6.Kapitel

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Die Tage im Urlaub verfliegen immer wie im Flug.

Wer kennt das nicht? Wenn Prüfungen und Unitage anstehen kann man gefühlt jede Minute mitzählen, doch kaum ist man am Meer, scheinen die 24 Stunden des Tages auf einmal anders zu verstreichen.

Gestern waren wir etwas in der nächstgelegenen größeren Stadt und sind dort etwas shoppen gegangen.

Wer kennt es nicht, Frauen und die Mode.

Die Läden waren klein und überschaubar, doch überall war etwas Besonderes zu entdecken. Außerdem waren die Menschen hier einfach so nett und offen, egal wo man hinging.

Eine ältere Dame, die vor ihrem Geschäft saß und strickte, hatte uns sogar auf eine Tasse Tee eingeladen. Die Kommunikation war zwar anfangs etwas schwierig, aber irgendwie ging es dann doch.

Ich finde das schönste an diesen Gesprächen ist es, zu sehen, wie jeder Mensch etwas anderes erlebt und sein Leben lebt. Wir leben alle auf der gleichen Welt miteinander und laufen an den Straßen aneinander vorbei, doch wissen, tun wir wenig über unsere Mitmenschen.

Geschichten vom anderen erzählt zu bekommen liebe ich deswegen immer besonders.

Der Rest des Tages verging schnell. Wir hüpften noch eine Runde ins Meer und genossen dann ein leckeres Abendessen im Restaurant ganz in der Nähe.

Je mehr Stunden vergangen, desto aufgeregter wurde ich langsam.

Ich wollte es mir zwar nicht eingestehen, aber der Grund für meine Nervosität waren wohl leuchtende, grüne Augen und Wuschelhaare.

Doch auch Tessa merkte man die Vorfreude so langsam an. Wir hatten uns am Morgen gemeinsam in ihr Bett gekuschelt und sie hatte mir von ihrem restlichen Abend mit Marius erzählt.

Zugegebenermaßen war ich extrem neugierig.

Die beiden waren auch noch spazieren gegangen und wollten sich gar nicht mehr verabschieden. Sie saßen bis in die tiefe Nacht hinein gemeinsam am Strand. Als ihr kalt geworden war, hatten sie sich etwas angenähert und gekuschelt. Zum Kuss sei es aber nicht gekommen meinte sie.

Auf meine Frage, ob sie es denn gewollt hätte meinte sie nur locker

„Ach Kathi, mit dem hätte ich noch ganz andere Dinge gewollt."

Daraufhin mussten wir natürlich loskichern wie kleine Mädchen.

„Vermisst du es?" fragte sie mich.

Fragend schaute ich sie an, woraufhin sie genauer wurde

„Den Sex?"

Augenblicklich wurde ich natürlich rot wie eine Tomate.

Es war nicht so, als hätte ich damit keine Erfahrung. Schließlich war ich vier Jahre in einer Beziehung und auch danach gab es durchaus den ein oder anderen Flirt.

Nicht viele. Das war nie mein Ding, doch auch ich wollte mich etwas ausprobieren.

Ich war und bin jung und wollte einfach wissen, wie es mit jemand anderem war.

Wenn ich es mir selber eingestehe, dann war aber wahrscheinlich auch einer der Gründe, dass ich einfach etwas über Thilo hinwegkommen wollte.

Doch relativ schnell hab ich bemerkt, dass das nicht wirklich was für mich war.

Ich brauchte Gefühle, um mich wirklich fallen lassen zu können. Und natürlich auch ein Maß an Vertrauen.

Es war auch nicht so, als hätten meine Freundinnen und ich noch nie darüber geredet.

Ich meine ich wohne ja auch schließlich mit Tessa zusammen. Da bekam man schon mal das ein oder andere mit, ob man wollte oder nicht.

Doch irgendwie machten mich solche Themen immer ein klein wenig nervös.

„Ich weiß nicht" antwortete ich deswegen auf ihre Frage.

„Wie du weißt nicht?" fragte sie etwas irritiert nach.

„Naja, der Sex an sich fehlt mir irgendwo schon. Aber viel mehr fehlt es mir, jemanden in diesen Hinsichten komplett zu vertrauen. Ich finde guter Sex beginnt schon bei den Blicken währenddessen."

„Ich weiß was du meinst..." gab Tessa mir recht und fuhr dann fort

„ich glaube bei der Zeit nach unseren letzten Beziehungen haben wir das beide gemerkt."

„Das stimmt. Aber ehrlich gesagt musste ich das auch merken." gestand ich.

„Manchmal muss man wohl ein paar Erfahrungen machen." meinte sie.

„Fehlt es dir?" fragte ich sie ihre eigene Frage.

„Klar. Irgendwo schon. Aber ich finde, dass du Recht hast. Ich vermisse es, jemandem so nahe zu sein. Aber trotzdem möchte ich nichts Halbes mehr. Was ich nämlich auch ich mehr vermisse, ist die emotionale Nähe. Wenn man sich vertraut und emotional auf dem nächstem Level ist, hört man auf miteinander zu schlafen, und fängt an sich wirklich zu lieben. Das ist es, was guten Sex für mich ausmacht."

„Wow, weiße Worte." gab ich nachdenklich zurück.

„Kannst du dir vorstellen, mit Marius auf ebendiese Ebene zu kommen?" fragte ich.

„Ich weiß es nicht. Das wird die Zeit zeigen. Ich mag ihn. Das weiß ich schon mal. Und wer weiß, vielleicht soll es mit uns beiden einfach sein." meinte sie. „vielleicht ist es zu früh sich diese Fragen zu stellen. Was sagt dein Gefühl bei Leon?" fragte sie nach.

„Ich mag ihn auch. Aber ich weiß ja noch nicht mal, ob er mich auch mag. Und selbst wenn, vielleicht sieht er das Ganze nur als so einen kleinen Urlaubsflirt. Du weißt schon, nach dem Motto 'Was im Urlaub geschieht, bleibt auch im Urlaub'. Mal sehen, wie das weitergeht. Vielleicht freunden wir uns ja auch einfach nur an. Manchmal funktioniert man als Freunde besser, wie als Paar. Mal sehen, wie das Ganze in München weitergeht.

Wenn es sein soll, dann kommt alles von selbst."

„Ja, das stimmt. Lassen wir es einfach auf uns zukommen. Wenn es sein soll, wird es sein."


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Jeder Autor freut sich über Kommentare ;-) 

(auch bei kurzen Kapiteln...)

Manchmal soll es wohl einfach so sein...Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt