Die Nacht, indem Taos Veschwinden noch nicht bemerkt worden war, brachte den Jungen einen gewaltigen Vorsprung. Schon beim Morgengrauen befand er sich an der Grenze Chinas. Tao hatte sich in einem LKW versteckt, der jetzt eine kurze Rast vor dem Zoll machte. Vorsichtig öffnete Tao die hintere Klappe einen Spalt auf, genau so viel, dass er gerade noch durch passte. Er hatte Glück, niemand befand sich hinter dem LKW und er konnte mutig rausklettern.
Weiter hinten befand sich das große Zollgebäude. Es wurde nicht bewacht, wozu auch. Das angegrenzte Land gehörte ebenfalls zum Kaiserreich. Tao wusste, dass er an der richtigen Grenze große Schwierigkeiten haben würde, heimlich durchzukommen. Doch daran wollte er zurzeit nicht denken. Jetzt musste er sich hier durchkämpfen. Zwei Männer unterhielten sich im Inneren des Gebäudes, einen Kaffee in der Hand. Tao schluckte. Er hatte seit Mitternacht nichts getrunken und das war schon einige Stunden her. Sein Hals fühlte sich auf einmal wie ausgetrocknet an, sein Magen knurrte. Tao seufzte. Vielleicht sollte er es versuchen, in das Gebäude einzudringen, ohne bemerkt zu werden und etwas Essbares für sich beschaffen. Dies wäre ja nicht schwer gewesen, wenn sich die Zollbeamten nicht im Haus befanden. Aber was ist eine Flucht ohne Schwierigkeiten?
Ein Knarren erweckte Taos Aufmerksamkeit auf eine leicht geöffnete Tür. Neugierig lugte der Junge rein. Einige Kisten und Säcke standen auf dem Boden. Auf einem schmalen Regal lag eine umworfene Wasserflasche, und geheimnissvolle, dunkle Tütchen mit undeutlichen Schriftzug befanden daneben. Tao schaute sich um. Als er niemanden erblickte, betrat er den kleinen Raum. Nur etwas zu trinken und zu essen holen, war seine Mission, doch die Neugier war stärker. Langsam trat er an das Regal und öffnete eines der Tütchen. ,,Was-" Tao konnte den leisen Ausruf nicht verhindern. Weißes Pulver befand sich in dem schwarzen Säckchen. Das ist nicht das, was ich denke, oder? Tao kannte sich nicht viel mit Drogen aus, weshalb er sich mit dem Namen auseinandersetzte. H-heroin. Es war schwer zu erkennen und der schwach beleuchtete Raum machte das Lesen schwieriger. Trotzdem war Tao sich ziemlich sicher, das "Heroin" auf dem Tütchen stand. Tao brauchte nicht viel nachzudenken. Vorsichtig öffnete er weitere Säckchen, zwei Kisten und schaute in einen der größeren Säcke rein. Es handelte sich um Drogen, um große Mengen an Drogen, die sich in einem Hinterzimmer der Zollgebäudes versteckten. ,,Wann kommen eigentlich die Kunden?" Tao hielt erschrocken die Luft an, als er eine fremde Stimme von außen hörte. Schnell schaute er sich um. Die Schritte kamen immer näher. In dem Moment, als die Tür sich öffnete, kroch er hinter eine Kiste. Einer der Zollbeamten trat in den Raum, hinter ihm der zweite. ,,Sie wollten eigentlich in wenigen Minuten kommen, stecken jetzt aber in einem Stau fest.", antwortete er. Der erste Beamte nickte. ,,Ich mache schon mal die Lieferung für ihn fertig. Dann geht es schneller." Der andere nickte und verließ den Raum. Der erstere begann einige Tütchen einzusammeln und abzuwiegen. ,,Genau zwei Kilogramm.", murmelte er stolz. Die sortierten Tütchen stellte er abgegrenzt von den anderen auf den Boden und verschwand ebenfalls. Tao stieß die angesammelte Luft erleichtert aus und rappelte sich auf. Er musste jetzt in Ruhe nachdenken.
Er war einigen Drogenhändlern auf die Spur gekommen, die als Zollbeamte arbeiteten. An diesem Ort kamen viele Menschen vorbei, wer weiß, wie viele Drogen hier schon verkauft wurden. Die Regierung würde niemals drauf kommen, da Zollbeamte einen Schwur leisten mussten, dem Kaiser und Volk nur zum Wohle zu dienen. Ein Vertrauensbruch führte zur Todesstrafe. Tao musste jemanden benachrichtigen. Er konnte das hier nicht weiterlaufen lassen. Sein Handy hatte er nicht mehr und das Telefon der Beamten traute er sich nicht zu benutzen. Aber er hatte keine andere Wahl.
Vorsichtig öffnete Tao die Tür. Niemand befand sich draußen und er konnte rausschleichen. Vor der Eingangstür blieb Tao stehen. Wenn due Beamten sich drinnen befanden, musste er sehr schnell handeln. Tao atmete tief ein und wieder aus. Sein Herz pochte wie verrückt, das Adrenalin sammelte sich. Tao fühlte sich, als wäre er zu Hause in Korea, als er alleine dem Bären gegenüber stand, oder der Räubergruppe. Es war ein schönes Gefühl. Tao lächelte und klopfte sachte gegen die Tür. ,,Herein!", kam es von innen. Die Beamten waren drinnen. Vorfreude durchfuhr Tao. Er war zu lange in einem Zimmer eingesperrt, jetzt verspürte er die Freiheit. Er öffnete immer noch lächelnd die Tür. ,,Guten Tag.", grüßte er höflich. ,,Guten Tag, kann ich Ihnen helfen?" Einer der Beamten lächelte freundlich zurück. ,,Oh ja.", antwortete Tao, während er auf den Beamten zutrat. ,,Sind Sie hier alleine?" Der Beamte schüttelte den Kopf. ,,Mein Kollege macht gerade Pause." ,,Ich glaube, für mein Problem brauche ich zwei Personen, würden Sie ihn bitte holen?" Der Beamte zögerte kurz, nickte aber. ,,Bin sofort wieder da." Er verschwand in einem Hinterraum. Es lief besser als Tao dachte. In Ruhe konnte er sich in dem Raum umsehen und sich Orientierung verschaffen. Der Beamte ließ nicht lange auf sich warten. Er kam mit seinem Kollegen kurze Zeit später zurück. ,,Da wären wir." Tao nickte und trat näher auf sie zu. ,,Was ich von Ihnen wollte-" ,,He, dass ist doch der Junge, den der Kaiser sucht!", rief auf einmal der neu dazugekommene Beamte aus. Tao blieb stehen. Der Kaiser sucht nach ihm. Sein Verschwinden war also bemerkt wurden. Tao kam schnell in Bewegung. Die Beamten hatten keine Zeit, etwas zu realisieren, da lagen sie bewusstlos auf den Boden und Tao fesselte sie mit Klebeband. Dann sprang er auf und lief zum Telefon, welches altmodisch an der Wand angebracht war. Jemand meldete sich und verkündete den Namen der Polizeistation. ,,Hier sind zwei Zollbeamte, die undercover als Drogenhändler arbeiten. In einem Nebenraum befinden sich Drogen und ein Kunde sollte bald vorbeikommen. Orten Sie das Telefon, die Händler liegen gefesselt auf dem Boden." Tao legte auf, bevor der Polizist etwas sagen konnte. Jetzt musste er schnellstmöglich etwas Nahrung beschaffen und fliehen.
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Wanted //Taoris//
Fanfiction,,Er ist so jung." ,,Er ist so hübsch." ,,Er ist so talentiert." ,,Pass auf, damit der Kaiser dich nicht vor Neid tötet." ,,Ich hab mich unter Kontrolle. Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen." ,,Denkst du, ich habe keine Angst, dass du bald besse...
