18

2.2K 146 11
                                        

Als ich wach wurde, befand ich mich nicht in meinem Zimmer. Ich war auch nicht in meinem Haus. Nein, ich war in einem unheimlichen Raum, der nur schwach durch die aufgehende Sonne beleuchtet wurde.
Die Möbel waren sehr alt und das ganze Zimmer schien verlassen und heruntergekommen. Dem ganzen Spielzeug nach, musste es ein Kinderzimmer gewesen sein.
Erst hab ich mich nur gewundert, wie ich dort hingekommen war, doch umso mehr ich mich umsah, umso gruseliger wurde die ganze Situation. Doch anstatt direkt aus dem Haus zu rennen, sah meine Wenigkeit sich lieber genauer um.
An der Wand war anscheinend mal eine roserne Tapete mit irgendwelchen bunten Blumen. Davon war nicht mehr sehr viel übrig. Ein kaputtes Kinderbett mit zerrissener Bettwäsche stand mitten im Raum. Darauf saßen ein paar ziemlich gruselige Puppen. Sie starrten mich an und es schien als würden sie jeden meiner Schritte genau beobachten.
Ich wand meinen Blick schnell ab und sah aus dem zerbrochenen Fenster. Man konnte direkt in einen dunklen Wald blicken. Aus dem, was mir das Zimmer verriet, konnte ich zwei Tatsachen erschließen:
1. Das Haus war wohl schon verlassen.
2. Ich hatte keine Ahnung wo ich war.
Ich öffnete die Tür und trat in einen langen Flur. Dort befanden sich keine Fenster, es war sehr viel dunkler. Langsam ertastete ich mir einen Weg durch die Dunkelheit und wäre dabei fast in ein Loch getreten.
Der Boden ist auch nicht mehr ganz... stabil? sicher?
Ich ging weiter zu einer Treppe. Sie führte nach oben und nach unten. Ich war neugierig, was wohl oben sein könnte, doch mein noch gesunder Menschenverstand siegte und ich ging nach unten. Während ich die Treppen hinabstieg überlegte ich, wie ich dort hin gekommen bin.
Hat das was mit dem Fluch zu tun?
Bin ich geschlafwandelt?
Hab ich mich gestern betrunken, oder so?
Ist das alles vielleich nur wieder ein Traum?
Ich wusste es nicht.
Erst, als ich unten angekommen war, merkte ich, dass mein Bein schmerzte. Und dann erinnerte ich mich etwas undeutlich.
Ich bin tatsächlich geschlafwandelt...
Ich blickte mich im Untergeschoss um und suchte den Ausgang. Doch alles was ich sah, waren die alten Möbel und ihre Schatten. Einer der Schatten sah irgendwie menschlich aus. Ich trat näher an ihn ran und ja... Wenige Meter vor mir saß jemand auf einem Stuhl.
Bevor ich schreien oder raus rennen konnte, bemerkte ich, dass es nur eine lebensechte Puppe war. Sie war total gruselig. Ihre Haare sahen total echt aus und sie roch... sie roch nach Verwesung... Ich hielt mir die Nase zu, der Gestank war wirklich abscheulich. Ich berührte sie kurz am Arm, doch er fühlte sich so gar nicht nach Plastik oder Stoff an. Er war kalt und fühlte sich nach echter Haut an.
Eine Leiche?!
Ich zog meine Hand ruckartig wieder zurück und suchte jetzt doch verzweifelt nach dem Ausgang. Ich überlegte schon, ob ich die hölzernen Wände einschlagen könnte, als ich endlich die Tür fand. Ich öffnete sie und trat hinaus.
Die Sonne blendete mich kurz, doch das störte mich eher weniger. Ich rannte die schwer erkennbaren Wege entlang und hoffte die richtigen zu wählen. Nach einer gefühlten halben Stunde in welcher ich orientierungslos durch die Gegend rannte, holte ich dann schwer atmend mein Handy heraus. Google Earth war meine letzte Rettung.
Oh man... Ich bin über Nacht in ein ganz anderes Stadtteil gelaufen...
Ich lief ungefähr eine halbe Stunde lang nach Hause. Als ich ankam war es schon 10 Uhr. Meine Eltern waren nicht da...
Komisch.. Erst übertrieben Sorgen machen und dann ganz beruhigt zur Arbeit fahren... Ob ich hier nun wieder ankomme oder nicht haben sie dann wohl dem Schicksal über lassen.
Ich überlegte heute einfach mal blau zu machen und einfach mal zu chillen. Aber dann fiel mir ein, dass ich noch mit Ben sprechen wollte. Und ich holte meine Tasche und ging ganz langsam zur Schule. Dieses Mal brauchte ich nicht 10 sondern 15 Minuten.
Naja mein Bein war ja auch verletzt und ich hatte nicht wirklich Lust auf die Schule. Ich kam fünf Minuten zu spät. Die dritte Stunde hatte bereits angefangen. Ohne zu klopfen platzte ich in den Mathe Unterricht. Mein Lehrer hat mich sowieso schon gehasst.

"Darf ich fragen, wo du warst?!"

"Aber natürlich dürfen Sie"

Mein Lehrer wurde rot vor Wut und ich ging auf meinen Platz. Für meine Frechheit musste ich nachsitzen, doch das war mir egal. Ich sah zu Ben's Platz, welchen ich leer vor fand.
Bin ich jetzt umsonst hier hin gekommen?!
Ich verdrehte die Augen und konzentrierte mich auf Mathe.

Als ich nach dem Schellen meine Sachen in die Tasche schob, kam Lori mit ihren Freundinnen (Ben und ich nannten sie die Bitches) auf mich zu.

"Du gehst doch heute sicher zu Ben, oder?"

"Äh, nein?"

Sie deutete ihren Anhängern zu verschwinden, was sie dann auch taten.
Sie sah mich nun leicht wütend an und sprach leise, aber gehässig weiter.

"Warum nicht?! Habt ihr euch gestritten?"

"Nein, aber ich geh nicht mehr zu seinem Haus..."

"Schisser!"

Ich sah sie schockiert an und fragte mich, was sie meinen könnte.
Sie kann doch nichts wissen, oder? Ist sie überhaupt bei Sinnen oder ist sie auch nur ein ferngesteuertes Medium?

"Bitte was?"

"Du hast mich schon verstanden!"

"Ich-"

"Es gibt doch tausend leerstehende Häuser, wo bist du denn heute zum Beispiel aufgewacht?
Trau dich! Deine Ausrede funktioniert nicht mehr! Du hast genügend Orte zur Verfügung!"

Sie blinzelte ein paar mal und ihr Blick wurde wieder weicher. Auch ihre Stimme wurde wieder sanfter und etwas lauter.

"Na dann muss ich ihm wohl heute die Hausaufgaben bringen..."

Sie lächelte mir kurz zu und ging wieder zu ihren Freundinnen. Ich starrte ihr geschockt hinterher.
Ich glaube aus dem 'hoffen, dass es einfach vergeht' wird nichts mehr...

Später schrieb ich dann Ben. Er antwortete mir aber nicht. Das war sehr ungewöhnlich für ihn. Sonst war er eigentlich immer am Handy.
Ich wählte seine Nummer und rief ihn an, auch auch auf Anrufe reagierte er nicht.
Komisch... Was er wohl gerade macht? Seine Eltern nehmen ihm nie das Handy ab... Er hat sicher nur kein Akku mehr. Oder er ist ernsthaft krank und schläft gerade. Er kann auch gerade beim Arzt sein. Ich werde jetzt auf keinen Fall zu ihm gehen! Es gibt genug Gründe dafür sein Handy mal zu ignorieren!
Ich machte mir schon ziemlich Sorgen um Ben, doch auch um mich. Ich legte mein Handy schließlich weg und legte mich auf mein Bett.
Ihm wird schon nichts passiert sein... Er wird mich morgen oder so zurückrufen oder mir zurückschreiben. Ich werde ihn ganz sicher wiedersehen. Ich mache mir nur unnötig Sorgen. Oder?

________________________________________________

Das MitternachtsspielWo Geschichten leben. Entdecke jetzt