"Pisdez.", hörte ich jemanden murmeln. Diese Stimme...es war mehr ein flüstern, reichte aber trotzdem damit ich erkannte wer da vor mir hockte. Ich spürte einen Windzug, und dann roch ich das Parfum. Sein Parfum. Oh mein Gott, wie ich diesen Duft vergötterte.
Seine Hände fummelten an meinem Hinterkopf herum, und dann wurde mir die Augenbinde abgenommen. Vor mir stand tatsächlich der Kerl, der das hier alles arangiert hatte.
"Oh Baby, nicht so.", sagte er mit einem leichten Grinsen auf den Lippen und fuhr mit seinem Daumen ganz sanft über meine Wangen, um die Tränen weg zu wischen. Ich wusste in den Moment wirklich nicht, ob ich ihn lieben oder hassen sollte. Am liebsten hätte ich einfach losgeschrien und ihn geschlagen, aber ich war immernoch bewegungsunfähig - und komplett überfordert mit der Situation. Stattdessen versuchte ich krampfhaft meine Hände aus diesem nervigen Kabelbinder rauszuziehen, aber das war unmöglich.
"Überrascht?", fragte er aufgeregt und kümmerte sich dann endlich um mein Gesicht, wo er mir dieses ekelhafte Klebeband von meinem Mund entfernte.
"Kannst du mich bitte losmachen?", fragte ich unschuldig. Meine Stimme zittere immernoch, und meine Knie fühlten sie an wie Gummi. Ich wollte endlich meine Arme bewegen können. Ich wollte endlich aufstehen, um den Mistkerl zur Schnecke zu machen.
"Eigentlich gefällst du mir so ganz gut.", schmunzelte er und wackelte mit den Augenbrauen auf und ab.
"Bitte, mir sterben gleich die Hände ab.", bat ich ihn erneut - so freundlich, wie es nur ging. Warte nur, wenn ich erstmal los bin.
"Tamam warte kurz.", kicherte er, trat hinter mich und zückte wieder sein Messer. Nach dem kleinen erlösenden ratschen war ich endlich frei, und konnte von dem harten, unbequemen Stuhl aufstehen.
"So, meine kleine Pinzessa.", hauchte er gegen meinen Hinterkopf.
"Wir haben die Halle hier ganz für uns allein, also lass uns das ausnutzen.", brummte er und legte seine Arme um meinen Bauch - das Messer hielt er immernoch in seiner Hand, während er sein Gesicht in meine Halsbeuge drückte und dort einen kleinen Kuss platzierte. So sehr mich das auch anmachte, ich war einfach zu wütend dafür. Also entwendete ich ihm blitzschnell das Messer, drehte mich zu dem Ukrainer um und richtete es direkt auf ihn. Er hob erschrocken beide Hände nach oben und wich vor mir zurück, während ich weiter auf ihn zu kam.
"Dein Prinzessa kannst du dir in den Arsch schieben! Was fällt dir ein, so eine Scheiße abzuziehen?", brüllte ich ihn an. Ich drängte ihn so weit nach hinten, bis er nicht mehr weiter kam und die Wand im Rücken hatte.
"Çüş Baby beruhig dich, das sollte nur Spaß sein!", sprach er hastig und zeigte Respekt vor der Messerspitze, die ich ihm vor die Brust hielt.
"Spaß? Ihr habt mich ausgenockt, gefesselt, verschleppt, behandelt wie eine beschissene Hure und dann hier her gebracht, wo ich mich weder bewegen, noch irgendetwas sehen konnte? Wo ich einfach nur Angst um mein Leben hatte? Und noch dazu habt ihr zwei Vollidioten meine scheiß Gefühle verletzt, ist euch das überhaupt klar? Wie weh das tut, wenn man gesagt bekommt dass man nichts wert ist? Auch wenn es nicht echt war, es hat sich verfickt nochmal so angefühlt! Jezt komm du mir nicht mit >Es war doch nur Spaß!< Fick dich einfach, das war kein Spaß, sondern krank!", fuhr ich ihn an. Er schaute mich sprachlos an, während mir lauter kleine Wut-Tränen die Wangen herunter liefen. Meine Atmung war schnell, und mit jeder Sekunde wurde der Schmerz in meiner Brust größer.
