Die Verwirrung

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Diese Nacht hatte ich nichts geträumt, jedenfalls konnte ich mich nicht mehr erinnern.

Als ich aufwachte, war Lizz schon nicht mehr da und als ich auf die Uhr sah, bemerkte ich, dass ihre Schule schon angefangen hatte.

Ich las mir auf meinem Handy die Nachrichten zur gestrigen Explosion in unserer Whatsappgruppe durch.

Ich schrieb Ally eine Nachricht, was sie heute vorhatte und ging frühstücken.

In der Küche holte ich mir eine Schüssel aus dem Schrank und nahm die Cornflakes von der Anrichte. Aber als ich den Kühlschrank öffnete, war nur noch ein Tropfen Milch vorhanden. Murrend griff ich zur Sojamilch. Zum Glück hatte ich letztens welche gekauft, weil Lizz Muffins damit backen wollte. Die haben leider gar nicht geschmeckt, aber vielleicht lag das weniger an der Milch als daran, dass wir beide keine Backtalente waren.

Ich schüttete mir etwas Milch über meine Cornflakes und setzte mich an den runden Küchentisch, der mitten im Raum stand.

Als ich gerade am Essen war, kam Dad herein.

»Na, ausgeschlafen?«, fragte er grinsend.

»Na ja, ich finde die Schule könnte häufiger freitags frei machen.«

Dad öffnete den Kühlschrank und hatte sich mit der Sojamilch in der Hand zu mir gedreht.

»Hast du davon was genommen?«, er versuchte einen strengen Gesichtsausdruck zu machen.

Mein Löffel blieb auf halbem Wege zum Mund in der Luft. Ich setzte ihn ab.

»Äh ja. Warum?«

»Ich wollte heute ein Dessert machen und dazu brauche ich sie«, er seufzte.

»Tut mir leid, dass wusste ich nicht. Aber wir hatten keine Milch mehr. Soll ich sonst nochmal einkaufen gehen?«, versuchte ich mich aus der Affäre zu ziehen.

»Nein, schon gut, ich wollte sowieso noch zur Post, dann kann ich auch gleich einkaufen gehen.«

Er fing an sich Spiegeleier zu machen und fragte, ob ich auch welche wollte. Aber ich verneinte, da ich schon satt war.

Nach dem Abräumen ging ich in mein Zimmer und schaute auf mein Handy. Keine Nachricht von Ally, vermutlich schlief sie noch. Also machte ich mich daran mein Zimmer aufzuräumen.

Nach einer Stunde hatte ich das Gefühl genug getan zu haben. Mein Klamottenberg war verschwunden und auch meine Schulsachen hatte ich geordnet. Also dachte ich, dass ich im Wald spazieren gehen könnte. Ich zog mich um, steckte mein Handy, etwas Geld und den Haustürschlüssel ein, schrieb meinem Vater eine Notiz, dass ich spazieren war und eventuell noch zu Ally gehen würde und erst am Abend wieder zu Hause wäre und legte ihn auf den Küchentisch.

Dann schlüpfte ich in meine Sneaker und ging vor die Tür.

Erstaunlich war, wie leer es um diese Tageszeit auf den Straßen war.

Ich steckte mir die Kopfhörer in die Ohren und schlug den Weg zum Wald ein.

Je tiefer ich ging, desto ruhiger und dunkler wurde es, aber ich genoss die Stille.

Die Blätter schillerten schon in allen möglichen Farben, von braun bis rot, sogar noch leichte Grüntöne ließen sich finden. Hier und da hörte ich das Zwitschern der Vögel und sah ein Eichhörnchen von Ast zu Ast hopsen.

Wie schön es doch in Silden sein kann, dachte ich.

Dennoch dachte ich an meine alten Schulfreunde. Was sie wohl gerade machten? Schließlich war das nun schon mehr als sechs Jahre her. Auch wenn ich manchmal Trina, meine beste Freundin aus Kindertagen vermisste, hatte sich der Kontakt irgendwann verlaufen. Bei Facebook sah ich nur manchmal auf welcher Party sie sich gerade rumtrieb und ich fragte mich, ob auch ich mich wohl verändert hatte.

Engelsruf Dämonen der Nacht [Rohfassung]Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt