"Bitte zerfleischt euch nicht gegenseitig, während ich weg bin.", bat Vladislav grinsend, als er bereits in der Tür stand.
"Ich geb mein bestes.", brummte Samra mit verschränkten Armen und warf mir einen finsteren Blick zu. Nachdem er sich von dem Ukrainer verabschiedet hatte, ging ich auf Vladislav zu und schloss ihn fest in meine Arme.
"Nur ein paar Tage, dann bin ich wieder hier. Du kannst mir jederzeit schreiben, Baby.", flüsterte er in mein Ohr.
"Mach keinen Mist, okay?", murmelte ich gegen seine Schulter.
"Du kennst mich."
"Deswegen mach ich mir ja Sorgen.", brummte ich und löste mich dann wieder von ihm.
"Ich melde mich, wenn wir angekommen sind.", sagte Vladislav, zog mich ein letztes mal in einen langen, leidenschaftlichen Kuss und verließ dann winkend das Haus.
"Ich geh wieder ins Bett.", murmelte ich müde, nachdem Samra abgeschlossen hatte. Ich klang zwar entspannt, aber innerlich saß ich wie auf heißen Kohlen. Ich fühlte mich, als würde ich darauf warten dass ich jedem Moment ein Messer im Rücken hätte. Mir war bewusst, dass er immernoch stinksauer war - sein Gesichtsausdruck sagte alles.
"Warte.", rief er mir mit tiefer Stimme hinterher. Ich hörte wie er mit langsamen Schritten zu mir gelaufen kam, während mein Herzschlag immer schneller wurde.
"Du hälst dich für krass, hm?", brummte er, nachdem er dicht hinter mir stehen geblieben war.
"Lass mich in Ruhe, Samra.", sagte ich mit zitternder Stimme.
"Was denkst du, wer du bist? Dass du mir mit dummen Sprüchen kommen kannst?" fragte er wütend und lief langsam, aber dennoch bedrohlich um mich herum.
"Jetzt auf einmal nicht mehr so große Fresse?"
"Ich will nur wieder ins Bett.", sagte ich flehend. Ich wollte an ihm vorbei, aber er ließ mir keine Chance dazu. Er hatte sich direkt vor mir positioniert, sodass es keine Möglichkeit gab kampflos an ihm vorbei zu kommen.
"Ich hab dir schonmal gesagt, dass du es nicht zu weit treiben sollst. Willst du wirklich Krieg mit mir, Josy? Den kannst du haben. Aber sei dir sicher, dass ich nicht derjenige bin der verliert. Und sei dir auch sicher, dass ich nicht mit fairen Mitteln kämpfen werde."
"Ich will keinen Krieg.", sagte ich und traute mich dann, zu ihm aufzuschauen.
"Dann pass lieber auf, was du sagst." Seine Augen funkelten mich wütend an, während mich eine eiskalte Gänsehaut durchfuhr.
"Geh.", spuckte er, ging an mir vorbei und rempelte mich absichtlich an der Schulter an. Es tat nicht weh, aber er machte damit deutlich, dass er es todernst meinte.
Bevor er es sich anders überlegen konnte tapste ich schnell wieder nach oben und konnte durchatmen, als ich die Tür hinter mir geschlossen hatte. Gähnend ließ ich mich in mein Bett fallen und brauchte nicht lange, bis ich wieder eingeschlafen war.
Ich schlief noch zwei Stunden, bis ich dann endgültig wach war. Seit ein paar Minuten lag ich schon im Bett, starrte die Decke an und überlegte ernsthaft, mich bei Samra zu entschuldigen. Irgendwie musste ich solange mit ihm auskommen, bis Vladislav wieder da war. Und wenn er so drauf sein würde wie vorhind, hätte ich schlechte Karten. Sehr schlechte Karten. Immerhin war ich sozusagen mit ihm hier eingesperrt. Allein würde er mich nicht lassen. Und raus konnte ich erst recht nicht. Also atmete ich einmal tief durch und setzte mich dann auf, bevor ich mich auf dem Weg zu seinem Zimmer machte.
"Samra?", rief ich leise durch den kleinen Spalt seiner Zimmertür, doch es kam keine Antwort. Er war nicht oben. Erst jetzt bemerkte ich die Geräusche, die von unten kam. Anscheinend war der Fernseher an, was bedeuten musste dass er unten war. Während ich noch meine Wörter im Kopf sortierte, ging ich mit leisen Schritten auf das Wohnzimmer zu, wo der Libanese auf der Couch saß und Fernseh schaute. Seine Füße hatte er auf den Tisch gelegt, und die Hände in die Bauchtasche seines Pullovers gesteckt.
