Lilli trauert um den Verlust ihrer Großmutter Beth, bis ein letzter Brief bei ihr ankommt, in dem die Großmutter um einen letzten Gefallen bittet. Ihre Enkelin soll bitte eine Schatulle von Atlanta nach Norddakota bringe. Ein gewisser Jason Bennett...
Ich nahm ihr den Brief ab und las ihn durch. Beth beschrieb drin, wie sie lernen konnte diesen Kraft zu kontrollieren und dass sie drauf achten sollte, wenn sie vertrauen könnte. Lilli sollte sich an mich halten. Und ich würde nichts unversucht lassen ihr zu helfen. Auch wenn es mir lieber wäre, wenn sie nichts mit dieser Sache zu tun hätte. Ich verstand einfach nicht, wieso Beth Lilli das aufgetragen hatte. Zumal ja nun auch das Siegel der Schatulle gebrochen ist. „Ich finde diese Gabe beängstigend, aber auch schön. Ich hatte Granny so viele Jahre nicht gesehen und konnte dank dieser Gabe, Ereignisse aus der Vergangenheit sehen. Sie wiedersehen, was sonst nicht gehen würde", gab sie zu und spielte verlegen an ihren Finger. „Kannst du nur sehen oder sie auch hören?", fragte ich neugierig nach und drehte mich seitlich damit ich sie besser sehen konnte. Eine kleine Lampe auf den Tisch ließ ihr Gesicht in einen warmen Orange erstrahlen. Sie lächelte etwas und sah kurz zu mir.
„Ja und ich konnte auch ihren Duft wahrnehmen.", klärte sie mich auf. „Was hältst du davon, wenn wir eine kontrollierte Übung zum Sehen durchzuführen?", fragte ich sie vorsichtig. Immerhin war sie noch leicht geschwächt, was meine Schuld war. Vielleicht könnte sie so noch ein paar schöne Erinnerungen an ihre Granny bekommen. Lillis Augen begannen zu leuchten. „Geht das? Ich meine, bisher war alles immer unwillkürlich!", fragte sie irritiert nach. „Ja das geht. Ich werde dich anleiten. Such dir einen Gegenstand aus, mit dem du es versuchen möchtest.", bat ich und sie begann sich in der Halle umzusehen. Ihr Blick blieb am Fotoalbum hängen. „Das hier!", traf sie ihre Wahl und nahm es in die Hand. „Okay. Atme tief ein und wieder aus und schließe dann deine Augen.", forderte ich sie mit ruhiger Stimme auf und sie folgte der Anweisung. „Sehr gut! Was siehst du?", fragte ich. „Ich sehe, wie sich die Halle vor meinen Augen aufbaut und wie ich das Buch halte.", erklärte sie mir und atmete tief durch.
„Gut. Jetzt stell dir vor, ein kleiner Schmetterling setzt sich auf deine Hand und sieht dich an.", leitete ich sie weiter an. „Er ist grün wie der aus Grannys Haus. Er saß schon mal auf meiner Hand." ,erzählte sie und ihr Gesichtsausdruck wurde nachdenklich. „Prima.", meinte ich und nahm vorsichtig ihre freie Hand. „Wenn er dich ansieht und du das Gefühl bekommst, das er etwas sagen will, dann lass es zu. Ich bin hier und werde dich leiten.", fuhr ich fort und sie zuckte kurz. Ich sah, wie ihre Augen hinter den Augenliedern wild hin und her rollten. „Was siehst du Lilli?", fragte ich leise. Im ersten Moment kam keine Antwort bis sich ihre Lippen anfingen zu zittern. „Ich bin hier Lilli, was siehst du?", fragte ich erneut nach. „Ich sehe Granny... sie ist...schwanger.. Sie klebt das Bild mit dir und Grandpa ein. Sie lächelte...und beginnt zu weinen... sie küsst ihre Finger... legt sie erst auf Grandpa und.... dann küsst sie dein Bild direkt... sie redet.... Aber... aber ich kann es nicht verstehen...", beschrieb sie mir, was sie sah. „Okay. Bleib dort. Stell dir vor, wie der Schmetterling zu deinem Ohr fliegt und dir zuflüstert.", wies ich sie an und spürte einen Drück an meiner Hand.
