Lilli
Das leise Knarren der alten Eingangstür hallte durch den leeren Flur als ich die Wohnung meiner Granny betrat. Mit jeden Schritt, den ich machte, gaben die Holzdielen unter mir nach und ächzten unter meinen Schuhsohlen. Das fühlte sich so falsch an. Nichts war mehr da! Nur leere Wände und Räume. Alles, was mich an Sie erinnerte, war verschwunden und wie ausradiert. Ich hatte gehofft noch etwas zu finden, was mich an Sie erinnerte. Ein Bild, ein Buch oder eine Ihrer alten Teetassen. Nur etwas Kleines. Ich wollte kein Geld damit machen, nur meine Erinnerung damit bewahren. Jetzt bereute ich es doch zutiefst, sie nicht vorher noch einmal besucht zu haben. Die Nachricht das sie plötzlich verstorben sei, kam wie ein Abrissbirne. Einfach so. Von heute auf morgen war sie nicht mehr da. Und niemand wollte mir erzählen, wie sie gestorben sei.
Mum und Dad waren nicht gut auf Granny zu sprechen. Sie waren auch diejenigen, die eine Firma beauftragten, um das Haus ausräumen zu lassen. Ich habe keine Ahnung, was zwischen ihnen vorgefallen war. Mit meinen 14. Geburtstag hörten die Besuche bei ihr plötzlich auf. Sie versuchten mir klarzumachen, dass meine Granny kein guter Umgang für mich sei und dass ich mich von ihr fernhalten sollte. Doch hielt ich mich nicht dran. Heimlich rief ich sie aus Telefonzellen an, oder von dem Telefon bei Freunden. Auch Briefe schickte ich ihr. Damit Mum und Dad davon nichts mitbekamen, nutzte ich die Adresse eines Freundes. Bis ich auszog und in meine eigene Wohnung zog. Vor einer Woche kam ein letzter Brief von ihr. Der letzte Brief nach 11 Jahren.
Langsam lief ich den langen Flur entlang und bog am Ende nach rechts, in ihr altes Wohnzimmer. Auch hier war alles leer und nichts erinnerte mehr daran, was hier einst alles stand. Ich erinnerte mich an das große Bücherregal, die Leseecke, das Sofa vor dem Kamin und all die Regale mit Pflanzen, Kräutern und seltsamen Gegenständen. Es glich fast einem kleinem Museum. Immer gab es irgendwas bei ihr zu entdecken. Doch jetzt, fühlte es sich kalt und leer an. Ich drehte mich in der Mitte des Raumes und schloss für einen Moment die Augen. Vor meinen Geistigen Auge baute sich die komplette Einrichtung wieder auf. Ich hörte das Knistern des Kamin und das Kichern von meiner Granny. Für einen Moment glaubte ich sogar ihr Parfüm riechen zu können. Dieser schwere blumige Duft von Lotus. Eine intensive Gänsehaut breitete sich auf meinem Körper aus. Als ich meine Augen öffnete schrie mich wieder die Leere an und betrachtete den Brief in meiner Hand.
Als ich ihn zuhause öffnete, fiel mir ein Schlüssel und eine Kette mit einem Anhänger in den Schoss. Genau da wusste ich, dass es nichts Gutes zu bedeuten hatte. Mein Bauchgefühl täuschte sich nicht. Zwar hatten mir meine Eltern bereits mitgeteilt, dass sie verstorben sein, aber das nach ihrem Tod noch ein Brief von ihr bei mir ankam, war wirklich gruselig. Ohne drüber nachzudenken, setzte ich mich im Schneidersitz auf den kalten Boden und atmete noch einmal tief durch, bevor ich den Brief zum hundertsten Mal überflog.
„Liebste Lilli,
Wenn du diesen Brief erhältst, habe ich wohl die letzte Reise angetreten. Es tut mir leid dich einfach so zurückzulassen. Du weißt, wie sehr ich dich liebe und vermisse, doch ich muss dich um einen letzten Gefallen bitten.
Nur du kannst mir dabei helfen! Bitte fahr zu meinem Hause und hol die alte bronzefarbene Schatulle. Sie hat einen unglaublich wertvollen Inhalt. Bitte Kind, bring diese Schatulle . Es ist wichtig! Davon hängt eine Menge ab.
Hier sind meine Schlüssel. Ich gehe davon aus, dass deine Eltern mein Haus räumen lassen, also werde ich diese Schatulle gut verstecken, so dass nur du sie finden kannst.
Ein kleines Rätsel, das nur du lösen kannst.
Einst warst du klein und dann zu groß! Erst aufrecht und dann gebeugt. Oft versteckt und wenig gefunden. Ein letzter Gruß von oben.
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Buch 1: Road Trip With A Demon [18+] || German
Детектив / ТриллерLilli trauert um den Verlust ihrer Großmutter Beth, bis ein letzter Brief bei ihr ankommt, in dem die Großmutter um einen letzten Gefallen bittet. Ihre Enkelin soll bitte eine Schatulle von Atlanta nach Norddakota bringe. Ein gewisser Jason Bennett...