"Samra?", fragte ich leise. Er richtete seinen Blick auf mich, musterte mich von oben bis unten - und dann lenkte er seine Aufmerksamkeit wieder auf den flimmernden Bildschirm.
"Hast du eine Minute?" Fing ich erneut an, aber es interessierte ihn nicht wirklich. Ich nahm all meinen Mut zusammen und setzte mich vosichtig neben ihn, während er mich weiterhin ignorierte.
"Ich bin beschäftigt.", knurrte er abweisend.
"Ich will nur kurz mit dir reden."
"Du willst reden?", fragte er etwas lauter, schaltete den Fernseher auf lautlos und setzte sich so hin, dass er mich direkt anschauen konnte.
"Wir können reden. Aber das musst du dir erst verdienen." Er stand auf, zog seinen weißen nach oben gerutschten Pullover wieder nach unten und ging dann vorne weg. Etwas perplex schaute ich ihm hinterher, kapierte dann aber dass ich ihm folgen sollte. Ich ging in meinem Kopf schon vom schlimmsten aus, als ich ihn in sein Zimmer folgte. Aber zum Glück wollte er nicht das, was ich dachte.
"Wasch das. Aber trenn nach Farben, allein die Jacke hat 1,3k gekostet.", motzte er, warf mir ein paar seiner Sachen in die Arme und suchte dann seine Schränke durch.
"Hier, das muss auch gewaschen werden.", sagte er und schmiss mir ein weißes Shirt zu.
"Aber das hast du doch gerade aus dem Schrank gezogen. Das hattest du gar nicht an.", bemerkte ich und fing mir dafür sofort einen wütenden Blick ein.
"Woher willst du wissen, ob ich das an hatte? Beobachtest du mich 24/7 oder was?", schnauzte er mich an. Kopfschüttelnd trat ich einen Schritt zurück, und er wandte sich wieder seinen Klamotten zu. Er schmiss mir noch ein paar andere Kleidungsstücke zu, bevor er mich wieder raus scheuchte.
"Kümmer dich da drum. Ich muss wichtige Sachen machen, also nerv mich nicht tamam?", brummelte er und ging dann zurück ins Wohnzimmer. Seufzend lief ich mit dem riesigen Wäschehaufen in den Keller und sortierte dann alles so, wie er es haben wollte. Während die erste Maschine lief ging ich in mein Zimmer, um dort ebenfalls nach schmutziger Wäsche zu suchen. Für eine kurzen Moment hatte ich ein Lächeln auf den Lippen, als ich die Tüte in der Ecke stehen sah. Darin befand sich das Kleid, das Granit mir geschenkt hatte. Keine Ahnung warum, aber irgendwie vermisste ich ihn in dem Moment extrem. Er war so unkompliziert. Das komplette Gegenteil von Samra. Was würde ich dafür geben, jetzt bei ihm zu sein statt hier.
Mit den Gedanken ganz woanders ging ich wieder zurück in den Keller. Ich nahm die trockene Wäsche ab, setzte eine neue Maschine an und brachte die fertigen Sachen in die Zimmer. Somit war ich eine ganze Weile beschäftigt, bis ich mich wieder meinem Hauptproblem widmen konnte. Ich ging die Treppen wieder nach oben und steuerte auf das Wohnzimmer zu, wo Samra seine wichtigen Sachen abarbeitete. Wichtige Sachen in Form von einem riesigen Teller, voll mit Schokolade. Als ich vor der Couch stehen blieb tastete er gerade nach was, was er sich gönnen konnte.
"Das sind bei dir also wichtige Sachen?", fragte ich und verkniff mir das Lachen.
"Was willst du schonwieder? Ich hab dir doch Aufgaben gegeben.", maulte er, ohne mich dabei anzuschauen.
"Können wir jetzt bitte kurz reden?", fragte ich seufzend und ließ mich wieder neben ihm nieder.
"Von mir aus. Worüber?", fragte er in genervtem Ton, rappelte sich auf und stellte den Teller zwischen uns auf die Couch. Nun saßen wir uns beide im Schneidersitz gegenüber - wobei das irgendwie komisch war, keine Ahnung warum.