Lillis Atem wird flacher und schneller und ich sehe, wie sich Tränen ihren Weg über ihre Wangen suchten. „Was sagt sie?", wollte ich wissen. Doch nicht um sie zu leiten, sondern aus eigener Neugier. „Sie sag... Sie sagt, sie liebt dich und Grandpa." Okay das reichte. Das wird zu emotional für sie. Ich spüre es wie sie hin und her gerissen wurde, von dem was sie sah und hörte. „Lilli, das hast du gut gemacht. Ich möchte das du dir vorstellst, wie der Schmetterling davon fliegt und dir einen gutes Gefühl von Freiheit hinterlässt. Tief ein und wieder ausatmen.", bat ich sie und begann behutsam ihren Rücken zu streicheln.
Langsam öffnete sie ihre Augen, entzog mir ihr Hand, stand auf und legte das Album zurück auf den Tisch. Ich spürte ihre Unsicherheit und wir sehr sie überwältigt war. Aber auch dass sie stolz auf sich war, dass sie es geschafft hatte bewusst zu Sehen. Sie wischte sich die Tränen weg und entfernte sich etwas. Es machte mir nicht den Eindruck, als würde sie wie vorhin abhauen wollen. Doch sie brauchte wohl etwas Abstand. Während ich Lilli durch die Halle laufen ließ, nahm ich mir das Album und blätterte etwas darin herum. Welches Bild meinte Lilli? Kaum hatte ich diesen Gedanken beendet, fand ich das Bild hinten auf der letzten Seite. Es zeigte mich und Paul, als wir für Beth alles Mögliche an Lebensmittel gekauft hatten. Ihr Appetit als Schwangere war unglaublich. Kam da gerade Wehmut in mir auf? Das hatte hier nicht zu suchen. Ich musste mich konzentrieren. Der Fokus lag drauf das Tor zu vernichten. Und einen Weg zu finden diese Verbindung zu Lilli zu lösen. Jemanden wie mich brauchte sie nicht ihn ihren Leben. Sie sollte ein ruhiges Leben führen und nicht diese Hölle durchleben. Ich schloss das Buch und schmiss es auf den Tisch.
Ich bin damals schon zu weich geworden. Am besten ist es, wenn ich schon mal alles zusammen packte und im Malibu verstaute. Also lief ich die einzelnen Regale ab und sammelte das wichtigste zusammen. Bücher, Tränke, Pasten, Verbandszeug, Waffen, Munition und etwas Wasser. Ich fand sogar eine kleine Geldkassette mit etwas Bargeld. Was durchaus nützlich war auf Reisen. Und ich durfte nicht vergessen Livos zu finden. Wenn einer was wusste dann definitiv er. Immer noch stellte sich mir dir Frage, wer hatte Beth getötet? Und ich werden diesen Bastard dafür büßen lassen. Die Wut vom Vorabend kroch wieder in mir hoch. Ich spürte, wie meine Hände sich erwärmten. Ich hielt die Hände vor mir und sah, wie sie leicht in Flammen standen. Doch nicht in einem Rotton, sondern giftgrün. Der drang etwas zu vernichten war plötzlich höher als es mir lieb war. Bis ich eine Hand an meinem Rücken spürte. Sofort legte sich die Wut und meine Flammen erlösen.
Ich drehte mich nicht um und atmete durch. Ich knurrte leise und schloss den vollgepackten Kofferraum. War es mein Verstand, der mich runter polte oder war es Lilli und unser Sigillum? „Warum bist du so wütend?", wollte sie wissen und hielt großen Abstand zu mir. „Es sind viele Dinge, die mich wütend machen.", brummte ich und lief an ihr vorbei. Ich hatte keine Lust mich darüber zu unterhalten. Dann hörte ein leises Knurren und ließ meine Flammen aufleuchten und sah mich in der Halle um. „Alac, ganz ruhig! Das war mein Magen!", versuchte sie mich zu beruhigen und hielt die Hände schützend vor ihren Körper, als ich mich zu ihr umdrehte. Ich ließ die Flammen wieder verschwinden und fuhr mir durch mein langes Haar. „Setz dich, ich bring dir etwas!", brummte ich und wies mit dem Finger auf das Sofa.
Mein Nervenkostüm war unglaublich dünn. Ich musste aufpassen, dass ich Lillie dabei nicht versehentlich verletzte. Wie ferngesteuert bewegten sich meine Beine zur Kochnische. Im Hängeschrank waren ein paar Konservendosen. Ich griff mir eine Dose, öffnete vorsichtig den Deckel und roch daran. „Ravioli!", brummte ich und rümpfte die Nase. Manches Essen auf dieser Welt sollte verboten werden, worunter ich Dosen-Ravioli an erster Stelle setzten würde. Aber gut, ich musste es ja nicht essen. Ohne darüber Nachzudenken, nutze ich meine Flammen in der Hand, um das Essen in der Dose zu erwärmen. Eine praktische Gabe. Behutsam tat ich eine Portion in eine Schüssel, suchte eine Gabel und brachte es zu Lilli.
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Sie saß mit hängenden Kopf auf den Sofa. „Für dich!", kam es leise von mir und sie sah auf. „D-danke. Und was ist mit dir?", fragte sie mich und stellte die Schüssel auf den kleinen Tisch. Ich winkte nur ab und ließ mich auf den Sessel nieder. „Ich brauch das nicht!", antwortete ich knapp. Sie sah in die Schüssel und begann darin rumzustochern. „Tut mir leid, es ist kein 4 Sterne Essen!", brummte ich. Selbst in meine Ohren klang es Vorwurfsvoll. Ohne mich anzusehen, gabelte sie eine Ravioli auf und hielt sie sich vor den Mund. „Schon okay, ich hab schon schlimmeres gegessen.", erwiderte sie und stopfte sich die Teigtasche in den Mund. Mich schüttelte es. „Was gibt es schlimmeres als Dosen-Ravioli?", fragte ich eher unbewusste laut. „Granny Rosenkohlauflauf!", platzte es noch kauend aus Lillis Mund. Ich musste laut auflachen und zupfte mir nachdenklich an der Unterlippe. „Ja, das stimmt. Beth mag zwar ein Talent für die Zauberei und Magie gehabt zu haben. Aber beim Kochen scheiterte sie immer wieder mal!", gab ich zu und spürte plötzlich ein angenehmes Gefühl in meiner Brust, als ich mich daran erinnerte, wie sie mir das Zeug einmal vorsetzte.
„Sie hat dich sehr gemocht!", hörte ich Lillis Stimme leise. Meine Gedanken verstummten und ich suchte nach Ihren Blick, doch sie sah wieder in ihre Schüssel. Das war keine Frage, sondern eine Aussage. „Ich mochte sie auch. Sie war wie eine Familie für mich. Eine Gefährtin und eine Freundin.", offenbarte ich. Bei den Begriff Gefährtin zuckte sie kurz zusammen und ich spürte etwas seltsames in meiner Brust. Doch es war mir nicht möglich, zu sagen was es war. So wie es auftaucht, so schnell verschwand es auch wieder. Lilli nickte und versuchte zu lächeln, was mit einer Ravioli im Mund nicht unbedingt gelungen aussah. „Iss in Ruhe. Danach mach ich dir einen neuen Verband und zeige dir, wo du schlafen kannst. Wir müssen früh aufbrechen.", legte ich nach, stand auf und lief wieder zur Kochnische, um einen neuen Sud aufzusetzen.