║Liam Payne:
Ich sah ihm lange nach, wie er zielsträbig durch den Vorgarten davonging. Genauestens nahm ich seine großen, sicheren Schritte war. Die Art, wie Harry ging und sich bewegte war immer schon von einer gewissen Selbstsicherheit begleitet, doch nun bemerkte ich zum ersten Mal eine Veränderung an ihm. Seine Schultern sanken leicht in sich zusammen, als würden sie unter einer unsichtbaren Last stehen und der Kopf senkte sich gen Boden. Allgemein war sein Gesicht viel schmaler und noch kantiger, als vor drei Jahren, als ich ihn zum letzten Mal gesehen hatte. Erst hatte ich die schmale, hochgewachsene Erscheinung auf meiner Veranda für eine Fata Morgana gehalten, bis ich in dem fremden Mann endlich Harry erkannt hatte.
Das lange Haar schmeichelte zwar den ebenmäßigen Gesichtszügen, doch das Weiche, beinahe Kindliche war nicht mehr darin zu finden. Es war verschwunden, wie weggewischt. Das leuchtende Grün seiner Augen war nun starr und verhangen, tiefe Schatten nahmen ihnen ihren natürlichen Glanz. Das Kinn war schlecht rasiert und obwohl Harry sich nie besonders viele Gedanken um sein Aussehen gemacht und diese beinahe schon freche mühelose Lässigkeit an sich gehabt hatte, die ich insgeheim immer ein wenig beneidet hatte, wirkte er nun beinahe ungepflegt. Man sah ihm an, wie ihn die eigenen Gedanken niederdrückten und ich kannte ihn gut genug, um die Ernsthaftigkeit dahinter zu erkennen. Es war diese Dringlichkeit, die seinen Stolz niederrang und ihn über seinen Schatten springen ließ. Seine Worten klangen klar in meinem Kopf nach- er würde morgen anrufen. Doch etwas in seinem Tonfall hatte ihn verraten. Ich hatte die Lüge, die er mir aufgetischt hatte gleich erkannt.
Ich dachte daran zurück, an das dümmliche Gefühl der Hoffnung, das mich beinahe ein Jahr festgehalten hatte. Jeden Tag war ich sicher gewesen, dass er anrufen und mir eine Erklärung für sein Verschwinden liefern würde. Doch irgendwann waren das Warten und die Sorge zu Schmerz und Wut geworden und ich hatte Nächtelang damit zugebracht darüber nachzudenken, was ich zu ihm sagen würde, würde er sich noch einmal in meine Nähe trauen. Trotzdem war ich nicht überrascht, dass ich plötzlich so etwas wie Frieden gefunden hatte. Ich hatte mir immer gewünscht, ihn wenigstens noch ein einziges Mal zu sehen. Nur, um es endlich zu verstehen.
Das Gefühl der Unwissenheit hatte mich aufzufressen gedroht, und sich als wunden Stachel in mein Herz gebohrt.
Ich kniff die Augen zusammen, als ich an jenen Vormittag dachte, an dem ich beinahe daran verzweifelt war...
18. Juli 2014
Niall saß starr auf der Kante meiner neuen Ledercouch, ein halb volles Glas Whisky in den schmalen Händen. Die bourbonfarbene Flüssigkeit schwappte leicht gegen das Glas, als er es nachdenklich zwischen den Fingern drehte. Er hatte nicht gemerkt, dass ich in das Zimmer gekommen war und ihn beobachtete. Er wirkte schmal in dem viel zu großen, schwarzen Jacket, das ihm an den Schultern abstand. Ich wusste, dass es Greg gehörte. Niall hatte es nicht übers Herz gebracht, sich für diesen Anlass einen eigenen Anzug zu kaufen.
Ich musste ihn nicht erst ansehen, um sein vor Trauer zerfurchtes Gesicht zu sehen. Es hatte sich in den letzten Tagen und Stunden bereits in mein Gehirn eingebrannt. Die Nacht vor zwei Tagen hatte uns alle auf einen Schlag altern lassen, sie hatte unseren Gesichtern und Herzen das Kindliche genommen und harte Männer aus uns gemacht. Zu diesem Zeitpunkt sollte ich es zwar noch nicht so genau begreifen, aber es würde so sein.
Mein eigenes Jacket spannte unangenehm und die beschissene Krawatte schien mir regelrecht die Luft abzuschnüren. Aber vielleicht hatte ich auch nur verlernt zu atmen- an jenem nebligen, düsteren Montagmorgen, als das Telefon klingelte und ich mir sicher war, die Welt würde untergehen. Ich schüttelte kurz den Kopf, um die Gedanken daran abzuschütteln.
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Cloverfield
Fanfiction„New York ist einer der schlimmsten Orte auf der Welt, um einen schlechten Tag zu haben. Und einer der besten, für einen guten." Aimee Boyle hat einen guten Tag. So lange jedenfalls, bis sie auf dem Heimweg in der U-Bahn auf den zynischen Harry trif...
