Kapitel 1 - Hogwarts

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Die Einkäufe waren schnell erledigt. Snape war froh darüber. Denn er merkte, wie stechende Blicke ihn trafen, während Michael unentwegt auf ihn ein plapperte. Doch letzteres störte den schwarzhaarigen Zauberer nicht wirklich, da er so erfuhr, was er die letzten zwei Jahre verpasst hatte. Außerdem lenkte es ihn von der Tatsache ab, dass er bei den meisten Zauberern überaus verhasst schien. „Deine Anzüge und dein Umhang müssten mal wieder erneuert werden.“, stellte Michael fest. Tatsächlich lief Snape momentan notgedrungen in einem Schwarzen T-Shirt einer, schwarzen Jeans und einem grünen Mantel durch die Gassen. Auch wenn er die Sachen sehr mochte, brauchte der Schwarzhaarige für Hogwarts dringend ein neues Outfit. „Gib mir Zeit bis morgen Abend“, sagte Michael und verschwand in einer Seitengasse, um den Stoff zu besorgen. Ohne ihn als Schneider wäre Snape wirklich aufgeschmissen. Natürlich gab es auch in der Zaubererwelt eine breit gefächerte Auswahl an Mode. Doch was ihm gefiel passte dem großen Zauberer zumeist nicht. Als Michael das erste Mal etwas für ihn nähte kannten sie sich schon gut fünf Jahre. Und was er genäht hatte gefiel Snape so gut, dass er seinen Freund sofort um zwanzig Anzüge und einen Umhang bat, der hinten geschlitzt war. Wie die Zunge einer Schlange. Eigentlich wollte Michael ihm die Sachen schenken, doch Snape bestand darauf zumindest die Materialkosten zu decken. Alles andere hätte er nicht mit seinem Gewissen vereinbaren können.

Während er noch gedankenversunken durch die Stadt ging, bemerkte er plötzlich die weiße Ecke eines Briefes, welchen er verwundert aus seiner Tasche zog. Darauf stand 'von Michael'. Aber es war nicht seine Handschrift. Verwundert öffnete Snape den Brief. Ein ungutes Gefühl machte sich in ihm breit. Doch auf dem Brief stand nur: 'Wir treffen uns am Gleis. Sei pünktlich.' Michael war zwar schon immer schwer zu durchschauen gewesen, aber das war selbst für ihn ungewöhnlich. Nach einigem Zögern steckte Snape den Brief wieder in seine Tasche und machte sich auf den Weg zum Gleis. Er hatte sowieso alles, was er brauchte.

Auf dem Gleis angekommen sah Snape sich zu allen Seiten um. Etwa zehn Minuten später traf Michael völlig außer Atem am Bahnhof ein. „Wo warst du?!“, fauchte er den Größeren mit funkelnden Augen an. Dieser versteckte seine Überraschung gekonnt und hielt Michael ohne weitere Worte den Brief hin. „Den hab ich nicht geschrieben.“, sagte dieser nach dem er den Brief überflogen hatte. „Darüber können wir in Hogwarts weiter grübeln.“, erwiderte Snape. Also entschieden sich die beiden, sich ihr Stammabteil zu sichern. Auf dem Weg dorthin kam Snape an mehreren bekannten Gesichtern vorbei. Einige nickten ihm freundlich zu, doch niemand schien von seiner Anwesenheit überrascht zu sein. „Professor Snape?“, ertönte da ein ihm wohlbekannte Stimme. Er blickte nach hinten. Da stand Harry Potter. Sein Schützling. Er war erwachsen geworden. „Guten Tag Potter.“, ertönte Snapes Stimme, während er seine Schultern straffte, „dürfte ich erfahren, was Sie hier zu suchen haben?“ „Ich bin der neue Lehrer fürs fliegen. Heißt, ich werde dieses Jahr Madam Hooch zur Hand gehen.“ Snapes Mundwinkel zuckten leicht nach oben. Potter wollte Lehrer sein? Davon musste er sich selbst überzeugen. „Haben Sie noch etwas zu sagen, Potter?“, fragte Snape. Er wollte sich nicht noch länger die Beine in den Bauch stehen. „Schön, dass Sie wieder da sind.“, sagte Harry ohne weiter darüber nachzudenken. Verwundert zog Snape die Augenbrauen zusammen. Er hatte mit allem möglichen gerechnet, aber garantiert nicht damit. Schließlich entschied er sich zu nicken. Dann drehte er sich wieder um und schritt weiter seines Weges. Michael hatte es sich schon bequem gemacht und ein paar Schokofrösche lagen noch verpackt auf deinem Schoß. „Um der alten Zeiten Willen.“, erwiderte er grinsend, als er Snapes perplexen Blick wahrnahm. Dann setzte der Größere sich.

