Ich weiß nicht ob ich überhaupt wissen will, was darin steht...", murmelte Chanyeol leise, während er unsicher zu Kris sah, welcher schon die erste Seite des Tagebuchs vorzulesen begann.
27. September 1820
Es sind nun fast vier Monate vergangen, seitdem ich mit meiner Frau Yunha und unserer gemeinsamen Tochter Nina in dieses Haus gezogen bin. Es ist ein wundervolles, altes Haus. Abseits der großen Stadt und dem Lärm. Es hat ein wunderschöne Aussicht auf das angrenzende Dorf und besonders Nina gefällt der große Garten, in dem sie die meiste ihrer Zeit verbringt.
Doch im Dorf gibt es seltsame Gerüchte über dieses alte Mauerwerk. Man sagt es soll angeblich einst einer Hexe gehört haben, die viel Tod und Unheil über das Dorf und seine Bewohner brachte.
Als die Hexenverbrennungen auch diesen Teil der Erde erreichten, wurde sie festgenommen und 1750 auf dem Marktplatz des Dorfes in einer öffentlichen Hinrichtung verbrannt. Danach hat man ihre verbrannten Überreste wohl in der Nähe des Hauses vergraben und alles was sich im Haus befand mitgenommen und ebenfalls verbrannt. Seitdem stand das Haus wohl 70 Jahre lang leer und keiner hat es je wieder betreten, bis ich es vor vier Monaten gekauft habe. Die Dorfbewohner sind abergläubisch und fest davon überzeugt, dass dies ein schrecklicher Ort sei. Aber es ist ein ganz normales, altes Haus, mit einer leider tragischen Vergangenheit. Und wenn die Leute an diese Schauermärchen glauben wollen, dann sollen sie es ruhig tun. Uns geht es hier gut. Wir werden dieses Haus ehren und den Rest unseres Lebens hier gemeinsam in Frieden verbringen.
15. November 1820
Das Wetter ist abgekühlt und viele dunkle Wolken sowie Regen überrollen die frischen Herbsttage. Nina spielt jetzt hauptsächlich in den vielen Zimmern des Hauses. Egal ob Wohnzimmer, Keller, Dachboden, Badezimmer oder Küche, überall liegt ihr Spielzeug verteilt und Yunha kommt kaum mit dem Aufräumen hinterher. Gestern hat Nina ein paar alte Puppen im Keller des Hauses entdeckt und sie zum Spielen mit nach oben genommen. Es sind ganz gewöhnliche Stoffpuppen, also haben wir es ihr erlaubt sie zu benutzen. Sie hat sich wirklich sehr darüber gefreut.
Und was mich angeht. Ich habe mir in einem der unteren Räume eine kleine Schmiede eingerichtete und kann meine Arbeit somit von zuhause aus verrichten, wofür mich einige beneiden. Die Dorfbewohner trauen sich auch weiterhin nicht an das Haus heran, daher liefere ich meine gemachten Waren persönlich bei ihnen im Dorf aus. Es könnte wirklich nicht besser laufen.
4. Dezember 1820
Heute ist der erste Schnee dieses Jahres gefallen und wir waren zusammen im Dorf spazieren. Nina hat wie jedes Jahr im Schnee vor dem Haus gespielt, jedoch war sie dieses Mal ganz allein. Die Dorfbewohner lassen ihre Kinder nicht zu unserem Haus gehen und halten sie von uns fern, weshalb Nina keine Freunde hat. Yunha und ich versuchen so viel Zeit aufzubringen wie wir können, um mit ihr zu spielen, aber wir müssen gleichzeitig noch die Familie ernähren. Deswegen spielt Nina die meiste Zeit mit ihren Stoffpuppen. Sie sieht sie als echte Freunde an, was uns etwas besorgt. Allgemein besorgt mich ihr Verhalten die letzten Wochen über. Sie redet kaum noch mit uns und ist wie ausgewechselt. Sie war immer ein lebhaftes, kleines Mädchen, doch jetzt zieht sie sich immer öfter in ihr Zimmer zurück und ersetzt Yunha und mich durch ihre Puppen. Ich kam eines Abends an ihrem Zimmer vorbei und hörte wie sie die beiden Puppen Mutter und Vater nannte. Am nächsten Morgen hatte sie es sogar auf die Bäuche der Puppen gekritzelt. Ich mache mir immer größere Sorgen um ihren geistigen Zustand. Sie braucht dringend Freunde.
18. Dezember 1820
Es sind nun zwei Wochen vergangen seit meinem letzten Eintrag und ich kann meine Gefühle nicht in Worte fassen. Meine liebe Frau... Mein Engel des Lichts... Meine Yunha... Sie ist von uns gegangen. Ich weiß nicht wie es passiert ist, ich war bei der Arbeit. Ich hörte einen lauten Schrei. Nina. Ich rannte aus der Schmiede in die Küche und da stand sie am Fenster und schrie wie am Spieß. Als ich hinaus blickte umgab mich eine schreckliche Gänsehaut und alles Blut in meinen Adern gefror. Meine Yunha... Erhängt an einem Baum im Garten, an welchem Nina immer so gerne spielte. Ich sank zusammen und versuchte meine Tochter zu beruhigen, doch ich konnte es nicht. Die Polizei traf eine halbe Stunde später am Tatort ein und gab mir die Nachricht, die ich nicht verkraften konnte. Selbstmord. Ich ließ sie meine Frau vom Baum schneiden und schweren Herzens zum Bestatter ins Dorf bringen. Und das alles vor Ninas Augen... Sie hat seitdem nicht mehr gesprochen und weint in ihrem Zimmer. Am Abend als ich sie dann zu Bett brachte, sah ich etwas das mir einen Schauer über den Rücken laufen ließ. Ich sah die Stoffpuppe mit Yunhas Namen darauf und sie hatte ein Seil um den Hals geknotet. Mein Herz schreit und appelliert an meinen Verstand, doch dieser kann es nicht weiter leugnen. Ich weiß nicht wie, ich kann es mir nicht erklären ! Aber sie hat es an der Puppe geübt. Nina hat meine geliebte Yunha ermordet.
22. Dezember 1820
Heute fand die Bestattung meiner geliebten Frau statt. Ich habe Nina mitgenommen, doch sie zeigte wenig bis keine Trauer oder Emotionen. Ich weiß dass sie es war. Doch ich will es noch immer nicht glauben. Meine kleine süße Nina. Wieso sollte sie so etwas Grausames ihrer Mutter antun ? Und vor allen Dingen...wie tat sie es ? Ich frage mich all diese Dinge und bemerke langsam dass es mir immer schlechter geht. Ich bin nicht mehr glücklich, seit Yunha fort ist. Ich arbeite Tag und Nacht, um mich von meinem Schmerz abzulenken. Ich habe immer öfter Momente, in denen ich meinen eigenen Körper nicht mehr steuern und kontrollieren kann. Es ist fast so als ob mich jemand anderes kontrolliert. Ich kann es nicht beschreiben aber ich verletzte mich selbst, ohne das ich es will. Ich denke Dinge die ich nicht denken will. Und ich sehe Nina kaum noch. Sie kommt nicht mehr aus ihrem Zimmer. Ich weiß nicht was hier vor sich geht. Aber Nina ist der Schlüssel zu allem.
23. Dezember 1820
Nina hat den Verstand verloren. Sie hat sich im Keller eingeschlossen und lacht vor sich her. Sie sitzt dort unten im dunkeln und redet mit ihren Puppen. Ich spüre nur noch Schmerzen in all meinen Gliedern und habe mir vorhin beim Schmieden den rechten Zeigefinger abgehackt. Ich betrachtete gerade die glühende Klinge des Messers, das ich für einen Freund anfertigen sollte, als ich einen stechenden Schmerz in meiner linken Brust verspürte. Es fühlte sich an, als ob jemand immer wieder mit tausenden spitzen Nadeln mein Herz durchstieß und ich ließ die Klinge fallen. Sie fiel auf meine andere Hand, welche noch auf dem Schmiedestein lag und trennte den Finger mit Leichtigkeit von meiner Hand ab. Ich kann die Feder kaum noch halten, mit welcher ich diese Zeilen niederschreibe. Ich muss diesem Wahnsinn ein Ende bereiten. Ich werde in den Keller gehen und Nina diese Stoffpuppen wegnehmen. Ich werde sie zur Rede stellen und sie dazu bringen mir zu sagen, wie sie ihre Mutter umgebracht hat. Wenn sie mich verletzen will, werde ich mich wehren, denn dieses Monster dort unten im Keller ist nicht länger meine Tochter. Die Dorfbewohner hatten mit allem Recht. An diesem Ort passieren schreckliche Dinge. Im Fall dass mir etwas zustoßen sollte, werde ich dieses Tagebuch zur Sicherheit auf dem Dachboden unter einer losen Diele verstecken, die ich verschließen und mit dem Flügel verdecken werde. Das hier wird mein letzter Eintrag sein. Diese Worte sind an jene unschuldige Seele gerichtet, die in ferner Zukunft auf diese Zeilen stoßen sollte. Halte dich fern von diesem Haus und allem was dazugehört. Lasse nicht noch eine weitere Familie an ihm zu Grunde gehen.
Daniel Lee
„Oh mein Gott...!", gab Chanyeol entsetzt von sich und starrte Kris ängstlich in die Augen, „Das kann doch nicht wahr sein...! Wir müssen hier weg, Kris ! WIR MÜSSEN HIER WEG !"
„Jetzt beruhige dich erst mal wieder.", erwiderte Kris und klappte das Tagebuch zu, ehe er es vorsichtig zurück in die kleine Kiste legte und diese auf seinen Schreibtisch stellte, „Das ist 200 Jahre her, Chanyeol. Mag sein dass das Haus eine schreckliche Vergangenheit hat, aber es liegt nicht an dem Haus selbst. Seine Tochter wurde verrückt, aber das heißt nicht dass das Haus etwas damit zu tun hat. Die angebliche Hexe war vermutlich nicht mal eine und wurde zu unrecht verbrannt, so wie es etliche andere zu dieser Zeit ebenfalls erwischt hat. Und wenn sie tatsächlich eine war, dann war sie vielleicht auch eine gute Hexe. Warum denkst du sofort ans Böse ? Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass es eine lebende Person ist, mit der wir es hier zu tun haben. Allerdings...könnte es sein, dass diese Person etwas benutzt, dass dieser möglichen Hexe einst gehört hat. Etwas das in guten Händen helfen, jedoch in falschen nur Unheil bringen kann. Im Fall des Mannes aus dem Tagebuch, hat seine Tochter dieses Artefakt in die Finger bekommen. Nicht jedes Kind ist reines Herzens. Moment... Warte mal...die Tochter hatte doch im Keller diese-"
„Diese was ?!", gab Chanyeol mehr als nervös von sich, als Kris plötzlich seinen Satz unterbrach und starrte ihn aus ängstlichen Augen an, „DIESE WAS ?! SAG SCHON ! KRIS !"
„Diese Puppen...", antwortete Kris geschockt und erwiderte seinen Blick, ehe seine Zimmertür plötzlich hektisch aufgerissen wurde und Jessi ins Zimmer gestürmt kam.
„ICH HAB ES !", rief sie außer Atem und sah den beiden in die Augen, „Es sind Voodoo Puppen !"

DU LIEST GERADE
Let's Play
FanfictionEXO / OT12 / Hauptcharaktere: Luhan / Sehun / Kris / Suho etc. / Gastauftritt: Jay Park / Jessi Ho Die Exo Jungs sind beste Freunde und wohen zusammen in einem großen Haus am Rande einer abgeschiedenen, idylischen Kleinstadt. Eines Tages finde...