04. 12. 2025
Liebe Leser:innen,
Bevor ihr dieses Buch lest, möchte ich mich nach langer Beendigung der Story melden, um etwas wichtiges dazu zu sagen.
Wie ihr in der Inhaltsbeschreibung sehen könnt, handelt es sich bei den Hauptcharakteren um Cedric und Allan, beide Cops, beide Queer. Und hier beginnt bereits das Problem, das sich mir noch nicht erschloss, als ich das Buch mit etwa 15/16 Jahren begann.
Kurz zum Hintergrund: Nur du zählst... basiert auf zwei Charakteren einer anderen Geschichte, die ich schon früher, als Kind, schrieb. Auch sie waren Polizisten, jedoch nicht Queer, und so wollte ich ihnen in einem anderen Leben eine Chance zusammen geben. Ich war etwa 11, als ich diese Geschichte schrieb und selbst noch nicht als Queer identifiziert oder geoutet. Ich beschäftigte mich auch nicht viel mit Politik.
Deshalb bin ich jetzt hier, Jahre später, denn in den letzten Jahren, in denen ich mich auch mit Aktivismus und Diskriminierung auseinandersetzte, realisierte ich, dass es eine kontroverse, unaufgeklärte Entscheidung war, zwei Schwule Charaktere zu erfinden, die beide Polizisten bzw. Sheriffs sind. Es war eine schwierige, schlussendlich beschämende Erkenntnis, deren gesamte Tragweite mir nur langsam bewusst wurde. Zuerst dachte ich, es sei schon okay, schließlich wollte ich Korruption und Polizeigewalt thematisieren, und kündigte an, Nur du zählst... zu überarbeiten, nachdem die Story schon lange veröffentlicht war und bereits viel mehr Aufmerksamkeit bekam, als ich mir je hätte erträumen können. Doch während ich so vor mich hin korrigierte, war da immer etwas in meinem Hinterkopf, das mich störte.
Es ist seltsam, dass mir so spät erst auffiel, warum diese Geschichte einen Haken hatte. Die Antwort lag bereits vor mir, doch ich sah sie nicht. Wie gesagt, es war beschämend, als ich sie endlich fand; dass es so lange dauerte.
Denn Queerness und Polizei sind zwei Dinge, die vom Grundsatz her nicht zusammenpassen.
Genauer gesagt Queere Rechte und das gesamte System hinter Vollstreckungsbeamt:innen, sprich vor allem Korruption und Polizeigewalt.
Warum? Wir begeben uns zurück in die Vergangenheit, ins Jahr 1969. Am Morgen des 28. Junis fanden die Stonewall Riots statt, ein fundamentaler Kampf Queerer Menschen gegen Polizeigewalt und die systematische Unterdrückung und Diskriminierung Queerer Menschen. Ein Stein, der fällt. Transfrauen, die an der Front stehen. Schwule und Lesben direkt daneben. Die Kink Community mit dabei. Die Stonewall Riots führen uns alle zu den Rechten, die wir in der Queeren Community heute haben und zu den immer noch nötigen Kämpfen gegen Homo- und Transphobie.
Was hat das mit meiner Geschichte zu tun?
Nun ja, ganz einfach: Die Stonewall Riots waren eine explizite Bewegung GEGEN die Polizei, gegen ihre gezielte Gewalt gegenüber Queeren Menschen.
Heutzutage feiern wir Pride Paraden, doch ursprünglich begann die Feier unseres Daseins mit Aufständen.
Heutzutage begleitet uns die Polizei auf Pride Paraden auch mal als Gruppen zu Fuß und mit Wagen, mit Pride Fahnen ausgeschmückt. Sogar das Militär. Dabei sollten sie eigentlich keinen Platz auf CSD's haben.
Zusammengefasst: als Queere Person bei der Polizei zu sein, ist so paradox, dass es wehtut.
Mittlerweile tut es weh, meine eigenen Charaktere, die ich einst so innig liebte— noch immer— zu sehen. Es schmerzt, mir diesen Fehler einzugestehen, der Gedanke, mich völlig von dieser Geschichte loszulösen, schmerzt.
Deshalb habe ich lange überlegt, wie es weitergehen soll. Ob ich die Bearbeitung fortführen soll oder nicht; was als erstes zu einem Nein führte.
Ob ich die Geschichte löschen soll; was auch zu einem Nein führte, denn ich habe sie nirgends anders gespeichert.
Ob ich die Hashtags löschen sollte; Ja. Das tat ich vor einiger Zeit.
Ob und wann ich zum Schreiben dieses Textes kommen würde; Ja. Aber auch dazu kam ich lange nicht. Ich habe es eine Weile vor mich hin geschoben, nach den richtigen Worten gesucht, und hauptsächlich mit fehlender Energie gekämpft, weil ich behindert bin. Ja, vielleicht eine Ausrede, aber zum größten Teil einfach Realität.
Nun sitze ich hier und schreibe einfach drauf los, um es endlich hinter mich zu bringen, denn auch nachdem ich die Hashtags gelöscht habe, bekommt diese Geschichte immer noch einiges an Aufmerksamkeit und war bis zuletzt immer wieder in den höchsten Tops mancher Kategorien. Warum es problematisch für mich ist, dass diese Story dadurch weiter Aufmerksamkeit bekam? Weil diejenigen, die sie lesen, ohne die Hintergründe zu kennen, das Kernproblem nicht sehen. In etwa so wie ich, als ich sie schrieb.
Dazu kommt, dass ich als Autor schließlich irgendwie hinter der Story stehen muss. Das tue ich schon lange nicht mehr voller Stolz— und dabei geht es doch genau um diesen. Pun intended. Nun ja, ich kann mich nicht mehr hinstellen und damit rumprahlen, dass ich eine Story für Queere Leute geschrieben habe, wenn sie doch einen kontroversen Grundsatz hat.
Wie gesagt, ursprünglich sollte es hierin um Polizeigewalt und Korruption gehen und darüber aufklären. Auch in der Geschichte, auf der Nur du zählst... basiert. Das ist mir nicht in dem Rahmen gelungen, in dem ich es gern hätte. Es ist mir jedenfalls nicht genug. Das ist die Kirsche auf diesem paradoxen Eis.
Bevor ich noch zu viel rede komme ich langsam zum Schluss. Irgendwann werde ich diese Geschichte löschen.
Aber bevor ihr verzagt; ich plane, sie umzuschreiben.
Denn letzten Endes liegt mir immer noch etwas an Cedric und Allan und den anderen Charakteren, die wir lieben lernen. Cedric und Allan haben eine holprige, schwierige Liebe voller Sänfte, die zu Tränen rührt. Sie sind ein besonderes Duo, auf das ich stolz bin; wenn man den Bullen-Aspekt raus lässt. Sie und auch die anderen guten Charaktere sind mir ans Herz gewachsen. Die Message, die sie eigentlich vertreten sollen, die Worte, die sie euch mitteilen sollen, sind mir wichtig. Sie sollen für Stolz und Kampfgeist stehen; aber authentisch.
Deshalb werde ich ihnen irgendwann ein neues Leben geben.
Ich habe bereits Pläne. Die Story soll in etwa gleich sein, aber ohne ihre Jobs. Die Kernpunkte und Charaktere werden dieselben bleiben. Es wird allerdings noch einige Zeit dauern, bis es zu einem tatsächlichen Remake kommt. Ich glaube, ich bin es euch schuldig, das dann auch hier zu veröffentlichen, denn eines der Ziele hieran war, dass diese Story frei verfügbar ist.
Es wird länger dauern, weil ich parallel die Geschichte, auf der Nur du zählst... basiert, neu verfasse. Auch damit hat es länger gedauert, bis ich das Problem erkannt habe, und schließlich zu großer Verzweiflung geführt hat. Ein intensives Gespräch mit einem guten Freund hat dann zu meiner Entschlossenheit, etwas daran zu machen, geführt. Ich bin sehr froh und dankbar für diese Erkenntnisse und was sie daraus machen. Ich hoffe sehr, dass mir die Neuverfassung besser gelingen wird.
Daher hoffe ich, dass ihr alle bis hierhin lest und das Problem versteht und etwas dazugelernt habt. Bitte habt etwas Verständnis für meine vorige Unwissenheit. Ich bessere mich stetig.
Bis es neue Updates für Nur du zählst... gibt, könnt ihr diese Geschichte so wie sie ist mit (konstruktiver) Kritik und mehr Awareness der Dinge lesen. Parallel habe ich eine weitere Queere Story, die ihr hier lesen könnt, die ich eher empfehlen kann; Die Prinzen von Venedig.
Wenn ihr mehr über die Ursprungsgeschichte wissen wollt, könnt ihr mir auf Instagram folgen: thepanicwriter .
(Ich weiß, Eigenwerbung o_O) Es wird ein Fantasy Krimi, den ich auf traditionelle Weise veröffentlichen möchte. Auch hier geht es nebensächlich um politische Themen.
Auf Insta werde ich auch versuchen, etwas zu Nur du zählst... zu sagen, sobald die Zeit reif ist.
Bis dahin danke ich euch fürs lesen und für euren Support!
Ich hoffe, dass ich alles verständlich erklärt habe.
Zögert nicht, Fragen zu stellen. Feedback erlaubt und erwünscht; aber bitte seid nett :')
Euer Knighttdreamer 🥀
DU LIEST GERADE
Nur du zählst...
RomanceNachdem der Ex-Polizist Allan Dearing bei einem Einsatz schwer verletzt wird, verdammt ihn das Schicksal ins Büro. Und so wird er als Hilfssheriff in das kleine Dorf Josephina Hill versetzt. Doch dort wird ihm klar, dass sein Job ganz anders als ruh...