Die Fahrt verging wie im Flug. Ehe sie sich versahen war der Hogwarts-Express am Ufer des Sees angekommen. Snape und Michael sicherten sich eine der vorderen Kutschen. Ehrfurcht durchfuhr Snapes Körper, als er die Testrale sah. Er hatte gewusst, dass sie die Kutschen zogen. Doch jetzt, wo sie lebendig vor ihm standen, sahen sie noch imposanter und mystischer aus als in den Büchern, die er als Kind nur zu gerne verschlungen hatte. Noch ganz im Bann der Testrale bemerkte er die Rotblonde Frau, welche neben der Kutsche stand, erst als diese sich räusperte. Er schaute zur Seite und sah in ihre blaugrünen Augen. Für einen Moment dachte er, Lily stünde vor ihm. Doch seine Erinnerungen holten ihn auf den Boden der Tatsachen zurück und hüllten sein Gesicht in eine Maske aus Gleichgültigkeit. „Können wir Ihnen helfen?“, fragte Snape und ein leicht bedrohlicher Unterton, für den er sich am liebsten selbst geohrfeigt hätte, schwang in seiner Stimme mit. Doch die junge Frau ließ sich davon nicht beirren. „Ist hier noch ein Platz frei?“, fragte Sie mit fester Stimme. Obwohl Snape sie mit seinem Blick praktisch durchbohrte hielt sie ihm Stand und wartete geduldig auf eine Antwort. „Natürlich, setz dich“, sagte Michael schließlich. Dankend nickte sie ihm zu und ließ sich neben Snape nieder. Dieser richtete seinen Blick auf die Testrale um nicht allzu sehr in den Bann der jungen Frau gezogen zu werden, erinnerte sie doch sehr an Lily. „Dürfen wir auch ihren Namen erfahren?“, fragte Snape schließlich, als er seine Gedanken geordnet hatte.  „Natürlich, wie dumm von mir“, sagte die junge Frau und warmes Lächeln umspielte ihre Lippen, „Mein Name ist Sylivia Evans. Austauschlehrerin für Wahrsagen.“ Bei dem Nachnamen wurde Snape stutzig. Er sah die Hexe eine Weile interessiert an. Ob sie wirklich mit Lily verwandt war? „Freut mich Sie kennenzulernen.  Mein Name ist Severus Snape.“, erwiderte Snape, obwohl er insgeheim keine Lust auf ihre Reaktion hatte. Doch anstatt ihn mit verhassten Blicken zu durchbohren, begannen ihre Augen zu seiner Überraschung begeistert aufzuleuchten. „Doch nicht etwa Severus Snape, der Tränkemeister?“, fragte sie erstaunt. Severus nickte nur,  immer noch baff über die Reaktion ihrerseits. Seit Jahren hatte sich niemand mehr so gefreut, ihn zu sehen. „Ich habe schon als Jugendliche davon geträumt, Sie kennenzulernen, Sir.“ „für Kollegen Severus .“, sagte er nur, während er weiterhin seine Maske wahrte. „Das bedeutet mir sehr viel Severus.“, sagte sie und legte ihre Hand auf seinen Arm. Sofort zuckte Snape zurück. Ein vernichtender Blick streifte Sylivia und sie verstand sofort. Während der restlichen Fahrt sprachen sie kein Wort mehr miteinander.

In Hogwarts angekommen wurden Michael und Snape sofort in Dumbledores Büro zitiert. Da saß der grauhaarige Zauberer in seinem großen Sessel, als wäre er nie weg gewesen. Als er die beiden Lehrer sah, lächelte er gütig. Michael, lächelte ebenfalls. Nur Snape behielt seine Maske aus Gefühlslosigkeit bei. „Sie haben uns gerufen“, stellte Snape nüchtern fest , als nach gefühlten Stunden immer noch kein Wort gesprochen worden war. Dumbledore nickte und sah Snape nun direkt an. „Eigentlich, betrifft das nur dich Severus.“, sagte der alte Zauberer und überlegte,  wie er es dem mürrischen Zauberer beibringen sollte.  Dieser zog nur fragend die Augenbrauen zusammen. „Wie ihr sicher schon erfahren habt,  haben wir eine neue Lehrerin im Fach wahrsagen-“ „Sylivia Evans“, fiel Michael ihm ist Wort. Dumbledore nickte. Dann fuhr er unbeirrt fort. „Angesichts der Tatsache, dass der Klassenraum für das Wahrsagen,  und dein Klassenraum, Severus, direkt nebeneinander liegen und wir keine andere Möglichkeit hatten, wirst du dir mit Sylivia Evans einen Schlafsaal teilen.“ Snape nahm dies nur mit einem Nicken hin. Doch Michael sah ihm an, wie die Gefühle brodelten.
Nachdem Snape von seinem Glück erfahren hatte machte er sich auf den Weg in seinen Schlafsaal.  Insgeheim fragte er sich, wie lange die Austauschlehrerin wohl blieb. Doch als er bemerkte, was er da dachte, schüttelte er nur verärgert den Kopf.

Das sie sich nun ein Zimmer teilten war eh nur ein bescheuerter Zufall. Als Snape die Tür zu seinem Schlafsaal öffnete. War Sylivia schon dabei,  sich einzurichten.  Sie stellte ein Foto auf den Nachttisch, legte ein Buch daneben und sortierte ihre Kleidung sowie ihre restlichen Bücher und Unterrichtsmaterialien sorgfältig in die ihr zur Verfügung gestellten Schränke. Immerhin hatte sie  Sinn für Ordnung, dachte Snape bei sich und ging auf seine Seite des Schlafsaals,  um ebenfalls alles auszupacken, und zu verstauen. Als erstes legte er das Buch, welches er las, auf seinen Nachttisch. Dann verstaute auch er seine Sachen sorgfältig in den Schränken. Als er damit fertig war legte er seinen Mantel ab. Er trug nun nur noch ein Körperbetontes ein schwarzes T-Shirt und eine Schwarze Stoffhose. Langsam ließ er sich auf sein Bett sinken. Dann nahm er sich sein Buch.  Das Cover machte Sylivia stutzig. Es war ein rotes Buch mit einem goldenen Einband, der ihr durchaus bekannt vorkam.  'Magic of Words-Band 5' war darauf gedruckt. Ein Gedichtband. Noch dazu ihr Lieblingswerk. „Ich habe das Buch, schon gelesen.“, sagte sie nach kurzen Überlegungen. Snape nickte nur. Er sah nicht einmal von dem Buch auf. Wahrscheinlich interessierte ihn das gar nicht,  glaubte Sylivia bei sich. Doch eigentlich  war Snape nur genervt, dass er seine Maske 24 Stunden am Stück aufrechterhalten musste. Sein Schlafsaal war sein einziger Rückzugsort gewesen. Und dann stand auch noch die große Feier bevor. Wie sehr er große Menschenmassen doch hasste.

So, hier einmal das nächste Kapitel. Ich wünsche viel Spaß beim lesen, wir sehen uns nächsten Sonntag :)

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