"Aber Baby, ich wollte dich überraschen. Tamam ich geb zu war ein bisschen krass und so. Aber du weißt doch dass ich dich liebe, und dass wir sowas nie machen würden."
"Achso, weiß ich das? Weiß ich das, wenn Samra mir sagt dass du nicht grundlos ständig wegfährst? Wenn er mir sagt, dass du es nicht übers Herz gebracht hast es zu tun, und er das stattdessen macht? Und weiß ich das, wenn du so oft weg bist dass ich schon gar nicht mehr weiß, wer du eigentlich bist? Weiß ich dann, dass das eventuell ein Spaß sein könnte, hm?", fragte ich ihn mit erstickter, aber keineswegs weniger wütenden Stimme.
"Stopp Baby, so war das nicht geplant. Keine Ahnung was Samra dir erzählt hat, aber so war das nicht abgesprochen. Er sollte dich herbringen, aber nicht sagen warum oder wohin. Das andere kam von ihm, das war nicht Teil des Plans.", sagte er zu seiner Verteidigung und wollte mir das Messer wegnehmen, doch ich täuschte einen Angriff an und somit wich er wieder zurück.
"Von mir aus. Aber Samra hasst mich sowieso, seit dem ersten Tag an. Nenn mir einen guten Grund, warum er sowas nicht mit Freude machen würde."
Er überlegte kurz, schaute auf das Messer in meiner Hand und dann wieder in meine Augen.
"Weil du ihm viel zu viel bedeutest, als dass er dich an irgendeinen ekelhaften Zuhälter verkaufen würde.", sagte er und schaffte es damit, mich ein wenig aus der Fassung zu bringen. Ich wusste, das Samra mehr für mich empfand. Ich wusste aber auch, dass ich ihm ein Dorn im Auge war. Allerdings wusste ich nicht, dass Capi wusste dass Samra...
"Du bist wie eine kleine Schwester für ihn. Ich weiß dass er scheiße zu dir ist, und dass du dir das nicht vorstellen kannst. Aber auch wir reden manchmal, Baby. Und er hat mehr als nur einmal betont, dass er sein Leben für dich riskieren würde. Das sagt niemand, der dich loswerden will. Meinst du nicht?", fragte er und hob zum Schluss seine Stimme so unschuldig nach oben, dass ich kurz weich wurde. Ich würde ihn am liebsten erschlagen für diese Aktion. Allerdings konnte ich auch nicht anders als nachzugeben, wenn er mich so ansah. Wie er da stand, mit beiden Armen nach oben gerichtet und mit einem Blick, der so eine Mischung aus Mitleid, Reue, und etwas Angst war. Der gefährliche Gangster, der auf der Straße immer die Oberhand behielt war in dem Moment verschwunden. Genau das war es, was mich meine Wut herunterschlucken ließ. So sehr ich sauer sein und ihn anschreien wollte, aus mir kam kein Ton mehr heraus.
"Baby, es tut mir leid. Ich mach das nie wieder, versprochen. Das war schlimm für dich, keine Frau hat sowas verdient. Und mein Baby erst recht nicht.", sagte er sanft, während mir einfach nichts mehr einfiel.
"Jetzt nimm das Messer runter. Ich kann das gar nicht leiden, wenn ich jemand bedroht." sprach er nun etwas ernster.
"Da haben wir ja was gemeinsam.", murmelte ich und musterte ihn nachdenklich.
"Tamam, wenn du es so willst.", nuschelte er und bewegte sich plötzlich so schnell, dass ich gar nicht hinterher kam. Von der einen zur nächsten Sekunde hatte er mir das Messer weggenommen und drückte mich gegen die Wand. Nun hiel er den kleinen scharfen Gegenstand vor meine Brust und grinste mich leise schnaufend an.
"So schnell wendet sich das Blatt.", flüsterte er lächelnd und kam mir mit seinem Körper so nah, dass mein Kleid seine zerissene Jeans streifte.
"Nimm die Hände hoch, Baby.", murmelte er und ich sah, wie das kleine Feuer in seinen Augen zu entflammen begann.
"Ich weiß, was du machen willst. Aber wir können nicht, ich..." Er legte seine Hand auf meinen Brustkorb und hielt das Messer mit der kleinen, eiskalten Spitze an meine Unterlippe.
"Mach deine kleinen putzigen Ärmchen hoch, Prinzessa. Und ich sorg dafür, dass du dich entspannen kannst nach dem ganzen Stress heute." Ich wollte wieder etwas dagegen einwenden, doch er unterbrach mich erneut mit einem Zischen, was so viel bedeutete wie >Halt die Klappe.< Also nahm ich meine Arme nach oben und zauberte ihm somit wieder ein kleines, breites Lächeln auf seine perfekten Lippen.
"Du hast mir so gefehlt, Baby.", flüsterte er, während sich sein Unterkörper ganz vorsichtig gegen mein Becken drückte. Ich wollte, unbedingt. Aber es ging einfach nicht. Danke, Mutter Natur.
"Wir können..."
"Eine Stufe höher schalten? Mit Vergnügen.", unterbrach er mich wieder und kicherte, bevor er mir seine Lippen aufdrückte. Oh man, diese wunderbar weichen Lippen. Ich hatte sie so sehr vermisst. Dieses Gefühl, dass mich jedes mal auf Wolke sieben schweben ließ. Oh Gott, es war einfach nur so wunderschön. Ich ließ mich in den Kuss hinein sinken, während ich etwas an meinem Bein Spürte. Ich fühlte seine Finger, die ganz langsam unter mein Kleid fuhren. Und ich spürte seine zweite Hand, die den Träger meines Kleides nach unten Strich. Kurz bevor seine untergetauchte Hand etwas anstellen konnte, nahm ich meine Arme runter und stoppte ihn.
"Tut mir leid, aber das geht nicht. Ich kann nicht mit dir schlafen.", sagte ich schwer atmend. Er schaute mich mit eintausend Fragezeichen in den Augen an, bis er irgendwann kapierte was ich ihm sagen wollte.
"Çüş, nicht dein Ernst nahui.", sprach er enttäuscht. Ich zuckte mit den Schultern und drückte seine Hand weg, die immernoch auf meinem Oberschenkel lag. Gerade als ich dachte dass wir jetzt nach Hause könnten, fing er an merkwürdig zu grinsen und sich auf die Lippe zu beißen.
"Was?", fragte ich misstrauisch.
"Nix. Aber es ist doch okay, wenn ich das hier mache?", flüsterte er und widmete sich meiner nackten Schulter, die er vorher frei gelegt hatte. Wieder schob er seine Hand unter mein Kleid - bewegte sie aber komplett anders. Er fuhr langsam an meinem Oberschenkel nach oben, strich über die Innenseite und fuhr dann wieder den selben Weg zurück. Das gleiche tat er mit seiner anderen Hand, während er sich den Weg von meiner Schulter bis zu meinem Ausschnitt frei küsste. Ich wusste nicht was er vorhatte, aber es gefiel mir. Es war einfach angenehm, ihn an so vielen Stellen gleichzeitig zu spüren.
"Okay, reicht.", sagte ich und stoppte ihn somit, bevor er mich in den Wahnsinn treiben konnte.
"Gefällt dir?", grinste er.
"Du Arsch.", fing ich an zu lachen, als ich ihn durchschaut hatte.
"Wenn dein frecher Mund so gut funktioniert, kannst du ja dafür Sorgen dass wenigstens einer von uns glücklich sein kann.", knurrte er lächelnd und strich mit seinem Daumen über meine Lippen.
"Vergiss es. Und für die Aktion heute bist du der letzte der es verdient hat, so eine Art von Glück zu bekommen.", sagte ich.
