"Sorry." hechelte ich und versuchte, mich wieder zu beruhigen. "Ich wäre eher da gewesen, aber es kam was dazwischen."
"Ja, klar. Das sagst du jedes Mal. Gib doch einfach zu, dass du wieder zu spät los bist." meckerte sie genervt.
"Lea, ich schwöre dir, dass es dieses Mal nicht nur daran lag. Außerdem würde ich dich niemals anlügen, das weißt du. Ich bin auf dem Weg mit jemandem zusammengestoßen." fing ich an.
Sie schaute mich erwartungsvoll an und gab mir wortlos zu verstehen, weiter zu reden.
"Ich bin um die Ecke gebogen und dabei mit diesem Typ zusammengestoßen. Der hatte zwei Kaffeebecher dabei, und die dann vor Schreck fallen gelassen... voll auf seinen Pulli! Ich hab mich entschuldigt und wollte dann los, aber er hat mich festgehalten und meinte, ich soll ihm sofort zwei neue Becher holen. Und wenn ich in 5 Minuten nicht wieder da wäre, könnte ich was erleben. Ich hab genickt und bin Richtung Tankstelle, aber als er außer Sichtweite war bin ich losgerannt. Und dann war ich da."
Mit offenem Mund und hochgezogenen Augenbrauen starrte sie mich an.
"Ist das dein Ernst?" fing sie sich wieder. Ich zuckte nur mit den Schultern und sagte nichts weiter.
"Josy, der Typ hätte sonst was mit dir machen können! Du hattest echt Glück! Oh mein Gott, ich komm da nicht drauf klar...was wäre gewesen, wenn er dich eingeholt hätte? Oder wenn er dir was getan hätte? Oder..."
"Lea, beruhig dich. Alles gut." unterbrach ich sie. "Es ist ja nichts passiert, also lass uns das einfach vergessen."
Sie beunruhigte die ganze Sache anscheinend mehr als mich.
"Okay. Ich bin nur froh, dass dir nichts passiert ist." seufzte sie. "Aber nächstes Mal gehst du eher los, okay?"
"Ja." Versicherte ich ihr schmunzelnd. Ob ich das wirklich schaffen würde einzuhalten, konnte ich allerdings nicht versprechen.
Wir redeten noch eine Weile über dies und das, bis der Zug endlich ankam.
Dicht gefolgt von Lea stieg ich aus, und wir machten uns den Weg in die Shishabar.
Da sie nicht weit von der Haltestelle entfernt war, waren wir innerhalb von 10 Minuten da.
"Du gehst zuerst rein!" meldete ich mich zu Wort, als wir kurz vor dem Eingang waren.
"Warum immer ich?" fragte sie genervt.
"Du hast mehr Selbstbewusstsein als ich." sagte ich und schenkte ihr mein süßestes Lächeln. Mit einem Augenrollen ging öffnete sie die Tür und betrat die Bar. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie sie trotzdem grinsen musste.
Als wir reinkamen, sah ich schon Amar hinter der Bar stehen. Er war der Besitzer und ich kannte ihn schon eine Weile, da ich mittlerweile sozusagen Stammgast war.
"Na Mädels, alles klar bei euch?" Fragte er lächelnd und umarmte uns einmal kurz zur Begrüßung.
"Ja klar immer!" antworteten wir beide gleichzeitig und mussten kichern.
Wir suchten uns eine freie Couch und setzten uns hin. Keine zwei Minuten später kam auch schon die Kellnerin, die freundlich unsere Bestellung aufnahm. Da Lea nicht so oft und immer nur mit mir rauchte, teilten wir uns eine Shisha und ich bestellte mir einen Eistee.
Als die Kellnerin fragte was wir rauchen möchten, antwortete ich nur "Spezialtabak".
Sie musste lachen, da sie die Bezeichnung niedlich fand. Ich konnte mich immer schwer entscheiden, also ließ ich Amar immer einen Kopf für mich zusammenmischen. Bis jetzt hatte ich noch keine schlechte Mischung dabei.
Wir saßen nun schon eine dreiviertel Stunde und redeten über alles Mögliche, was in den letzten Tagen passiert ist. Da wir beide immer unterschiedlich arbeiteten, kamen wir nicht so oft dazu uns zu treffen. Ich wollte ihr gerade etwas erzählen, als plötzlich ihr Handy klingelte.
Während sie telefonierte beobachtete ich, wie ein Typ in die Bar kam und sich mit Amar unterhielt. Ich musste mir das Lachen verkneifen, als ich sah was er anhatte. Gucci Jogginganzug. Na, läuft bei ihm würde ich sagen. Bestimmt wieder so ein Prolet der sich geil fühlt, weil er Kohle hat.
"Maus?" riss mich Lea mich aus meinen Gedanken.
"Hm?" murmelte ich, immer noch am Grinsen.
"Ähm...ich weiß, das ist jetzt blöd...aber wärst du mir sauer, wenn ich mal kurz verschwinde? Mein Freund hat gerade angerufen und will unbedingt mit mir reden, geht wohl um seine Mutter. Ist das okay für dich?"
Leicht enttäuscht antwortete ich: "Ja passt schon...dann geh du mit ihm reden, ich rauch noch 10 Minuten, trink aus und fahr dann nach Hause."
Sie schaute mich mitleidig an. Ich spürte, dass sie gerne absagen und bleiben würde, aber es schien wichtig zu sein.
"Okay dann lass ich mich später von ihm nach Hause fahren. Du meldest dich aber wenn du los läufst, wenn du im Zug sitzt und wenn du aussteigst. Und auf dem Weg nach Hause rufst du mich an!", sagte sie streng. Ich fand es so süß, wie sie sich Sorgen machte. Macht leider nicht jeder.
"Ja, ich verspreche es dir." Sagte ich lächelnd und wir umarmten uns noch einmal, bevor sie ging.
So saß ich nun alleine da, um mich rum alles nur Ausländer und ein paar Jungs. Wie das eben so ist.
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Mademoiselle ~ Band 1
FanficJosy begegnet zwei Menschen, die ihr Leben komplett auf den Kopf stellen - und das nicht gerade auf die gute Weise. Zum einen Capi, der sie wegen seiner kriminellen Geschäfte immer wieder alleine lässt, und zum anderen Samra, der sie wie Dreck beha...
