Ultimatum

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"Du kannst sie nicht einfach mit nach Holland mitnehmen! Es ist auch meine Tochter! Ihr Leben ist hier!" schrie ich meinen Mann energisch an.

"Vanessa, so ein Angebot kann ich nicht ablehnen. Und ich möchte, dass ihr alle mitkommt. Ihr seid meine Familie." wiederholte er sich ruhig. Dieses Argument höre ich nun schon zum dritten mal an diesem Abend.

"Ja, und unser Leben ist hier in England und nicht in Holland!"

"Es ist doch nur als Leihe! Niemand weiß, ob ich den Verein wechseln werde."

"Und wenn doch? Wenn es dir dort gefällt und sie dich wollen? Was machst du dann?" Jetzt war er ruhig.

"Mase? Gib sie mir. Ich gehe mit ihr ins Wohnzimmer." mischte sich Chilwell ruhig ein und streckte seine Hände nach unserer Tochter aus, welche Mason gerade auf dem Arm hielt. "Sie muss nicht mit anhören, wie sich ihre Eltern streiten." Er überreicht sie ihr und sie verließen die Küche. Dann sah er mich wieder an.

"Ich bin Fußballer. Das ist mein Leben. Und das wusstest du doch, bevor du mich geheiratet hast."

"Achso, jetzt ist es also meine Schuld, weil ich dich geheiratet habe und wir eine Tochter zusammen haben?" Wie konnte er nur sowas behaupten?

"Tut mir leid. Das hätte ich nicht sagen dürfen." entschuldigte er sich auf meine hochgezogene Augenbraue hin. "Aber verstehst du, dass das mein Job ist? Hier geht es um meine Zukunft. Ich muss einen guten Eindruck machen. Ich kann nicht jeden verdammten Tag von einer Insel aufs Festland fliegen, denn so ist das, Vanessa. Anders kommt man nicht von A nach B. Das ist ein großer Schritt in meiner Karriere. Wieso willst du das nicht einsehen?" Wenn ich könnte, würde ich das Glas Wasser in meiner Hand auf den Boden werfen.

"Mason. Wir leben hier. Hier ist unser Haus, hier ist Cassie's Kindergarten. Hier ist unser Leben!"

"Und wer finanziert dir dieses Leben?" fragte er und wartete auf eine Antwort. Doch ich antwortete nicht. "Hm?" ergänzte er noch, als ich nichts sagte. "Richtig. Ich. Das Haus hier, in welchem du wohnst, ist meins. Das Auto, das du fährst, ist meins." Ich rollte mit den Augen.

"Geht es dir wirklich darum? Wenn du eine Straße weiter ziehen würdest, wäre mir das egal. Aber hier geht es um ein anderes verdammtes Land! Cassie hat hier Freunde, ihren Kindergarten, ihre gewohnte Umgebung. Willst du deiner Tochter ihr schönes Leben nehmen, damit du ein besseres hast?"

"Ich bitte dich. Du sagst das so, als würde ich sie mit nach Afghanistan in den Krieg nehmen und ihr damit das Leben zerstören. Sie lernt dort einfach neue Freunde kennen. Außerdem ist Cassie erst zwei Jahre alt. Sie erinnert sich doch gar nicht an ihre Freunde oder was weiß ich." Merkwürdigerweise stiegen mir Tränen in die Augen und ich sah zur Seite auf den Boden. Plötzlich kam Mason näher und umarmte mich. "Kann es vielleicht sein, dass du einfach nicht umziehen möchtest?" fragte er ruhig und streichelte mir den Rücken.

"Was denkst du denn? Ich habe hier meine Freunde. Ich habe hier meine Arbeit und ich habe hier meine gewohnte Umgebung." sagte ich mir brüchiger Stimme. "Ich war noch nie außerhalb von England für einen längeren Zeitraum. Dass macht mir verdammt nochmal Angst. Und bitte versteh mich nicht falsch. Ich möchte dir auf gar keinen Fall in die Quere kommen, was deine Karriere angeht. Aber ich möchte hier in England bleiben und Cassie bleibt auch bei mir. Wir bleiben hier. Aber was du machst, ist deine Entscheidung." Irgendwie machte ich gerade einen Schritt vorwärts in seine Richtung und in die Richtung eines Kompromisses. Doch dann ging ich wieder drei zurück und stellte ihn vor ein Ultimatum. Machte mich das zu einer schlechten Frau?

"Ich muss mich also entscheiden? Fußball oder meine Familie?" Ich ging einen Schritt zurück und sah ihn an. Dann nickte ich.

"Es tut mir leid. Aber in so einem Fall bleibt mir nichts anderes übrig, als dich vor ein Ultimatum zu stellen." Es waren bestimmt ganze drei Minuten still, in denen keiner von uns auch nur ein Wort verlor.

"Fußballer zu sein, war schon immer mein Traum." unterbrach Mason dann die Stille. "Mein Hobby, meine Leidenschaft, das, wofür ich brenne, es ist einfach mein Beruf, meine Berufung! Und ich bin gerade auf dem Weg nach ganz oben. Es läuft gut bei mir. Versteh mich nicht falsch - ich liebe dich und Cassie über alles. Aber mein Ziel ist es, dass es Cassie gut geht. Wenn ich mit dem Fußball so weiter mache, muss sie sich keine Sorgen um Geld machen. Sie wird ein einfaches und gutes Leben haben und genau das steht bei mir an erster Stelle. Wenn ich dieses Angebot nicht annehme... Wer weiß, wann ich das nächste bekomme? Also zum Wohle unserer Tochter, entscheide ich mich für meinen Beruf. Es tut mir leid Vanessa."

Schreibt mir gerne, wie ihr an Mason's Stelle reagiert hättet :)

Mason Mount OneshotsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt