Die Erschütterung

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Als ich aufwachte, brannten meine Augen, als hätte ich sie die ganze Nacht lang aufgehabt.

Schnell suchte ich meine Sachen zusammen, denn der Traum hatte mir gezeigt, dass ich meine Großmutter besuchen musste, um etwas herauszufinden. Zum Glück oder eher leider fiel die Schule durch den Vorfall aus, sodass ich genügend Zeit hatte.

»Wo willst du hin?«, fragte Dad mich am Küchentisch.

»Grandma besuchen.«

»Oh«, antwortete er nur.

»Ich esse unterwegs was«, sagte ich und floh schon zur Tür hinaus.

Ich hatte es so eilig hinzukommen, dass ich erst auf halbem Weg bemerkte, dass es mit dem Fahrrad schneller gewesen wäre. In der Zwischenzeit musste Dad es bestimmt repariert haben. Da nun keine Zeit mehr war umzudrehen, ging ich einfach weiter. Am Altenheim angekommen, meldete ich mich am Empfang.

»Hallo, ich wollte zu Frau Ankelman.« Die Frau am Tresen schaute nur kurz in ihre Unterlagen und schickte mich durch. »Sie hat gerade gefrühstückt, sie können auf ihr Zimmer gehen.«

Ich bedankte mich und kramte die Zimmernummer aus meinem Gedächtnis. Leise klopfte ich an die Tür und trat ein. Meine Großmutter saß auf dem Bett dem Fenster zugewandt und starrte hinaus. Als sie die Tür hörte, drehte sie sich um und begann zu lächeln.

»Adara«, sagte sie. »Es ist einige Zeit her, seit du das letzte Mal hier warst.«

»Ja«, erwiderte ich und bekam schon wieder feuchte Augen.

Meiner Großmutter konnte man nichts vormachen, sie sah sofort, wenn etwas nicht stimmte. Also stand sie auf und drückte mich fest an sich.

»Grandma, ich kriege keine Luft«, versuchte ich rauszubringen. Sie lachte. »So, jetzt sagst du mir aber was los ist.« Sie zog mich sanft auf die Bettkante hinunter und ich begann zu erzählen.

»Dad hat dich bestimmt über die Explosion in meiner Schule informiert ... nun ja. Danach sind wir auf einen Ausflug in die Berge gefahren und anfangs war es auch ganz schön, doch es ist schon wieder etwas Schreckliches geschehen.« Die ganze Zeit hatte ich auf meine Hände geschaut, die sich nervös öffneten und schlossen, jetzt schaute ich meiner Großmutter in die Augen. Ein weißes Licht umgab ihre Gestalt und ihre braunen Augen wirkten so tief und verständnisvoll.

»Weißt du, wie ich mich gefühlt habe, als meine Tochter starb?« Sie nickte wie zur Bestätigung ihrer eigenen Worte. »Ja, du musst dich auch allein gelassen von der Welt gefühlt haben, schließlich war es auch für euch ein großer Verlust. Keine Mutter sollte ihr Kind überleben.« Sie seufzte. »Aber wenn es das Schicksal so vorgesehen hatte, sollte es wohl so sein.« Sie drückte meine zusammengefalteten Hände. »Ich sehe, dass dir etwas auf dem Herzen liegt. Und ich weiß, dass es etwas Schreckliches ist. Du zweifelst, oder?«

Meiner Großmutter konnte man gar nichts verheimlichen. Ich erzählte ihr daher von dem Tod zweier Mitschüler und wie hilflos ich mich dabei gefühlt hatte.

»Außerdem weiß ich nicht, was ich von David halten soll. Er hätte mich nicht aufhalten dürfen. Vielleicht...ich weiß nicht, ob er...« Ich zögerte.

»Er hatte bestimmt seine Gründe«, erwiderte Grandma.

»Ja, vielleicht«, murmelte ich und war in Gedanken versunken, als Grandma plötzlich aufstöhnte.

Ich griff nach ihr. »Grandma, was ist los?« Sie schrie, ich sprang auf. »Verdammt, wo ist denn der doofe Notrufknopf?« Ich suchte und suchte und Grandma verkrampfte sich noch mehr. Ich rannte zur Tür, riss sie auf und schrie »Hilfe« in den Flur herein, doch keine Reaktion. Ich drehte mich wieder zu meiner Großmutter um, sie wurde bleich. Ich hatte Angst sie allein zu lassen, also ging ich zu ihr und redete auf sie ein.

Engelsruf Dämonen der Nacht [Rohfassung]Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt