Part 139 ~ Seelsorge

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Josy

"Ich mach ganz vorsichtig.", beruhigte mich Vladislav, der sich hinter mir positioniert hatte. Ich spürte seine Finger an meiner Hüfte, und dann zog er mir so sachte wie nur möglich den Pullover aus. Als ich die Arme nach oben streckte, spürte ich das kleine ziehen der Wunde und biss mir auf die Lippen, damit er es nicht merkte.
"Jetzt die Hose.", sagte er. Ich nickte und öffnete dann die Schleife an meiner Jogginghose. Er kniete sich vor mich und zog sie dann vorsichtig runter. Als wir das auch geschafft hatten, atmete ich erleichtert auf.
"Du solltest Krankenpfleger werden.", grinste ich ihn an, als er wieder hoch kam.
"Ich will keine fremden Leute waschen. Dich hingegen schon.", grinste er und beugte sich zu mir vor, wo er sein Gesicht in meinem Hals vergrub.
"Mach das nicht.", flehte ich leise und drückte ihn ein Stück von mir weg.
"Sorry.", entschuldigte er sich grinsend.
Er zog sich sein Shirt und alles andere aus, und stellte sich dann gemeinsam mit mir in die Duschkabine.
"Halt den Waschlappen dran, ich versuche es nicht nass zu machen.", sagte er und schon hörte ich das rauschen des Wassers. Ich fühlte mich sofort viel besser, als ich das warme kribbeln auf meiner Haut spürte.
"Ok so?", fragte er hinter mir und rieb sanft über meine Schultern.
"Perfekt.", grinste ich benommen, als er sich ein bisschen näher an mich drückte.
"Vladislav.", stöhnte ich leise, als er kleine Küsse auf meinen Schultern verteilte.
"Ich kann nicht anders.", raunte er erregt und ließ seine Hand zu meinem Hintern wandern.
"Bitte, du weißt dass ich das noch nicht kann.", sagte ich schwer atmend und versuchte, standhaft zu bleiben.
"Du musst ja nicht mitmachen. Ich kann doch einfach so ein bisschen von hinten, oder?", fragte er und fing an, meinen Po zu massieren.
"Aber sonst gehts dir gut, ja?", fragte ich wütend und trat auf seinen Fuß, damit er aufhörte.
"Tamam Baby, war doch nur ein Vorschlag.", gab er gequält von sich und konzentrierte sich wieder auf seine Hauptaufgabe.
Als wir endlich fertig waren wickelte er mich liebevoll in ein Handtuch und half mir dann wieder aus der Dusche heraus.
"Soll ich dir die Haare föhnen?", fragte er und rubbelte das Handtuch über meinen Kopf.
"Würdest du das wirklich?", fragte ich, etwas verwundert über seine hilfsbereitschaft.
"Klar, warum nicht?", lachte er und fing dann an, meine Haare zu kämmen. Ich hätte es ja selber gemacht, aber jedes mal wenn ich mich streckte oder nach vorne beugte spürte ich dieses ekelhafte Ziehen an meinem Bauch.
"Womit hab ich dich nur verdient?", fragte ich glücklich und beobachtete, wie er so sanft wie möglich mit dem Kamm durch meine langen Haare fuhr.
"Könnte ich dich genauso fragen.", schmunzelte er und steckte den Fön in die Steckdose.

Als wir beide fertig waren, half er mir in frische Klamotten und und nahm dann meine Hand, während wir zum Auto liefen.
Auf der Fahrt ruhte seine warme Hand die ganze Zeit auf meinem Oberschenkel. Es tat mir ja leid, dass ihm nicht das geben konnte, was er wollte. Aber mit dieser nervigen Wunde am Bauch war ich einfach eingeschränkt.
"Aber ist das nicht doof, wenn dich da jetzt die ganzen Leute erkennen?", fragte ich besorgt.
"Unterschätz den Bratan nicht.", grinste er nur und ging dann nicht weiter darauf ein. Ich seufzte und schaute dann wieder verträumt aus dem Fenster.
"Warum fährst du dran vorbei?", fragte ich, als ich das große Leuchtschild hinter uns im Seitenspiegel immer kleiner werden sah.
"Lass dich überraschen.", sagte er ausdruckslos mit konzentriertem Blick auf die Straße.
"Du machst mir Angst.", sagte ich beklommen und versuchte irgendwie zu schätzen, wo wir waren. Aber ich hatte keine Ahnung.
"Keine Sorge, ich werd dich schon nicht irgendwo hin verschleppen. Vertrau mir einfach.", lachte er und verstärkte liebevoll den Druck auf meinem Oberschenkel. Ich versuchte mich zu entspannen und wartete, bis wir endlich auf dem Parkplatz ankamen. Er stieg aus und half mir dann vorsichtig aus dem Auto heraus.
"Wo sind wir?", fragte ich und kuschelte mich ein bisschen an ihn ran, als uns ein kalter Windzug traf.
"Das Kino ist etwas abgelegener. Ich hab das nur für uns gemietet.", sagte er kichernd und schlang beschützerisch seinen Arm um mich.
"Hast du nicht wirklich?", fragte ich verdattert.
"Oh doch. Ich sag doch, unterschätz mich nicht.", freute er sich und lief mit mir zum Eingang. Tatsächlich, er hatte das ganze Teil auf seinen Namen reserviert.
Mit Popcorn und Cola bewaffnet setzten wir uns in die letzte Reihe, auf einen Pärchensitz.
"Darf ich das überhaupt essen, Dr. Balovatsky?", fragte ich grinsend und wies auf die riesige Tüte Popcorn, die er auf meinem Schoß platziert hatte.
"Wenn ich das sage, darfst du das.", schmunzelte er und kuschelte sich an mich.

Samra

Wieder einmal lungerte ich in meinem Hotelzimmer rum, und beobachtete den durch den Raum tanzenden Rauch meiner Zigarette. Die ganze Sache mit Josys Eltern ließ mir einfach keine ruhige Minute. Und Die Sache mit Josy auch nicht. Es verging kein verdammter Moment, in dem ich nicht an sie denken musste. Mit einem lauten Seufzer beobachtete ich mein ausgeschaltetes Handy, das auf dem kleinen Tisch neben dem Fernseher lag. Seit Tagen hatte ich nichts mehr von Capi oder Josy gehört. Aber Capi kannte mich gut genug um zu wissen, dass ich das öfter mal machte. Machmal war das der einzigste Ausweg, den ich sah, wenn mir alles über den Kopf wuchs. Ich wusste, dass ihre Eltern das ganze meiner Mutter erzählen würden. Aber ich wollte sie da nicht mit reinziehen. Nicht wegen sowas. Also erhob ich mich gähnend und entschloss mich, zu ihr zu fahren.
Ich schloss die Zimmertür ab und sprang lässig die Treppen nach unten, wo mir dann der kalte Herbstwind ins Gesicht peitschte. Zitternd zog ich meine Jacke zu und begab mich zu meinem neuen Baby. Auch wenn es vielleicht wirklich wie ein Panzer aussah. Ich liebte dieses Teil einfach unnormal krass.
Mit den Beats von unserem neuen Album auf voller Lautstärke bretterte ich durch die Straßen und hielt vor dem Krankenhaus, in dem meine Mutter arbeitete. Glücklicherweise hatte sie gerade Schluss, weshalb ich sie gleich in Empfang nahm.
"Hussein! Was machst du denn hier?", freute sie sich und schloss mich direkt in ihre Arme.
"Ich wollte dich mal wieder sehen. Wir müssen reden.", sagte ich und nahm ihr die schwere Tasche ab. Sie hatte ein bisschen Probleme, in mein Auto einzusteigen, also hob ich sie fast schon auf den Sitz.
"Schick.", lächelte sie und streichelte liebevoll meine Wange, als ich neben ihr saß.
Auf der Fahrt nach Hause erzählte ich ihr alles. Meine Mama war schon immer der einzigste Mensch, dem ich blind vertrauen konnte. Selbst wenn die ganze beschissene Welt gegen mich wäre, würde sie hinter mir stehen.
"Und jetz weißt du keinen Ausweg.", stellte sie fest, als ich sie wieder aus dem Auto gehoben hatte.
"Richtig. Eigentlich mag ich ihre Eltern, das weißt du. Aber das was sie von mir verlangen, kann ich nicht machen.", sagte ich, während sie die Wohnungstür aufschloss.
"Ich will nicht, dass sie ihre eigene Tochter dann verstoßen. Genauso wenig will ich Capi verletzen. Er ist mein bester Freund, so wie ein Bruder. Das könnte ich ihm niemals antun. Und das würde auch niemals funktionieren, denn dafür ist die Liebe zwischen den beiden einfach viel zu stark. Das kann niemand kaputt machen. Und das würde ich auch nicht. Denn wenn ich das machen würde, würde ich sie ebenfalls verletzen. Und wenn ihr Herz bricht, bricht meins ebenfalls. Verstehst du?", platzte es einfach unkontrolliert aus mir heraus. Sie war wirklich die einzigste Person, mit der ich ungehemmt reden konnte. Niemand, nicht mal Capi kannte mich so gut wie die Frau, die mich großgezogen hatte. Nur bei ihr konnte ich meinem Herzen Luft machen.
"Willst du meine ehrliche Meinung hören?", fragte sie, als sie sich erschöpft auf das Sofa fallen ließ.
"Du bist erwachsen, Hussein. Und du hast dir noch nie von jemandem etwas vorschreiben lassen, außer von mir und deinem Vater. Schon als du klein warst hattest du deinen eigenen Kopf. Egal was du tust. Ich weiß, dass es das richtige sein wird.  Du musst einfach auf das hören, was dein kleines starkes Kämpferherz dir sagt.", sprach sie und klopfte leicht gegen meine Brust.
"Es wird immer Menschen geben, die deine Entscheidungen nicht gut heißen. Aber das heißt nicht, dass diese Entscheidungen immer falsch sind.", sprach sie und strich mir sanft durch meine schwarzen Haare.
"Ich liebe dich.", sagte ich und umarmte sie herzlich.
"Tu das richtige, Hussein. Und auch wenn ihre Eltern dich dann verachten. Selbst, wenn sie mich dann verachten. Wichtig ist, dass du mit reinem Gewissen leben kannst.", sagte sie, woraufhin ich dankbar ihre Stirn küsste.
"Du bist die beste.", sagte ich und verbrachte noch einige Stunden mit ihr, bevor ich wieder in Richtung Hotel aufbrach.

Mademoiselle ~ Band 1Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt