Historia

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Die Busfahrt dauerte nur zwanzig Minuten.

Wieder einmal schien sich die Klasse in diejenigen gespaltet zu haben, die sich auf die Stadt freuten und diejenigen, die es langweilig fanden.

Ich gehörte zur ersten Kategorie, ich liebte alles Alte, egal ob Bücher, Gebäude, Geschichten oder Dinge. Wie Ally dazu stand wusste ich nicht, denn sie schien ungewöhnlich ruhig. Ich hatte sie nicht gefragt, wo sie in der Nacht gewesen war, schließlich wollte ich sie nicht bedrängen. Vermutlich war sie einfach nur müde, weil sie die Nacht in einem anderen Zimmer verbracht hatte.

Der Bus hielt in der Nähe des großen Marktplatzes, passierte vorher einen Torbogen, da die Altstadt von einer Mauer umgeben war. Als wir alle ausstiegen, erwartete uns schon unsere Reiseführerin.

»Guten Morgen alle zusammen, ich freue mich euch heute begleiten zu dürfen und euch unsere wunderschöne Stadt Historia zu zeigen. Der Rundgang wird ungefähr anderthalb Stunden dauern, daher bitte ich euch solange durchzuhalten. Es wird sich auch lohnen.« Hier zwinkerte sie uns zu, während einige Schüler schon stöhnten oder an ihrem Handy rumtippten. »Mein Name ist Francesca, aber ihr könnt mich auch Franni nennen. So gibt es erstmal irgendwelche Fragen?«

Niemand meldete sich. »Gut, dann werde ich euch erstmal berichten, wo wir hier stehen.«

Sie zeigte um sich. »Dies ist der Marktplatz von Historia. Die Stadt selbst wurde erstmals 1863 ins Verzeichnis aufgenommen, jedoch vermuten wir, dass sie schon viel älter ist. Dies bezeugen die Mauern, welche den Stadtkern umgeben. Vermutlich wurden diese im Mittelalter erbaut. Der Marktplatz selbst wurde von den Historianern, wie wir sie nennen, um 1860 umgebaut. Wir ihr sehen könnt, ist er vergrößert worden, dass sieht man an den verschiedenen Steinen. Ungefähr aus derselben Zeit stammt diese Kathedrale hinter mir...«

Wir folgten ihr in die Kathedrale und sie erzählte uns noch allerlei zu der Erbauung, der Architektur, welcher König wann die Stadt beherrschte und wie das die Religion hier geprägt hatte. Danach ließ sie uns kurz Zeit uns selbstständig umzuschauen und sagte wir würden uns dann in dreißig Minuten wieder draußen treffen.

Als ich mich umschaute, während meine Klassenkameraden sich schon in Grüppchen verteilten, fiel mir auf, dass Ally, Simon und David fehlten.

Dann sah ich, dass Ally noch immer vor dem Eingang der Kathedrale stand. Ich ging zu ihr.

»Willst du die Kathedrale nicht anschauen?«, fragte ich sie.

Sie stand mit verschränkten Armen da. »Weißt du, ich bin nicht besonders gläubig und für mich sehen alle Kathedralen gleich aus, ich schau mich lieber hier noch ein bisschen um.«

Während ich noch »okay« murmelte, ging sie schon in die andere Richtung. Als ich ihr hinterher blickte, sah ich Simon, wie er voller Eifer alles mit seiner Kamera dokumentierte.

Kopfschüttelnd, aber mit einem Lächeln ging ich wieder hinein.

Das Kirchenschiff war pompös gestaltet, überall sah ich Marmor und hohe Decken, verzierte Wände und Buntglas, ich kam aus dem Staunen gar nicht heraus. Wir durften sogar in einen Raum hinter dem Altar. Er wurde »Raum der Stille« genannt; hier standen einige Statuen, vermutlich von früheren Königen und wirklich alle Leute im Raum (es müssen so um die Dutzend gewesen sein) waren absolut still.

Auf der anderen Seite des Altars konnte man eine enge Wendeltreppe aus Stein erklimmen, wo man am Ende auf dem Dach der Kathedrale stand und die wunderschöne Aussicht erblicken konnte. Während ich die Berge und Wälder, sowie die Menschen direkt unter der Kathedrale sehen konnte, schloss ich die Augen und gab mich dem sanften Wind hin. Ich spürte ihn leicht meinem Körper umwehen und steckte mir meine langen Haare wieder hinter die Ohren.

Engelsruf Dämonen der Nacht [Rohfassung]Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt