Ich bin oft in meinem Leben umgezogen und habe mein Zuhause gesucht in anderen Kissen. Aber dieses habe ich nie gefunden, ich wollte um jeden Preis dies tun und bin jedes Mal daran gescheitert und somit wurde mir bestätigt, dass mir kein Zuhause zusteht. Die Frage ist, wieso dachte ich dies oder tue es immer noch, und dem gehen wir jetzt mal auf den Grund. Meine Erzeugerin ist oft mit uns umgezogen, wo wir klein waren. Sie ist immer geflüchtet. Ich glaube, bis ich 6 Jahre alt war, bin ich 22 Mal umgezogen, immer in eine andere Stadt gezogen oder auch aufs Dorf. Ich konnte nicht mal Freundschaften aufbauen, weil wir immer wegziehen mussten. Mein wahres Zuhause war in Oberreidenbach gewesen bei meiner Oma, denn sie war immer dort und nicht woanders. Das, glaube ich, hat mich wissen lassen, was ein Zuhause ist, aber meine Erzeugerin hat es mir auch nie einfach gemacht. Die Oma war alles bis heute. Und bei ihr konnte ich am besten schlafen, denn bei ihr war ich sicher, und ihre Kissen waren super weich. Ich kann mich am letzten Tag noch sehr gut erinnern, es war nämlich Silvester von 2005 auf 2006. Es war ein komischer Abend, denn meine Oma hat sich komisch verhalten. Und am nächsten Tag ging es für mich auf die Reise, die bis heute andauert. Und es ist sehr schwer, das Gefühl zu bekommen, irgendwann doch noch in weichen Kissen zu schlafen. Meine Angst ist, dieses Gefühl nicht mehr zu haben, denn die meisten hier wollen einen Mann mit Führerschein und viel Geld, aber warum fragt mich mal niemand, wieso ich keinen Führerschein habe. Ich wollte einfach nicht so sein wie die meisten von uns. Alle haben Führerschein und ein Auto, ich habe dieses eben nicht, weil für mich andere Dinge wichtig waren. In dieser Zeit habe ich im Heim gelebt und musste schauen, dass ich nicht untergehe. Mir war einfach egal, ob ich einen Führerschein habe oder nicht. Denn ich wollte eigentlich nicht sein wie alle anderen in dieser Zeit, und trotzdem habe ich alles dafür getan, dass ich doch etwas bin. Und habe total den Fokus verloren über die Jahre. Ich hatte eigentlich alles, hatte schöne Partnerinnen gehabt und trotzdem konnte ich sie nie bei mir halten. Bei dem Versuch, es doch zu tun, bin ich aufgeflogen. Ich hatte auch gute Freunde, aber diese habe ich durch mein Fehlverhalten verloren. Mir wurde aber erst spät bewusst, dass ich das Problem war, und das fing damit an, nicht ich zu sein. In meiner Welt gab es keine Schwäche. Im Gegenteil, ich musste funktionieren, um jeden Preis. Der Preis war es aber, dass ich nun alleine bin, weil ich angefangen habe, endlich ich zu sein: ein Mann mit großen Gefühlen und einem guten Herzen. Ich will gar nicht mehr dem Erfolg hinterherrennen. Entweder kommt er zu mir durch Ehrlichkeit und einem starken Willen, oder er kommt nicht. Ich warte nicht mehr darauf, ich lasse mich einfach überraschen. Und das ist das Beste, was ich machen kann. Mir ist auch inzwischen egal, was man von mir denkt, denn was zählt, bin ich, und der Rest kommt wirklich von allein. Ich sehne mich gar nicht mehr danach. Es war eine Welt, die schön war, aber auch giftig für mich war. Ich muss jetzt wieder anfangen zu lieben und das auch mit Herz und Ehrlichkeit. Es tut weh, an diesen Punkt angelangt zu sein, aber ich denke mir, das wird sich lohnen, denn so lerne ich einfach wieder, das zu sein, was mich wirklich auszahlt: ein Mann zu sein, auf den man sich wirklich verlassen kann.
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Das verlorene Leben
Short StoryManchmal sind es nicht die Jahre, die uns fehlen - sondern die Momente, in denen wir nicht wirklich gelebt haben. In den Schatten unserer Vergangenheit, zwischen verpassten Chancen und stummen Sehnsüchten, liegt ein Leben verborgen, das hätte sein k...
