»Sag schon, wie geht es weiter?«
»Du musst jetzt schlafen, ich erzähle dir die Geschichte morgen weiter.«
»Aber, gibt es denn wirklich Engel?«
Meine kleine Schwester saß aufrecht im Bett, während ich ihr eine Gute-Nacht-Geschichte erzählte. Die Nachttischlampe neben dem Bett erleuchtete gerade so unsere Gesichter. Draußen schickte die Sonne gerade ihre letzten Strahlen zur Erde, bevor sie der Schwärze Platz machte.
Hier drinnen, im kargen, aber dennoch plüschig eingerichtetem Zimmer war es dank der zugezogenen Gardine schon dunkler. Genauso wie die Themen meiner Gute-Nacht-Geschichten. Vielleicht waren die Themen Tod und Engel nicht das allerbeste Märchen für eine Achtjährige. Aber unser Leben war von Schicksalsschlägen so geprägt, dass mir dies als angenehmere Variante vorkam.
Ob ich an Engel glaubte? Nein, aber zu diesem Zeitpunkt wusste ich auch noch nicht was mit mir geschehen würde. Die Geschichten, die ich träumte und dann Lizz erzählte, sollten mich aber noch warnen.
»Glaubst du denn an Engel?«, fragte ich Lizz.
»Ich weiß nicht... wie konnten die Engel zulassen, dass Mom starb? Wenn es wirklich Engel gibt, sollten sie uns dann nicht vor allem Bösen beschützen?«
Darauf wusste ich wie immer keine Antwort. Viel zu oft kamen wir an diesen Punkt und meine Schwester war viel zu schlau, als dass ich ihr irgendwelche Floskeln erzählen konnte.
»Du weißt, es ist egal woran der Mensch glaubt, Hauptsache er verliert die Hoffnung nicht.« Ich schlang meine Arme um sie. »Ich kann dir keine Antwort darauf geben, ob es Schutzengel gibt oder warum Mom sterben musste. Diese Frage musst du dir selbst beantworten oder an etwas glauben, was wir nicht verstehen«, versuchte ich es dennoch zu erklären.
»Aber wenn es Schutzengel gibt, dann müsste es auch Dämonen geben. Vielleicht...«, parierte sie.
»Du musst wirklich aufhören, so viele Fantasy-Bücher zu lesen«, seufzte ich.
Ich warf einen Blick auf ihren Nachttisch, wo sich neben der Bibel, welche wir zur Beerdigung bekommen hatten, auch noch »Twilight«, »Engelnacht«, »Warrior Cats« und ein Wecker im Fledermausstil türmten.
»Weißt du, in den Büchern wimmelt es nur so vor Unheil, aber dennoch gewinnen die Helden immer. Ich wünschte mir einfach, dass es bei uns genauso wäre«, flüsterte sie.
»Du hast doch mich, ich werde nicht zulassen, dass dir etwas geschieht.«
Ich drückte sie noch einmal fest an mich. Doch plötzlich riss Lizz sich aus meinen Armen und funkelte mich an: »Du spielst dich auf wie unsere Mom, dabei bist du nicht sie. Ich will meine Schwester zurück, mit der ich rumalbern konnte. Nicht eine, die auf mich aufpasst. Außerdem will ich wieder einen Vater haben, der sich um uns kümmert und da ist, wenn man ihn braucht.«
»Lizz, du weißt ganz genau, dass ich alles getan habe, damit du es besser hast als ich und du weißt auch, dass Dad arbeiten muss, damit es uns an nichts fehlt«, nun schrie auch ich fast.
Nach diesem Ausbruch plagte mich mein schlechtes Gewissen, dennoch konnte ich es einfach nicht ertragen, wie Lizz noch in der Vergangenheit lebte.
Etwas versöhnlicher fügte ich hinzu: »Geh jetzt schlafen, ich habe morgen einen langen Tag. Vergiss deine Sachen für die Klassenfahrt nicht.«
Sie nickte nur und drehte sich zum Schlafen um. Ihren Rücken betrachtend, seufzte ich leise, schaltete das Licht aus und verließ auf leisen Sohlen das Zimmer.
In meinem Zimmer, welches direkt gegenüber lag, begann ich nochmal meine Hausarbeit für die Schule durchzugehen, bevor Dad von seiner Nachtschicht nach Hause kommen würde.
Irgendwann jedoch wurde ich so müde, dass mir nach und nach die Augen zufielen und mein Kopf auf den Schreibtisch sank. Dabei träumte ich von bernsteinfarbenen Augen, die mich anlächelten.
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Engelsruf Dämonen der Nacht [Rohfassung]
FantasíaWas passiert, wenn man seinen Schutzengel wütend macht? War dann alles verloren? Adara wohnt seit dem Tod ihrer Mutter mit ihrer kleinen Schwester und ihrem Vater in Deutschland und besucht dort die Oberstufe. Plötzlich trifft sie auf dem Weg zur Sc...
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