Part 13

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Ihr wird schlecht, sie blickt sofort wieder auf das Werkzeug in ihrer Hand und sie weiß garnicht was genau sie damit eigentlich noch machen soll. In ihrem Kopf heißt es nur: bitte nicht, bitte nicht, bitte nicht! Im gleichen, rasenden Takt wie ihr Herzschlag „Heey was machst du denn hier?" begrüßt sie Mareks Stimme überrascht, sie schaut hoch, denn er steht direkt vor ihr und wie automatisch wirft sie auch Juri einen Blick zu der so tut, als würde er was auf seinem Handy machen müssen. Jedenfalls geht sie davon aus, dass er nur so tut. Wie lächerlich denkt sie sich. „Wonach sieht's denn aus? Ich arbeite.." sagt sie als wäre es das normalste der Welt und wendet sich wieder dem Putzen zu. „Was ist mit deinem Auge? Hast du eins aufs Maul bekommen?" lacht Marek, verdammt, das mit dem Auge hatte sie mehr oder weniger verdrängt „Ach das, ne das.. das war aus Versehen. Hab Mayas Ellbogen ins Gesicht bekommen, das war alles." lügt sie ohne aufzublicken, sie kann ihnen nicht erzählen was passiert ist. Ihr war die ganze Sache einfach zu unangenehm und außerdem wollte sie Juri garnichts mehr erklären, auch wenn er so wirkte als würde ihn das alles garnicht interessieren. „Maya? Die vom Wochenende oder? Wo warst du eigentlich Samstag plötzlich hin? Sie ist noch da geblieben" fragt Marek mit einem Grinsen nach, sie blickt ihn an und merkt das nun auch Juri von seinem Handy aufsieht. Ist das Mareks ernst? Er weiß ganz genau dass sie nach Juri gefragt hat und muss genau ihr Treffen von Samstag, vor ihm ansprechen! Nicht dass er Juri sonst was von ihr erzählt hat und denkt sie wäre irgendwie besessen von ihm. Was sie nicht ist! Wenn dann nur ein bisschen und das hat ihn dann wohl auch nichts anzugehen. „Ja ich hab mich noch mit jemand anderem getroffen" sagt sie nebensächlich, Juri soll nicht merken dass sie nur ihn im Kopf hat „was macht ihr hier?" wechselt sie das Thema so schnell es geht, bevor er weiter Fragen über ihr Wochenende stellt „Wir sind einfach nur bisschen geschäftlich unterwegs, weißt du? Dima hat echt viel zu tun für uns, gerade fängt alles an.." fängt Marek an zu erzählen, es war leicht seinem Gerede nicht richtig zuzuhören. Schon auf der Hochzeit, bei der sie zusammen tranken, redete er viel mit einem selbstgefälligem und angeberischem Ton. Marek war ein lustiger Kerl, aber er wurde immer mehr zu einem Möchtegern, der sich auf der Bekanntheit seines Cousins ausruhte. Ob sie auch so großkotzig rumprahlen würde, wäre sie Bastis kleiner Bruder? Sie glaubt nicht. Marek jedoch hörte garnicht mehr auf zu quatschten, sie tat so als würde sie ihm auch zuhören doch Juri zog ihren Blick regelrecht an. Sie wollte es nicht, sie wollte dass er merkt, dass sie ihn nicht wollte. Aber sie musste ihn einfach ansehen. Er schien ihren Blicken eher auszuweichen, er hatte was kühles an sich, als wären sie sich vorher nie begegnet. Erst nach einer Weile begreift sie das und ihr Herz scheint regelrecht zu brechen. Bei welchem Teil Mareks Geschichte gerade ist weiß sie nicht, trotzdem lacht sie und sagt ein einfaches „ist ja krass" Juri verwirrt sie und das schlimmste ist, dass es mehr weh tut als sie befürchtet hat. Sie haben doch vorher schon geredet, das hat sie sich doch nicht eingebildet, dass da was war. Wie kann er es wagen, so zu tun als würde er sie nicht kennen, was hat sie falsch gemacht?? Das „Gespräch" zwischen ihr und Marek geht einseitig weiter und ihre Stimmung fällt indessen immer mehr, bis endlich Dima wieder auf den Platz tritt. Er pfeift die beiden jungen Männer zu sich und winkt Dana kurz zur Begrüßung zu, sie winkt zurück. Dima war eine einschüchternde Gestalt, aber immerhin begrüßte er sie. Nicht so wie das Arschloch Juri. „Mach's gut, blondinka" verabschiedet sich Marek knapp, mit einem weiteren Grinsen „Bye" sagt sie und widmet sich wieder ihrer Arbeit, um bloß kein Interesse Juri gegenüber zu zeigen. „Bis dann" hört sie ihn sagen, nachdem Marek schon auf halben Wege bei Dimas Auto ist. Ihre Kehle schnürt sich zu, als sie aufblickt sieht sie nur seinen Rücken und wie er zu den anderen geht. BIS DANN?! Was sollte das denn heißen?! Wie konnte er die ganze Zeit kein Wort verlieren, aber das war drin? Ist ja nicht so, dass sie mehr mit ihm geredet hat aber sie hat ihn schließlich auch nicht versetzt! Sie bemerkt, dass ihr Blick gerade wohl zu lange auf Juri liegt, als sie sich aus ihren Gedanken befreit und sie wie automatisch zu Basti sieht. Er steht angelehnt in dem Rahmen der Bürotür und beobachtet sie. Verwirrt mustert sie ihn und tut wieder so als hätte sie die ganze Zeit nichts gemacht als Ihre Arbeit zu verrichten. Basti macht sich eine Zigarette an und wartet bis Dima vom Platz gefahren ist. Dann geht er zu ihr rüber, er wollte ohnehin eine kleine Pause machen, nachdem er etwas Entscheidendes mit Dima geklärt hatte. Dana hört seine Schritte vor dem Tisch halten, auf den sie das gesäuberte Werkzeug ablegt. Er hebt eins an und betrachtet es „Du machst das gut" lobt er sie erstaunt über ihre Sorgfalt „Wieso müssen die überhaupt sauber sein? Die werden doch eh wieder benutzt" merkt sie trotzig an, obwohl sie das Kompliment schon ein wenig gefreut hat. Schließlich gibt sie sich auch wirklich Mühe, aber auch nur weil es ihr Spaß macht. Basti zuckt mit den Schultern „Es gibt viele Gründe, warum man das öfter machen sollte. Aber das hier will ich einfach wieder verkaufen. Ich hab viel besseres fast für umsonst bekommen." erklärt er und zieht an seiner Zigarette, während er seinen Blick über den Tisch streichen lässt „und wie viel krieg ich vom Gewinn?" fragt sie, Basti lacht und sieht sie an „Dein Gewinn isses, dass du nicht um 8 ins Bett musst" sagt er simpel, sie stöhnt genervt und verdreht die Augen. „Was wollten die gerade eben von dir?" fragt er sie dann nach einer kleinen Pause und wirft einen kurzen Blick auf seine Uhr. „Wer? Marek?" Er ist Dimas Cousin, wieso sollte sie nicht mit ihm reden dürfen? „Und Juri" bestätigt er mit ernster Miene, verwirrt sieht sie ihn an „Nichts, nur Hallo gesagt. Und halt sein typisches Gequatsche" äußert sie sich verunsichert „Was für ein Gequatsche?" hakt Basti nach, verwundert hält sie einen Moment inne „Keine Ahnung, dass er mit Dima unterwegs ist um Geld zu verdienen und krasse Autos zu fahren oder so. Was weiß ich, der redet doch immer so viel. Du kennst ihn doch." nimmt sie Marek vor der plötzlichen Skepsis ihres Bruders in Schutz „Ja klar, nur ist er keine 15 mehr und sollte jemand anderes vollquatschten" hält er dagegen, Basti überkommt kein gutes Gefühl bei der Sache, dass sich Dana womöglich mit Marek anfreunden könnte „Genauso wie Jan und bei dem ist das auch in Ordnung" äußert sie sich als gerade dieser auf den Platz gefahren kommt und sie müssen beide ein wenig lachen. „Ja, weil ich Jan vertrauen kann" wendet er sich wieder dem Thema zu „und Marek nicht oder wie?" fragt sie lachend nach, denn sie kann ihn gerade nicht ernst nehmen. Sie kennen Marek schließlich auch schon seit ein paar Jahren, außerdem gehört er zu Dimas Familie. Auch wenn sie selber nicht viel über ihn weiß, weiß sie dass er ein wichtiger Bestandteil von dem Leben ihres Bruders ist. Wieso konnte man ihm nicht trauen? „Ich weiß es noch nicht" entgegnet er ihr nichtssagend und dreht sich zu Jan der gerade auf die beiden zu geht „Uuund? Wie war's?" Fragt er sie aus seiner, anscheinend niemals endenden, guten Laune heraus. Sie seufzt und beginnt einen Schraubenschlüssel zu polieren
„Tja, beschissen. Ich muss jetzt für immer Drecksarbeit verrichten." sagt sie wehleidig und deutet mit ihrem Blick auf das polierte Werkzeug „Hoffentlich nicht.. sonst schlägst du mich auch noch" scherzt Jan mit einem Lachen, zu früh wie sie findet „Oh ha ha" entgegnet sie ihm wütend „Ach und das ist in Ordnung?" fährt sie nun auch ihren grinsenden Bruder an „Nein, natürlich nicht" lacht er sarkastisch „Komm, ich muss dir was zeigen" fordert er Jan auf, sich wieder um die Arbeit zu kümmern „Das blaue Auge sieht übrigens cool aus" ruft er ihr noch zu als er mit ihrem Bruder hinter die Werkstatt geht. Mehr als einen abwertenden Blick kann sie ihm nicht geben, als sie aus der Sichtweite sind tastet sie ihre geschwollene Haut unter ihrem Auge ab. Sie muss morgen unbedingt so viel Concealer wie möglich drauf packen, was sie heute natürlich nicht gemacht hat, da Bati ja meinte dass das besser für das Gespräch in der Schule ist. Er hatte anscheinend recht. Ob Juri wohl die Geschichte mit Mayas Ellbogen geglaubt hat? Als sie die erzählte hatte sie nicht mal das Gefühl, dass er ihr überhaupt zuhören würde. Aber er hat sich doch verabschiedet, er ist sogar etwas länger vor ihr stehen geblieben, er muss ihr zugehört haben. Sie ist wieder in ihrem eigenen kleinen Karussell gefangen.

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