5 : ein Lächeln steht dir

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Es war ein heißen Frühlingsabend in Barcelona. Ich war mit ein paar anderen Mädchen bei Mapi und Ingrid zum Essen eingeladen worden. Wir waren sechs, Mapi und Ingrid natürlich, Alexia, Marta, Frido und ich. Wir zwei Norwegerinnen trafen uns oft, es war irgendwie angenehm, mit Leuten zu reden, die dieselbe Muttersprache sprachen. Mapi und Alexia waren immer überall, deswegen kannte ich sie inzwischen auch ziemlich gut, Frido kannte ich noch von Wolfsburg. Und Marta... Mit Marta war es ein bisschen anders. Seit ich in Barcelona bin, gehen wir jeden Dienstag zusammen laufen, und ich liebe diese Momente, wo wir nur zu zweit sind. Wir sind sehr schnell sehr gute Freundinnen geworden, und jetzt kann ich mir ein Leben ohne Marta gar nicht vorstellen. Wenn wir zusammen sind, brauchen wir nicht mal reden, wir verstehen uns auch ohne Worte. Das ist für mich ziemlich praktisch, ich bin nämlich nicht so der Typ, der dauernd redet.

Wir sitzen auf der Terrasse, ich habe die Knie gegen die Brust hoch genommen, wie immer, wenn ich mit vielen Leuten bin. Naja, eigentlich sind wir nicht mal viel, ich bin aber auch nicht so der soziale Typ. Aber, wenn wir mehr als drei oder vier Personen sind, kann ich mich schlecht konzentrieren, selbst, wenn ich alle kenne. Und heute geht es mir nun mal nicht so gut. In drei Tagen spielen wir gegen Wolfsburg, meinen Ex-Verein, und das stresst mich unheimlich.

Marta schaut zu mir rüber und hebt die Augenbrauen, was sowas wie, ist alles in Ordnung bei uns heißt. Ich sage nichts. Normalerweise hätte ich genickt, damit sie sich keine Sorgen macht, aber selbst das kriege ich heute nicht hin. Marta steht auf und setzt sich neben mir auf die Bank. Sie schafft es irgendwie gleichzeitig, weiter mit Mapi und Frido zu reden und mir einen Arm um den Schultern zu legen. Ich zucke leicht zusammen und sie zögert für den Bruchteil einer Sekunde. Ich lehne mich gegen sie, um ihr klar zu machen, dass sie mich berühren darf. Als sie weiter redet, kann ich hören, dass sie lächelt.

Marta und ich haben eine seltsame Beziehung zueinander. Ich glaube, wir wissen beide, dass wir uns lieben, trauen uns aber nicht, es zu sagen, oder vielleicht brauchen wir es auch nicht.

Die Phase vor und nach meinem Wechsel nach Barcelona war sehr kompliziert. Ich hatte ein gebrochenes Herz, gesundheitliche Probleme und ich habe mich alleine gefühlt. Ich kannte niemanden, traute mich aber auch nicht, auf Leuten zu zu gehen. Und dann traf ich Marta. Die glückliche, schöne, soziale und liebe Marta. Sie war mir sofort ans Herz gewachsen und irgendwie funktionierten wir gut zusammen, obwohl wir so verschieden sind. Sie ist voller Energie, das Glück sprudelt beinahe aus ihr raus, sie lächelt fast immer. Ich bin ruhig, ertrage keine Massen und habe seit einem Jahr kaum gelächelt.

- Alles in Ordnung, Caro? fragt Alexia besorgt.

Ich richte mich schnell auf.

- Ja, klar. Ich bin nur müde, der Tag war anstrengend. Ich glaube, ich gehe auch bald.

- Soll ich dich bringen? fragt Marta.

- Nein! Bleib ruhig hier, du musst nicht wegen mir schon weg.

- Ich muss eh noch was für die Uni machen. Ich komme mit, keine Widerrede.

Wir stehen auf und Alexia und Ingrid begleiten uns zur Tür. Ich sehe, dass die zwei Spanierin noch miteinander sprechen, Marta runzelt die Stirn und sieht besorgt aus.

- Bis du dir sicher, dass es dir gut geht? fragt meine norwegische Kollegin.

- Ja ja, sage ich zu schnell.

- Caro? Ich kenne dich inzwischen zu gut, was ist los?

- Es ist wegen des Spiel gegen Wolfsburg, murmle ich leise, weil ich nicht will, dass es die anderen hören.

- Oh... so schlimm? Ne, doofe Frage! Sorry.

- Ich will sie nicht wiedersehen.

- Ich kann nicht viel machen, aber ich verspreche dir, es wird alles gut.

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