"Uff, mies."
"Nein, nicht mies. Sei froh, dass ich dich nicht verkloppt habe für das was du angeleiert hast."
"Aber ich hab mich entschuldigt.", verteidigte er sich enttäuscht.
"Ja, ich weiß. Und dann wolltest du mich wieder um den Finger wickeln, indem du mit deinem Gefummel angefangen hast. So wie immer, wenn es ernst wird willst du dich schuldfrei vögeln."
"So ist das gar nicht."
"Natürlich ist das so. Du weißt ganz genau was du machen musst, damit ich mich von dir mitziehen lasse. Du bist so unfassbar manipulativ, das ist Wahnsinn.", sagte ich und wandte ihm den Rücken zu. Ich steuerte Richtung Ausgang zu, doch er stellte sich schnell vor mich und blockierte mir den Ausweg.
"Warte doch mal! Ich hab mich entschuldigt, ich weiß dass das kacke war. Das mit dem Sex war aber von vornerein geplant. Oder was denkst du, warum du die Unterwäsche und das Kleid anziehen solltest? Das sollte hier eine Überraschung werden, Baby. Ich hab mir extra Zeit für dich genommen, das Teil hier gemietet und alles organisiert."
"Und warum hättest du nicht einfach nach Hause kommen, mich in den Arm nehmen und dann mit mir irgendetwas unternehmen können? So, wie es normale Pärchen machen? Nein, du musst deine kriminellen Kontakte spielen lassen und sowas hier abziehen."
"Kriminelle Kontakte? Wenn du Jawahir meinst, das ist Samras Cousin. Ein ganz lieber, ehrlich. Komm schon Baby, bitte lass uns nicht streiten. Ich hab mich so auf dich gefreut."
"Ich will auch nicht streiten. Aber du hast mir mega weh getan mit diesem dummen Spaß. Ich brauch ne Weile, um damit klar zu kommen. Und Samra kriegt das auch noch von mir zu hören, das schwöre ich dir."
"Tamam, dann..." Er stoppte, als plötzich sein Handy klingelte. Mit gerunzelter Stirn schaute er auf das Display und tippte dann auf den grünen Hörer.
"Was los?", fragte er leicht genervt.
"Wie, fünf Autos? Ich dachte der Bastard ist nicht da?", schrie er halb in das Telefon.
"Gut, wir verschwinden. Bis nachher." Er legte auf und kam dann auf mich zu gelaufen, ohne zu sagen wer das war und was er wollte.
"Wir müssen weg hier, der Hurensohn hat bemerkt dass wir hier sind."
"Wer, Khalil?", fragte ich schockiert, als er mich an der Hand nahm und mich mit sich zog.
"Nein, der Pic dem die scheiß Halle gehört."
"Warte, du hast gesagt du hast das hier gemietet?"
"Gemietet, geliehen...ist doch egal.", winkte er ab und zog mich zu einer Hintertür.
"Ist es nicht! Man Capi, warum machst du so einen Scheiß?!", fuhr ich ihn an. Er blieb plötzlich stehen und drehte sich zu mir um.
"Was hast du gesag?", fragte er angegriffen und musterte mich mit seinen leuchtenden, braunen Augen.
"Warum machst du so einen Scheiß."
"Nein nein, nicht das. Du hast Capi gesagt. Seit wann nennst du mich Capi?", fragte er leicht verärgert, während ich nicht verstand was sein Problem war.
"Hab ich doch gar nicht?", antwortete ich verwirrt.
"Ich bring euch um!", brüllte plötzlich jemand vom anderen Ende der Halle.
"Fuck, raus hier!", zischte der Ukrainer und zog mich mit sich.
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Mademoiselle ~ Band 1
FanfictionJosy begegnet zwei Menschen, die ihr Leben komplett auf den Kopf stellen - und das nicht gerade auf die gute Weise. Zum einen Capi, der sie wegen seiner kriminellen Geschäfte immer wieder alleine lässt, und zum anderen Samra, der sie wie Dreck beha...