"Wegen gestern. Also...sorry wegen dem Spruch. Aber deine Aktion war mies."
"Welche Aktion?"
"Das fragst du noch? Wegen dir hab ich mich mit Vladislav gestritten. Wir wollten es ihm zusammen sagen, Samra. Und du legst einen Alleingang hin, damit du der gute bist der ihm alles erzählt. Du legst so viel Wert auf Loyalität. Warum fällst du mir dann so in den Rücken?"
"Iss ein Snickers.", sagte er und tat so, als hätte er das eben nicht gehört. Er suchte den Schokoriegel vom Teller und wollte ihn mir geben, doch ich winkte ab.
"Erstens mag ich keine Schokolade, und zweitens wollte ich...was soll das?", unterbrach ich mich selbst, als er ein Schokobon auspackte und mich links liegen ließ.
"Wie kann man keine Schokolade mögen? Komm, iss.", sagte er trocken und wollte es mir in den Mund stecken, doch ich schlug seine Hand leicht weg.
"Kannst du mal aufhören? Das ist mir echt wichtig gerade!"
"Entspann dich, Prinzessin. Iss.", grinste er, stellte den Teller weg und kam mir plötzlich näher.
"Ich will das Scheißding nicht essen!", protestierte ich und wollte von der Couch runterspringen, doch er war bereits über mich geklettert und verhinderte somit dass ich abhauen konnte.
"Probier wenigstens. Komm schon.", sagte er amüsiert und hielt mir die kleine runde Kugel vors Gesicht.
"Ich weiß wie das schmeckt. Jetzt geh runter von mir!"
"Nö.", lachte er. Seine Kaputze hing ihm so weit ins Gesicht, dass es ihm fast komplett die Sicht versperrte. Trotzdem lachte er weiter und presste seine Lippen aueinander, während er mein Gesicht musterte.
"Ich meine es Ernst, Samra. Geh runter von mir.", brachte ich hechelnd hervor, während ich vergeblich versuchte ihn wegzuschubsen.
"Erst, wenn du das gegessen hast." Er klemmte sich das Bonbon elegant zwischen die Vorderzähne und griff dann nach meinen Handgelenken. Problemlos packte er sie und hielt sie über mir zusammen, sodass ich nun absolut keine Kontrolle mehr hatte.
"Wehe, wenn du das machst.", drohte ich panisch, als er mir grinsend näher kam.
"Ich schwöre, ich erzähle das Vladislav. Samra, ich warne dich!", quietschte ich, als sein Gesicht direkt vor meinem halt machte. Ich kniff die Augen zusammen und betete, dass dieser Moment einfach schnell vorbei sein würde. Doch eher er richtig angefangen hatte, ließ er meine Handgelenke wieder los und stieg von mir runter. Sofort sprang ich auf und zog mein Shirt nach unten, das durch seinen auf mir liegenden Körper nach oben geruscht war.
"Mach das nie wieder.", sagte ich und schluckte schwer.
"Sei nicht so langweilig. Ich weiß doch, dass dich das geil macht." Ich schnaufte empört aus und beobachtete, wie er in die Küche stolzierte. Dort checkte er sein Handy ab und nahm sich ein Glas Wasser, welcher er stirnrunzeln in sich hinein kippte.
"Zieh dich an, wir fahren zu Hugo.", sagte er aus dem nichts und räumte sein Glas weg.
"Und was machen wir da?"
"Den Laden ausrauben, was sonst. Hab ein paar Jungs organisiert, die kommen gleich und holen uns ab. Hast du schwarze Klamotten? Am besten so Kaputzenpulli?" Ich schaute ihn mit offenem Mund an, während sich auf seinen Lippen bereits wieder ein kleines grinsen abzeichnete.
"Ich will was kaufen, du Nervensäge. Los, zieh dir was ordentliches an. In fünf Minuten treffen wir uns hier unten.", sagte er und ging dann lässig nach oben.
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Lesenacht Teil 3 💃
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Mademoiselle ~ Band 1
FanfictionJosy begegnet zwei Menschen, die ihr Leben komplett auf den Kopf stellen - und das nicht gerade auf die gute Weise. Zum einen Capi, der sie wegen seiner kriminellen Geschäfte immer wieder alleine lässt, und zum anderen Samra, der sie wie Dreck beha...
