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Ich saß unsicher mit dem Handy in der Hand auf der Couch im Wohnzimmer.
Alles was ich wollte, war diesen Fluch loszuwerden und endlich mein altes, normales Leben führen zu können...
Laut dieser alten Frau gab es ja nur die eine Möglichkeit.
Doch:

Was, wenn ich es nicht schaffe?

Was, wenn ich keinen Ort finde, an dem ich spielen könnte?

Was, wenn es gar nicht mehr klappt?

Was, wenn ich es gar nicht machen will?

Ich war hin und her gerissen... Es gab genauso viele pro, wie kontra Argumente.
Ich wusste nicht was ich machen sollte, also suchte ich mal wieder Rat bei meinem besten Freund.

'Was soll ich tun?...'

'Was meinst du? :D '

'Ich dreh durch! Du weißt gar nicht wie das ist von Geistern, Albträumen oder sonst was heimgesucht zu werden! Es ist grausam... Ich kann kein normales Leben mehr führen!'

'Nein ich weiß wirklich nicht wie das ist und ich will es eigentlich auch gar nicht wissen... :/ '

'Toll -.- ... Und was soll ich deiner Meinung nach machen?'

' ... '

'Komm mir nicht mit diesen Pünktchen! Sag mir doch einfach was ich machen soll!'

'Die Antwort wird dir nicht gefallen... ._. '

'Das Spiel? Daran habe ich gerade auch schon gedacht...'

'Wirklich?! Dann mach es! Ich glaube das ist deine einzige Möglichkeit...'

'Hört sich an, als würdest du meinen Tod wollen...'
'Ach quatsch!'

' ... '

'Jetzt komm du mir nicht so mit deinen Pünktchen! :D '

'Witzig ist das nicht...'

Schreibt....
Nichts...

'Ben?'

'Warte mal kurz...'

'Kay... ._.'

Ich legte mein Handy weg und ging runter in die Küche. Ich schaute in den Kühlschrank und hoffte irgendetwas essbares zu finden, doch das meiste war entweder wiederlich oder abgelaufen.
Kein Wunder!
Da meine Eltern ständig arbeiten waren, war ich für's Einkaufen zuständig, hatte aber nie wirklich lust dazu...
Ich starrte noch eine halbe Ewigkeit in den Kühlschrank, bis ich's dann endgültig aufgab.
Ich beschloss mir etwas zu bestellen und ging wieder hoch zu meinem Handy.
Ein Blick auf das Display verriet mir, dass Ben mir ziemlich viel geschrieben hatte.
Etwas wie:

'Chris?'

'Hallo'

'Komm bitte schnell!'

'Chris ich brauch dich!'

'Jetzt!'

'Hilf mir!'

'Chris ich kann nicht mehr....'

'Scheiße! Bitte komm schnell!'

'Chris, hier läuft grad einiges falsch!'

...und sehr viel mehr war in unserem Chatverlauf zu lesen.
Mein Hunger war verflogen...
Ich wurde kreidebleich und hatte plötzlich panische Angst um Ben.
Ich wollte mir gar nicht ausmalen, was mit ihm passiert sein könnte.

F*CK F*CK F*CK!!!

Es war schon etwas spät, doch das interessierte mich nicht.
Ich verschwendete keine Sekunde, dachte an nichts und rannte aus dem Haus. Ich konnte glücklich sein, dass ich mein Handy und Schlüssel noch mitgenommen habe.
Voller Adrenalin rannte ich die Straßen entlang, unfähig auch nur einen klitzekleinen Moment stehen zu bleiben. Als ich schon fast da war, wurde ich langsamer.
Die Angst vor seinem Haus war genauso groß, wie die Angst um Ben. Ich hatte mir geschworen dort nie wieder hin zu gehen, doch das war mir in dem Moment ziemlich egal...
Schwer atmend lief ich immer weiter Richtung Ben. Ich holte mein Handy raus und schrieb ihm.

'Ich bin gleich da...'

Er schrieb mir zurück, doch ich achtete nicht auf die Nachricht.

Puh... Ihm ist nichts passiert... Er ist fähig mir zu schreiben...

Ich blieb kurz stehen und blickte auf die Stelle, an der ich Marry kennengelernt habe.

Gruselig...

Ich erinnerte mich an ihre pipsige Stimme, an ihre seltsame Art, an ihr selbstbewusstes Verhalten. Irgendwie hatte ich das Gefühl sie schon länger gekannt zu haben.
Auch wenn sie gruselig war, war sie nicht so aufdringlich wie die anderen Geister, die ich sah.

Ich wollte weitergehen, doch es fühlte sich so an, als würde etwas mich von seinem Haus abhalten. Als würde sie mich vom Haus abhalten.

Die süße kleine Marry...

Ich schüttelte den Kopf und löste mich aus meiner Starre und lief zum Haus. Ich stand genau vor der Tür, hatte aber Angst zu schellen und bemerkte die schwarze Katze nicht. Ich wollte mich gerade überwinden, als Ben mir zuvor kam. Er öffnete die Tür und sah mich verwundert an.

"Hey Chris, was ist los?"

"Wie was ist los?! Ist alles okay bei dir?"

"Ja klar... Was hast du? Ich-"

"Du hast mich doch angeschrieben! Das waren bestimmt 15 Hilferufe..."

"Chris?"

"Ja?"

"Ich hab heute noch gar nicht mit dir geschrieben..."

"Was? Jetzt verasch mich nicht! Ich hab doch..."

Verwirrt holte ich mein Handy raus und zeigte ihm den Chat.

"Ja, siehst du das Datum? Das ist von gestern..."

Fassungslos starrte ich auf mein Display und tatsächlich...
Der Chatverlauf war weg...

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Das MitternachtsspielWo Geschichten leben. Entdecke jetzt