett zu bringen?"
„Klar."
Gemeinsam zogen wir ihn auf die Beine und stützen ihn. Er war so schwach, dass er keinen Zentimeter hätte laufen können. Wir hieften ihn angestrengt die Treppen nach oben und schliffen ihn dann den Gang entlang, bis hinter zu unserem riesigen Bett. Granit packte ihn unter den Armen und ich nahm seine Beine – und dann hatten wir ihn endlich im Bett.
„Danke. Ehrlich, alleine hätte ich das nicht geschafft." sagte ich und umarmte Granit kurz.
„Für dich immer, das weißt du." lächelte er freundlich und verschwand dann wieder nach unten.
Seufzend zog ich Vladislav die Schuhe und sein Shirt aus und deckte ihn zu. Ich blieb noch eine ganze Weile neben ihm sitzen und beobachtete ihn, während ich immer wieder sein Gesicht abtupfte, auf dem sich kalte Schweißperlen gebildet hatten.
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Mademoiselle ~ Band 1
FanfictionJosy begegnet zwei Menschen, die ihr Leben komplett auf den Kopf stellen - und das nicht gerade auf die gute Weise. Zum einen Capi, der sie wegen seiner kriminellen Geschäfte immer wieder alleine lässt, und zum anderen Samra, der sie wie Dreck beha...
