Der Wille

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Ich werde häufig gefragt, wie ich es geschafft habe, nicht in die Drogen- und Alkohol-Szene abzurutschen – nicht einmal das Verlangen nach diesen Substanzen zu verspüren. Meine Antwort ist bescheiden, aber einfach: Es war mein Wille, der mir die Kraft gab, an etwas Gutes zu glauben und mir das Gefühl vermittelte, dass ich den richtigen Weg gehe. Der Wille kann viel in uns Menschen bewirken, wenn wir es wollen; allerdings gibt es auch Menschen, deren Wille gebrochen ist und die ihre Vergangenheit für alles Übel verantwortlich machen. Wenn ich solche Aussagen höre, erfüllt mich das mit Wut, denn meine eigene Vergangenheit war alles andere als einfach. Niemand war für mich da, um mich zu bremsen oder mir Entscheidungen abzunehmen.

Das, was ich heute bin, verdanke ich meiner inneren Stärke und dem Willen, den mir die Menschen, die mich schlecht behandelt haben, aufgezwungen haben. Es gibt immer einen einfachen Weg, aber ich habe mich entschieden, die Herausforderungen anzunehmen; ich wollte nicht den bequemen Weg gehen, der mir möglicherweise nie die echten Probleme abnehmen würde. Denn das Problem bleibt immer bestehen und wird einen stets verfolgen. Wer glaubt, dass Drogen diese Sorgen mindern können, irrt sich. Ich habe mich meinen Problemen immer gestellt und musste akzeptieren, dass ich bluten und kämpfen muss für das, was ich im Leben will. Nur so konnte ich meine Ziele erreichen. Doch ich habe bisher mein endgültiges Ziel noch nicht erreicht, weil ich lernen muss, dass nicht alles auf einmal möglich ist. Geduld war noch nie meine Stärke.

Der Weg wird lang und in der heutigen Zeit nicht einfacher sein. Es erfordert Willen, etwas zu erreichen. Das ist das Geheimnis, warum ich mich nie für den einfachen Weg entschieden habe. Ich wollte selbst erleben, wie es ist, für etwas zu kämpfen, das einem sehr wichtig ist. Natürlich ist das herausfordernd, aber es wird die prägendste Erfahrung meines Lebens sein. Deshalb habe ich mich entschlossen, ein Buch zu schreiben, um genau diese Erfahrungen mit dir zu teilen. Mein Ziel ist es nicht, dass du dich nach mir richtest, sondern dass du deinen eigenen Weg findest.

Mein traurigstes Erlebnis war, als meine Mutter mir immer versprochen hat, dass sie mich zu Beginn eines jeden Monats anruft. Ich habe mich jedes Mal so gefreut, wenn das Telefon klingelte und ich ihre Stimme hörte. Doch ich wurde enttäuscht. Daraus habe ich gelernt, dass ich meinen eigenen Weg gehen muss, denn niemand wartet auf einen, wenn es darauf ankommt. Sie wollen, dass du für sie da bist, so wie sie es sich wünschen. Menschen neigen dazu, über andere zu urteilen, bevor sie ihre eigenen Fehler erkennen.

Ich habe nicht viele Freunde, und das hat seine Gründe. Kein Mensch ist loyal zu dir, wenn du ihm nicht gibst, was er verlangt. Ich habe kein Interesse daran, mich diesen Erwartungen zu unterwerfen, denn das Leben, das ich heute lebe, lebe ich für mich – und für niemanden sonst. Mir wurde schnell klar, dass nichts im Leben einfach ist.

Meine Mutter hatte die Gewohnheit, alles und jeden für ihre Fehler verantwortlich zu machen, ohne ihre eigenen Fehler einzugestehen. Noch heute gibt sie allen die Schuld, nur sich selbst nicht. Bianca ist sich offenbar nicht bewusst, was sie mit ihrem Verhalten alles zerstört hat. Sie hat nicht nur uns das Leben schwer gemacht, sondern sich auch selbst. Sie betrachtet sich als Opfer und das Wohl anderer ist ihr egal; es zählt nur, wie es ihr geht. Ich frage mich, wie eine solche Person Kinder bekommen konnte.

Ich bin nicht mehr wütend und hege kein Verlangen, ihr nur Schlechtes zu wünschen. Nein, ich bin im Reinen mit mir selbst. Ich möchte einfach nur Gerechtigkeit und das bedeutet für mich, dass sie auch das Leid erfahren sollte, das wir ertragen mussten. Ich musste sechs Jahre meines Lebens durch die Hölle gehen, während sie behauptet, nichts falsch gemacht zu haben. Sie sagt heute noch, dass ich selbst schuld bin, weil ich bei meiner Mutter nicht aufgewachsen bin, und dass ich immer mit Selbstmord gedroht habe. Das ist Unsinn. Als ich in die Pflegefamilie kam, äußerte ich solche Gedanken aus einem triftigen Grund, auf den ich später im Buch zurückkommen werde. Letztlich hat sie sich damit selbst ins Aus geschossen.

Niemand kann dir helfen; du musst selbst wissen, wie dein Leben weitergeht. In der Erwartung, dass jemand anders deine Angelegenheiten regelt, liegt nicht die beste Lösung, denn es wird sich nichts ändern. Meine Mutter ist der Grund, warum mein Wille so stark ist und warum ich so leidet, dass ich eigentlich keine Familie mehr habe. Was viele vergessen, ist, dass es durchaus vorteilhaft sein kann, auf sich allein gestellt zu sein. So erkennt man erst richtig, dass man für alles, was man tut, eine gewisse Verantwortung trägt. Egal wie steinig der Weg ist, es wird immer einen Tag geben, an dem dieser Weg der beste für dich ist.

Nichts geschieht umsonst in unserem Leben; alles hat einen bestimmten Sinn. Wir sollten uns Gedanken darüber machen, was wir wollen und was nicht, statt einfach impulsiv zu leben, denn dafür ist unser Leben zu kostbar. Ich habe gelernt, dass wenn du nicht an das glaubst, was dir wichtig ist, und andere nur danach beurteilst, ob sie deinem Ideal entsprechen, wirst du immer wieder scheitern. Das Schlimme ist, dass dich dieses Scheitern dein ganzes Leben lang begleiten wird.

Wenn ich dir einen Rat geben kann, dann diesen: Tue nichts, was du selbst nie erfahren möchtest. So machst du es besser als der Großteil der Menschen hier. In der heutigen Zeit ist es einfacher, andere zu beurteilen, als sie wirklich kennenzulernen und zu sehen, ob man diese Menschen mag oder nicht. Es ärgert mich sehr, dass sich Menschen von anderen beeinflussen lassen, wenn es darum geht, jemanden kennenzulernen. Oft geschieht dies, weil das eigene Ego angegriffen ist und man nicht akzeptieren kann, dass man nicht unantastbar ist.

Das verlorene LebenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt