Eiligen Schrittes bewegte Cedric sich durch die Gassen des Dorfes und mied die Blicke der Bewohner mit grimmigen Gesichtsausdruck. Er wollte bloß so schnell es ging zu Tonys Hof.
Kurz warf er einen Blick auf sein Telefon. Er hatte Allan in einer Nachricht gebeten, sich zu melden, wenn er wieder da war, doch er hatte es für unwahrscheinlich gehalten, dass dies passieren würde. Einen Versuch war es allerdings wert gewesen. Seufzend steckte er es zurück in seine Tasche. Mittlerweile war es früher Nachmittag, und er machte sich immer mehr Sorgen um Allan. Automatisch beschleunigten sich seine Schritte. Er musste sich beeilen.
„Sheriff!"
Oh nein. Diese Stimme.
Beherrscht ballte Cedric die Hände zu Fäusten und blieb stehen. Weglaufen brachte ohnehin nichts. „Nolan", knurrte er abwartend.
Die Dame mit den schwarzen Haaren tauchte neben ihm auf und lächelte ihn unschuldig an. „Mr. Lahey, wie geht es Ihnen?", fragte sie süß wie Zucker, dass Cedric einen Würgereiz unterdrücken musste.
„Das geht Sie nichts an", entgegnete er und musterte sie scharf. „Wenn Sie mich nun entschuldigen würden, ich habe keine Zeit zum plaudern, ich muss arbeiten."
„Was ist denn mit Ihrem Hilfssheriff, Mr. Lahey?", fragte Nolan leicht grinsend, „Kann der nicht an Ihrer statt arbeiten?"
Nun musste Cedric tatsächlich die Galle, die in ihm hochstieg, herunterschlucken. „Kann er nicht", antwortete er, um Ruhe bemüht, während er stur an Nolan vorbeistarrte, in der Hoffnung, dass es ihm half, bei ihrer Visage kein Gesetz gegen Körperverletzung zu brechen.
„Ach? Was ist denn mit ihm?", stocherte Nolan weiter herum. „Wie hieß er noch gleich? Dearing, richtig? Man sieht ihn ja kaum auf den Straßen."
„Er hat viel mit Büroarbeit zu tun", erwiderte Cedric misstrauisch. Er starrte noch immer an ihr vorbei und entdeckte dabei eine kleine bekannte Gestalt. War das nicht Matthew? Vielleicht konnte er ihn ja aus seiner misslichen Situation retten, er wollte doch ohnehin zu Tony. Hoffentlich bemerkte Matty ihn, bevor Nolan ihn noch weiter provozierte. Was bezweckte diese Frau überhaupt damit, ihn so zu durchlöchern? Hatte sie etwas herausgefunden und war nun eifersüchtig darauf, dass Allan eine Chance bei ihm hatte, sie aber nicht? Vorstellen konnte er es sich.
„Wie ist der Mann so, Sheriff?", fragte Nolan weiter, dieses Mal mit einer dicken Spur Gehässigkeit in der Stimme. Er wandte den Blick von Matthew ab, welcher ihn wohl endlich bemerkt hatte und nun auf sie zukam, und blickte stattdessen Nolan direkt an. In der Spiegelung ihrer Augen konnte er sehen, wie tot sein Gesichtsausdruck wirkte, und auch ihr schien ihre Konversation plötzlich nicht mehr zu behagen. „Was auch immer Sie wollen, geben Sie es auf, Miss Nolan", raunte er eindringlich. „Ihre Spielchen sind mir Leid. Suchen Sie sich jemand anderes aus, den Sie terrorisieren können."
Nolan öffnete protestierend den Mund, doch da kam Matthew schon angehopst. „Hallo Onkel Cedric!", rief er breit grinsend.
Cedric versteckte sein Schmunzeln nicht und nickte Nolan schauspielerisch freundlich zu. „Ihnen noch einen schönen Tag, Miss Nolan."
Der Mund der Dame öffnete und schloss sich mehrmals wie der eines Fisches, bevor sie verkniffen aufschnaubte, divarisch ihr Haar zurückwarf und auf dem Absatz umkehrte.
Grinsend wandte Cedric sich zu Matthew um.
„Die war aber nicht nett", bemerkte dieser skeptisch.
„Es ist auch keine nette Frau", lachte Cedric. „Halte dich bloß von solchen Furien fern, Matty."
Jener grinste ihn breit an und offenbarte dabei eine neue Zahnlücke. „Niemals! Ich werd einfach schwul wie du, Onkel Cedric."
Perplex rieb Cedric sich den Nacken und ließ ein leises Lachen hören. „Na dann." Kinder waren schon ein Träumchen.
„Hör mal, Matty", sagte er schließlich, „ich wollte gerade zu deinem Dad. Meinst du, ich darf dich nach Hause begleiten?"
„Woah", machte Matty und nickte sofort begeistert. Ohne große Umschweife griff er nach Cedrics Hand und zog ihn mit sich. „Du hättest Onkel Allan mitbringen sollen", rief er dabei, „und mich von der Schule abholen sollen, damit ich vor meinen Freunden hätte angeben können! Das wär soooo cool gewesen!"
