Part 143 ~ Kontrolle

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Josy

Erschöpft kamen wir endlich zu Hause an, als Samra die Tür abschloss. Ich wusste mit meinen ganzen Gedanken gar nicht mehr wohin. Was wäre gewesen, wenn Zoey uns nicht gewarnt hätte? Dann wären wir nie wieder zu Hause angekommen. Also ich zumindest, Samra will er ja nicht umbringen.
"Wie geht es dir?", fragte er, während er mit verschränkten Armen an der Küchentheke lehnte und eine Mische trank.
"Seit wann interessiert dich das?", gab ich verwundert hervor und nahm mir ebenfalls ein Glas aus dem Schrank.
"Beantworte einfach die Frage.", motzte er genervt und bliebt provokant stehen, als ich die Wasserflasche nehmen wollte, die er mit seinem Körper versperrte.
"Keine Ahnung.", seufzte ich und wollte hinter ihn greifen, doch er hielt meine Hand fest.
"Beantworte die Frage.", widerholte er ernst und fixierte mich mit seinem Blick.
"Hab ich doch.", protestierte ich und wollte mich losreißen, aber ich hatte einfach keine Kraft.
"Was ist mit dem Pflaster, muss das nicht mal neu gemacht werden?", fragte er und wollte meinen Pulli hoch schieben, doch ich drückte seine Hand weg. Auch wenn wir beide uns besser kannten als uns lieb war, irgendwie war es mir unangenehm, wenn er seine Hände unter meinem Pullover hatte.
"Das kann ich selber wechseln.", sagte ich vorsichtig und hoffte, dass er es dabei belassen würde.
"Dann hättest du es gestern gemacht. Ich will mir nicht nachsagen lassen, dass ich mich nicht kümmer wenn Capi nicht da ist. Also, wo hast du noch welche?", fragte er und ließ mich wieder los.
"In meinem Rucksack ist eins. Aber wir müssen das doch nicht neu machen, wenn es nicht geblutet hat.", versuchte ich mich rauszureden und stellte mein Glas ab. Als ich mich umdrehte, war er mir näher als ich es zugelassen hätte.
"Willst du stehen bleiben? Oder dich hinsetzen?", fragte er, während mir komisch wurde bei der Vorstellung, das Pflaster abzumachen. Ich weiß, ich habe selber im Krankenhaus gearbeitet. Aber wenn bei mir selber irgendwas ist, bin ich der größte Angsthase.
"Okay, dein Gesichtsausdruck sagt sitzen.", stellte er fest, griff unter meine Arme und hob mich dann auf die Küchentheke.
"Kann das nicht Vladislav machen?", versuchte ich ihn wieder abzuhalten, als er sich die Ärmel hoch krempelte und meine Beine auseinander drückte, damit er mir noch näher kommen konnte.
"Wir wissen beide nicht, ob er sich an sein Versprechen hält und heute Abend pünktlich wieder da ist. Und ich hab keinen Bock, dass ich mit dir in die Notaufnahme muss weil sich das Teil dann entzündet.", stellte er klar und legte wieder seine Hände an meinen Pullover, die ich dann vor Schreck umklammerte und weg drückte.
"Vertrau mir. Ich mach vorsichtig.", sagte er und schaute mich mit seinen dunkelbraunen Augen an. Ich schluckte schwer und ließ dann seine Hände los. Als ich seine warmen Finger an meinem Bauch spürte, konnte ich nicht anders als unwillkürlich zu zucken.
"Halt mal hoch.", verlangte er und krempelte meinen Pulli sanft nach oben.
Ohne zu zögern rupfte er das Pflaster mit einem Ruck weg, was mich ganz kurz vor Schmerz aufstöhnen ließ.
"Das war aber nicht vorsichtig!", presste ich hervor und wartete, bis das ekelhafte brennen aufhörte.
"Kurz und schmerzlos.", grinste er und packte das frische Pflaster aus.
"Ich muss aber sowieso nochmal in die Notaufnahme. Die müssen mir die Fäden raus machen.", stellte ich fest und lehnte meinen Kopf dann an die Schranktür hinter mir, weil sich wieder alles um mich herum drehte.
"Oder die lösen sich von alleine auf, wie bei meiner Hand. Hat der Arzt gesagt, dass du wiederkommen sollst?", fragte er, während ich die Augen geschlossen hatte und mit dem Kopf schüttelte.
"Dann wird es schon so sein. Ansonsten kann ich dir da auch weiterhelfen.", sagte ich und hörte ein kleine bekanntes klack-Geräusch. Als ich die Augen wieder auf machte betrachtete er grinsend sein kleines Klappmesser und strich mit dem Daumen über die scharfe Klinge.
"Nur über meine Leiche.", sagte ich entsetzt und schaute auf meinen Bauch. Er hatte das Pflaster drauf geklebt, ohne dass ich es mitbekommen hatte.
"Glaub mir, der kleine Kerl hat mir immer gut zur Seite gestanden, wenn es drauf ankam. Auf den kann man sich verlassen.", sagte er stolz, klappte das Messer wieder zusammen, gab ihm einen Kuss und steckte es dann zurück in seine Hosentasche. Überhaupt nicht unnormal.
"Schön, dass dein bester Freund eine Waffe ist.", scherzte ich und rutschte wieder von der Theke herunter. Er zwinkerte mir kurz zu und drehte sich dann von mir weg.
"Räum den Müll hier weg. Ich geh auf die Couch, also sei so lieb und nerv mich nicht bis Capi wieder da ist.", sagte er mit dem Rücken zu mir und marschierte ins Wohnzimmer. Augenrollend warf ich das Papier in den Müll und goss mir dann endlich mein wohl verdientes Glas Wasser ein.
"Bevor du hoch gehst, kannst du mir aber noch ein Bier bringen.", rief er vom Wohzimmer aus zu mir rüber.
"Du hast zwei gesunde Beine.", sagte ich beleidigt und schnappte mir meinen Rucksack, als er wütend von der Couch aufsprang und auf mich zu kam.
"Ganz schön frech, wenn man bedenkt dass wir bis heute Abend alleine im Haus sind.", sagte er und griff in die Tasche, in die er vor wenigen Minuten sein Messer gesteckt hatte.
"Warum bist du jetzt so?", fragte ich enttäuscht und ging einen Schritt zurück.
"Hol mir einfach mein Bier. Ich muss den Kopf frei bekommen.", motzte er und ging wieder zurück auf die Couch.
"Leck mich doch.", murmelte ich wütend und ging einfach nach oben. Ich bin doch nicht seine persönliche Dienerin.
Als ich endlich wieder in meinem Zimmer war, schmiss ich die Tür hinter mir zu und ließ mich auf das Bett plumsen. Nachdem ich Zehn Minuten einfach nur da lag und über mein Leben philosophierte, bemerkte ich dass etwas auf Vladislavs Kissen lag. Ich setzte mich vorsichtig auf und betrachtete das kleine etwas, das mir vorher gar nicht aufgefallen war. Es handelte sich um einen kleinen Zettel, den er mir da gelassen hatte. Auf dem stand: Ich liebe dich. Und darunter hatte er ein Herz gemalt. Mit einem Grinsen, das breiter war als das der Grinsekatze nahm ich den kleinen Zettel und strich dann mit dem Daumen darüber. Hoffentlich würde er heute Abend wieder kommen. Gerade als ich ihm schreiben wollte, ging plötzlich meine Tür auf.
"Hatte ich dir nicht was gesagt?", meckerte Samra und starrte mich an.
"Bist du jetzt wirklich hier hoch marschiert, nur um mich voll zu meckern weil ich dir kein Bier geholt habe? In der Zeit hättest du dir drei mal eins holen können.", sagte ich nörgelnd und steckte den Zettel in meine Hosentasche.
"Was hast du da?", fragte er sofort, während ich aufstand um meinen Rucksack auszupacken.
"Nichts.", sagte ich seufzend und legte die Sachen auf mein Bett.
"Du denkst auch ich bin blöd, oder?", fragte er wütend und kam auf mich zu.
"Muss ich jetzt wieder deine Taschen durchsuchen?", paffte er mich an, als ich nicht verstand was er von mir wollte.
"Samra, kannst du bitte einfach rausgehen? Ich will mich ausruhen.", sagte ich energielos und wollte aus dem Zimmer raus gehen, doch er stelle sich mir in den Weg.
"Bitte.", betonte ich, als er die Augen zusammen kniff und mich musterte.
"Ich will erst sehen, was du da eben hattest.", forderte er streng.
"Jetzt mach bitte nicht einen auf Übervater. Das war ein Zettel, okay?"
"Was für ein Zettel?"
"Ein Zettel von Vladislav. Zufrieden?", fragte ich und wollte wieder an ihm vorbei, doch er hielt mich zurück.
"Zeig.", verlangte er Stur und drängte mich wieder ein Paar Schritte nach hinten.
"Du kannst so nervig sein.", zischte ich und drückte ihm dann den Zettel grob gegen die Brust, sodass er ihn nehmen musste. Als er fest stellte, dass es wirklich nur ein Zettel war steckte er ihn ein und machte mir dann den Weg frei.
"In einer halben Stunde gibt es essen.", sagte er ging an mir vorbei.
"Aber ich will nichts..."
"Ist mir egal. Du wirst essen, ob du willst oder nicht. Halbe Stunde. Wenn du dann nicht unten bist, hol ich dich runter.", sagte er streng und verschwand dann. Augenrollend schloss ich meine Tür und ließ mich dann im Badezimmer nieder, wo ich irgendwie versuchte zu duschen, ohne das Pflaster nass zu machen. Keine Ahnung wie, aber ich bekam das relativ gut hin. Wobei ich das natürlich lieber mit Vladislav gemacht hätte, aber man kann ja nicht alles haben.

"Kommst du jetzt oder muss ich dich runter zerren?", fragte Samra, der genervt in mein Zimmer platzte, als ich mich gerade umgezogen hatte.
"Ich komm doch schon.", motzte ich zurück und ging an ihm vorbei.
"Dass man dir immer hinterherrennen muss.", regte er sich auf, während er hinter mir lief.
"Ich wäre doch jetzt runter gegangen, was willst du denn?", fauchte ich wütend.
"Dass du einfach mal das machst, was man dir sagt. Ist das zu viel verlangt?", sagte er mit lauter Stimme.
"Ich kann auch wieder hoch gehen, dann kannst du deinen Mist alleine essen!" So langsam machte er mich wirklich aggressiv. Dieses Gemecker ging mir so auf die Nerven, dass mir schon der Kopf weh tat.
"Mach, dann komm ich hoch und zwing dich zum essen! Ich hab keinen Bock ins Krankenhaus zu fahren, weil du abschmierst!", schrie er mich an und schubste mich zum großen Esstisch in der Küche, wo zwei Pizzakartons standen.
"Du bist so ein Arschloch, weißt du das?", sagte ich kleinlaut und versuchte die Tränen zurück zu halten, die sich vor Wut gebildet hatten.
"Wenn ich das sein muss um für deine Sicherheit zu Sorgen, dann ist es mir das Wert.", gab er kühl zurück und fing an, die Pizza zu essen. Am liebsten hätte ich ihm den Karton ins Gesicht geworfen und wäre wieder hoch gegangen. Aber ich glaube, dann würde das ganze hier vollkommen eskalieren. Als ich das erste Stückchen gegessen hatte, klingelte plötzlich sein Handy. Mit zusammen gekniffenen Augen betrachtete er das Display und drückte dann auf das grüne Symbol. Er sagte irgendetwas mit einer Stunde und legte dann wieder auf.
"Wenn wir hier fertig sind, müssen wir nochmal los. Ich hab jemanden, der mein Auto checken kann.", sagte er und steckte sein Handy in die Hosentasche.
"Muss ich da unbedingt mit?", fragte ich wenig begeistert.
"Ich kann dich hier nicht alleine lassen. Also ja. Glaub mir, ich würde auch lieber alleine fahren.", sagte er und zwinkerte mir zu.
Als ich aufgegessen hatte, und er draußen zum rauchen war, nahm ich direkt mein Handy und öffnete den Chat von Vladislav.

Wann kommst du? :(

Schrieb ich ihm und hoffte, dass er jetzt einfach zur Tür reinkommen würde. Aber die Nachricht ging nicht einmal durch. Also hatte er mal wieder sein Handy ausgestellt. Super.
"Mach dich fertig. Wir laufen zu der Stelle wo uns das Taxi vorhind abgesetzt hat, da holt uns jemand ab."
"Okay." murmelte ich müde und ging dann nach oben, um mich wieder umzuziehen.

Mademoiselle ~ Band 1Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt