Der Morgen begann wie immer: stressig
Ich stand in der Küche und versuchte gleichzeitig meine Notizen für die Uni durchzugehen und mir einen Kaffee hinunterzuschütten, um wenigstens etwas wacher zu werden. Ich hätte gestern einfach nicht mehr so lange Netflix schauen dürfen, doch wenn mich einmal eine Serie überzeugt, mutierte ich wirklich zum Suchti und konnte nicht aufhören weiterzuschauen.
Irgendwann bin ich dann wohl aber doch eingeschlafen und hatte zu meinem Übel auch noch vergessen mir den Wecker für heute morgen zu stellen. So kommt es dazu, dass ich wohl (mal wieder) spät dran bin.
Das „Zu-spät-komm-Gen" hatte ich schon seit meiner Schulzeit und wurde es einfach nicht los. In Gedanken versunken und mit der aufgekommenen Hektik verschüttete ich nun auch noch meinen heißen Kaffee auf meine weiße Bluse und kann ein gemurmeltes „Scheiße" einfach nicht mehr unterdrücken.
Ein Blick auf die Uhr versetzt mich allerdings zurück in die Wirklichkeit. „Jetzt aber schnell" sage ich zu mir selbst und renne in mein Zimmer nebenan um mir einfach schnell ein luftiges Sommerkleid überzuwerfen. Eigentlich liebte ich den Sommer, doch zur Zeit konnte man die Temperaturen wirklich nur noch in klimatisierten Räumen (ein Luxus den meine Dachgeschosswohnung nicht besaß), luftiger Kleidung und viel Eis bewältigen.
Meine Liebe zum Eis, machte die Hitze allerdings wirklich erträglicher und so kam es, dass meine Mitbewohnerin Theresa und ich immer ein gut gefülltes Kühlfach hatten. Apropos Theresa, die ist nämlich nicht nur meine Mitbewohnerin, sondern auch meine beste Freundin, seitdem ich denken kann. Kennengelernt haben wir uns schon am 2. Schultag der 5.Klasse im Gymnasium und seitdem konnte uns nichts mehr trennen.
Doch so gerne ich auch an die vielen gemeinsamen Erlebnisse zurückdenke, ich muss wirklich los!
Also schnell Sandalen an und schon rannte ich die vielen Treppen hinunter und schnappte mir noch schnell mein Fahrrad.
Während ich so durch die Straßen Münchens zur Uni fuhr, dachte ich darüber nach, wie gerne ich meine Eltern mal wieder besuchen würde.
Ich lebe jetzt schon seit zwei Jahre in München und studiere seitdem endlich meinen Wunschberuf: Zahnmedizin.
Fragt mich nicht warum, aber irgendwie war das schon immer mein kleiner Wunsch. Meine Freunde hatten mich früher immer liebevoll damit aufgezogen, dass es mein Wunsch war irgendwann mal in die Münder der Menschen zu schauen. Doch je älter wir wurden, desto mehr begannen auch sie meinen Wunsch zu verstehen. Leider wurde ich nicht gleich hier in München an der Uni angenommen, sondern war auf der Warteliste, weswegen ich erstmal ein Jahr in meiner Heimatstadt Passau blieb und dort (gezwungenermaßen) erst einmal Jura studierte (was nicht wirklich meins war) und nebenher in einem kleinen Café als Barista jobbte.
Auch hier in München hatte ich mir gleich am Anfang einen netten Minijob als Barista in einem Café gesucht. Irgendwie hatte ich das Kaffee machen mit der Zeit einfach ins Herz geschlossen und auch über das gute Trinkgeld freute sich doch jeder Student.
Ich beobachtete grade ein paar kleine spielende Kinder auf der Wiese und musste lächelnd daran denken, wie schön die Zeit als Kind doch war. Meine Freunde und ich hatten wirklich tolle Zeiten gemeinsam verbracht.
Oft vermisste ich das, denn dank dem Studium haben wir uns alle etwas in Deutschland verteilt. Nur Theresa war mir von meiner alten Schulclique noch hier in München geblieben. Natürlich habe ich hier in den zwei Jahren schon viele tolle Leute kennengelernt und kann wirklich sagen, dass auch mein Freundeskreis hier wirklich klasse ist. Doch meine Schulfreunde bleiben einfach etwas Besonderes. Den Kontakt pflegen wir aber alle und treffen uns so oft es eben geht.
Einmal im Jahr verreisen wir sechs sogar immer gemeinsam im Sommer und lassen es uns richtig gut gehen. Darauf freue ich mich auch jetzt schon richtig, da die Semesterferien bevorstehen und es somit auf nach Ibiza geht.
Ganz in meinen Gedanken und Erinnerungen versunken hätte ich den jungen Mann der neben mir ein lautes „Vorsicht" schrie fast gar nicht bemerkt. Grade noch rechtzeitig konnte ich mein Fahrrad auf den Bordstein reißen, um dem schwankenden LKW zu entgehen.
Schwer atmend stellte ich die Beine ab und lehnte mich ans Lenkrad.
„Alles ok bei dir?" kommt die Frage auf einmal von hinten. Immer noch etwas geschockt drehe ich mich zu ihm um. „Ja, ja ich denke schon. Ich glaube das ist gerade nochmal gutgegangen. Danke für die Warnung!"antwortete ich ihm.
„Kein Problem. Ich hab nur gesehen wie der LKW auf einmal zu schwanken begonnen hat und da hab ich wohl schon wie von selbst gerufen" meinte er mit einem Lächeln.
Erst jetzt begann ich den jungen Mann vor mir zu mustern und stellte fast schon etwas überrascht fest, wie attraktiv er war. Er war etwas älter als ich. Vielleicht zwei bis drei Jahre. Groß, sicher um die 1,90 cm, mit brauen kurzen Locken, grünen Augen und einem ansteckenden Lächeln. Außerdem fiel mir auf, wie sportlich er aussah als ich den Blick kurz über ihn schweifen ließ. Er bemerkte meinen Blick, lächelte aber nur und fast sofort war mir das Mustern total peinlich und eine leichte Röte kroch in meine Wangen. Toll, das Rouge hätte ich mir sparen können. Wahrscheinlich sah ich aus wie eine gehetzte rote Tomate. Sehr hübsch.
Um die aufkommende peinliche Stille zu überspielen antwortete ich also schnell „Na dann hatte ich wohl noch Glück, dass deine Instinkte so gut waren. Also echt nochmal danke. Ohne die Warnung hätte ich wohl genauso geendet wie die zerquetschte Pommes an der ich vorher vorbei gefahren bin."
Kurz lachte er auf. Er hat ein schönes Lachen. Richtig ansteckend. „Dann war es wohl wirklich gut, dass ich da war, denn alles andere wäre wirklich zu schade gewesen." meinte er mit einem frechen Zwinkern.
Sag mal flirtete er mit mir? Nein oder? Bestimmt nicht!
So schnell wie der Moment gekommen war verflog er auch wieder, als ich einen Blick auf die Kirchenuhr hinter ihm warf.
„Oh nein. Tut mir echt leid, aber ich muss wirklich dringend los. Ich bin jetzt schon viel zu spät für die Vorlesung!"
„Kein Problem. Ich bin auch schon langsam etwas spät dran. Komm nur gut an" erwähnte er schmunzelnd.
„Ich fahre vorsichtiger" erwiderte ich lächelnd und mit einem „Man sieht sich" schwang er sich wieder aufs Rad.
„Schön wär's" dachte ich mir im Stillen, während ich mich winkend verabschiedete und wir beide in unterschiedliche Richtungen weiterfuhren.
Von hier aus waren es nur noch ein paar Minuten zur Uni, und auch wenn ich ihm grade noch versprochen hatte vorsichtiger zu fahren, schweiften meine Gedanken mal wieder ab.
Dieses Mal aber zu meinem Retter. Und als ich in der Uni angekommen war und die Gänge entlang hechtete fiel mir auf, dass ich noch nicht mal seinen Namen kannte.
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Manchmal soll es wohl einfach so sein...
DragosteKathi ist eine ganz normale Studentin. Ihr Leben unterscheidet sich also nicht wirklich von denen anderer junger Erwachsener: etwas reisen wenn es das Budget zulässt, sich mit Freunden treffen, ein wenig feiern gehen und dabei studieren. Doch durch...