Cedric grinste über die Worte des Kleinen, auch wenn sie ihm einen kleinen Stich versetzten. „Nächstes Mal", versprach er.
Tony schien gerade Unkraut zu jäten, als Cedric mit Matthew im Schlepptau auf das Grundstück zukam. Er hatte ihm irgendwann die Schultasche abgenommen, und dann hatte Matthew angefangen, schiefe Töne durch seine Zahnlücke zu pfeifen, welche er sich, wie er ohne Punkt und Komma erzählt hatte, er heute in der Schule zugezogen hatte, als er von einem Klassenkamerad geärgert und geschubst wurde. Und dann hatte Matty wohl damit geprahlt, dass seine Onkel die Sheriffs waren und seine Peiniger offensichtlich in die Flucht geschlagen.
Als Tony das Pfeifen hörte, schaute er auf und blickte den beiden überrascht, aber grinsend entgegen. „Wen haben wir denn da?", rief er ihnen zu.
Matthew ließ Cedrics Hand los und rannte durch das Tor in den Vorgarten zu seinem Vater. „Ich hab Onkel Cedric mitgebracht", rief er stolz, als wüsste Tony das nicht schon längst. Dieser schloss seinen Sohn fest in die Arme und nickte Cedric dankbar zu.
Langsam kam Cedric auf sie zu und nahm Mattys Rucksack von der Schulter. „Hey", sagte er leise zur Begrüßung.
„Hey", sagte auch Tony. Er musterte ihn prüfend, und Cedric musste kein Wort sagen, damit sein bester Freund wusste, dass er nicht grundlos hier war. Cedric war wirklich froh darüber, dass Tony ihn einfach so verstand.
„Hey Matty", sagte der Rotschopf schließlich zu seinem Sohn, „magst du weiter für mich Unkraut jäten, während Onkel Cedric und ich was besprechen?" Bei Mattys breitem Lächeln zur Antwort hob er nachdenklich eine Braue. „Und dann erzählst du mir später, warum du eine Zahnlücke hast."
Kleines Zwischenkapitel✌️
Hey Leute! Ich wollte euch kurz mitteilen, dass ich bald ein weiteres Buch veröffentlichen werde. Ich habe gerade erst angefangen und werde parallel zu Nur du zählst... Kapitel veröffentlichen.
Hier ein kleiner sneak peak zu dem Buch (TW: Su!z!d, Depressionen):
Wie ist das, die eigene, jüngere Cousine zu verlieren?
Rebekkah würde es als größten-Scheiß-ever bezeichnen. Zumindest kann sie so ausdrücken, wie sehr ihr das Ableben ihrer Cousine Zoë zu schaffen macht. Und wie unfair es ist, dass die dreizehnjährige es im Gegensatz zu ihr direkt beim ersten Mal mit dieser Selbstmord-Geschichte hingekriegt hatte.
Rebekkah hängt nämlich selbst schon seitdem sie zwölf ist, mit schweren Depressionen am Abgrund. Ihr einziger Halt war schon immer Zoë und deren unabhängige Akzeptanz von ihr. Und nun hatte Zoë sich einfach verpisst — und das, ohne Rebekkah mitzunehmen!
So steht Rebekkah also nur noch mit den Zehenspitzen am Rand, bereit, ihr Ableben mit einer doppelten Rückwärts-Salto-Schraube hinzulegen.
Doch dann ist es ihr doch zu blöd, der kleinen Streberin ins Jenseits zu folgen. Also entschließt sie sich, einen Schritt zurück zu gehen, und stattdessen die fünfzig Tage bis zu ihrem Geburtstag zu nutzen, um den Sinn ihres Lebens wiederzufinden. Und das macht sie ganz auf ihre rebellische Art: Kippe im Maul, Stinkefinger gereckt und ein liebevolles Fick Dich auf den Lippen.
Jeden Tag. Bis sie all ihre Dämonen durch hat.
Doch gelingt ihr das, ohne Zoë nachzumachen und ihr Ziel mit ihrem geliebten Mercedes Oldtimer zu erreichen?
Wenn ihr also Interesse an Rebekkahs unglaublich eigensatirischer, dunkler Geschichte habt und die nackte, hässliche Wahrheit von Depressionen im Kampf gegen sich selbst kennenlernen wollt: „50 Arten Fick Dich! zu sagen (und Rebekkahs Versuch, sich selbst zu retten)" wird heute oder die nächsten Tage auf meinem Account @knighttdreamer mit den ersten Kapiteln veröffentlicht!🥀🎗🦕
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Nur du zählst...
RomanceNachdem der Ex-Polizist Allan Dearing bei einem Einsatz schwer verletzt wird, verdammt ihn das Schicksal ins Büro. Und so wird er als Hilfssheriff in das kleine Dorf Josephina Hill versetzt. Doch dort wird ihm klar, dass sein Job ganz anders als ruh...
