Kapitel 4

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Nervös? Ich war nie nervös. Nie. Doch heute war es anders. Ich wollte, dass der Abend mit Grace perfekt wurde. In Büchern und Filmen sieht es immer so einfach aus ein Mädchen zu beeindrucken, aber in der Wirklichkeit ist es viel schwieriger. Eigentlich sollte ich mir gar nicht so eine Mühe machen. Immerhin war mir klar, dass Grace jemand besseren verdiente. Jemanden, der besser zu ihr passte, aber dennoch konnte ich nicht anders. Ich wollte, dass sie dieses dämliche Musical vergas und ich wollte sie lächeln sehen. 

Ich hatte mein T-Shirt bereits zum dritten Mal gewechselt. Von weiß zu schwarz und dann zu grau. Nun hielt ich ein blaues Shirt in der der rechten und ein grünes in der linken Hand. Verdammt. Warum war das nur so schwer? Und warum machte ich mir solche Gedanken? Wir hatten schließlich kein Date. Jedenfalls hatte keiner von uns zweien es so genannt und doch hoffte ich irgendwie, dass es trotzdem eins werden würde.

Am Ende meiner langen Überlegung fiel meine Wahl auf keines der fünf Shirts. Ich nahm mir einfach das aus dem Schrank in dem ich mich an wohlsten fühlte. Nun stand ich also in einem Fall out Boy Shirt und einer schwarzen Jeans vor ihrer Tür. Dazu trug ich noch meine schwarze Lederjacke und meine weißen Sneakers. Irgendwie kam mir die Wahl meines Shirts mittlerweile nicht mehr so richtig vor und dieser Fakt machte mich noch nervöser. Allerdings konnte ich mich jetzt schlecht umziehen.

Ich drückte auf die Klingeln und ein paar Minuten später stand das schönste Mädchen, dass ich kannte vor mir. Sie hatte eine enganliegende blaue Jeans an und trug dazu ihre dunklen Turnschuhe. Doch als mein Blick nach oben glitt, blieb er an ihrem Shirt hängen. Es stand ihr nicht nur unglaublich gut, sondern war auch von der gleichen Band wie meins. Die Tatsache brachte mich zum Grinsen. Also war ich nicht der Einzige von uns zweien, der Fall out Boy mochte. Grace fing ebenfalls an zu grinsen als sie bemerkte was ich trug. „Schönes Shirt." „Es ist fast so als hätten wir uns abgesprochen.", stellte Grace fest ehe sie auf mich zu kam und ihre Arme zur Begrüßung kurz um mich legte.

Die Begrüßung überraschte mich, aber ich empfand sie auf gar keinen Fall als unangenehm. Ich genoss sie sogar und zog Grace noch ein Stück dichter an mich als ich meine Arme um ihre Mitte schlang. Vielleicht freute ich mich zu sehr, aber das war mir gerade absolut egal. „Also, was hast du geplant?", fragte Grace nachdem wir uns voneinander gelöst hatten. „Das wirst du noch früh genug erfahren." Ihre Augen fingen an zu strahlen und ich konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Oh man ich sollte mich in Bezug auf Grace nicht so verhalten, dass wusste ich genau. Sie hatte einfach jemand besseren verdient. „Dann muss ich mich wohl noch so lange gedulden." „Du weißt doch, Geduld ist eine Tugend." „Ich bin mir nicht sicher, ob diese beherrsche." „Umso länger wir hier stehen bleiben, desto später erfährst du, wohin wir fahren." „Na dann los." Grace lief auf mein Auto zu und strahlte dabei eine Freude aus, welche die eines Kleinkindes Konkurrenz machen konnte. Ich schüttelte kurz den Kopf, grinste und folgte ihr dann damit ein hoffentlich schöner Abend für sie anfangen konnte.

Eine halbe Stunde später standen wir vor dem Einkaufscenter, woraufhin Grace mich irritiert ansah. „Du willst jetzt aber nicht mit mir shoppen gehen oder?", fragte sie mich argwöhnisch. „Nein. Aber wir machen was Anderes und das befindet sich nun mal da drinnen." Ich zeigte auf das Gebäude vor uns ehe wir ausstiegen. Anschließend führte ich Grace in die 3 Etage des Einkaufscenters. Dort hielt ich vor der Spielhalle an, doch Grace verstand immer noch nicht. „Wenn ich mich recht erinnere, dann schulde ich dir noch eine Revanche im Air Hockey." Grace musste über meine Erklärung lachen. „Moment mal, ich habe beim letzten Mal gewonnen, nicht du." „Das habe ich aber ganz anders in Erinnerung." „Du hattest in der Grundschule nie eine Chance gegen mich." „Ach was, das lag nur da dran, dass ich dich hab gewinnen lassen." „Wenn du dich dann besser fühlst." „Es gibt nur eine Möglichkeit das zu klären." „Das sehe ich genauso."

Wenig später standen Grace und ich uns am Air Hockey Tisch gegenüber und versuchten den Puck jeweils ins gegnerische Tor zu schießen. Leider musste ich zu geben, dass Grace das Spiel besser beherrschte wie ich. Es stand bereits null zu acht und es sah auch nicht so aus als würde ich in nächster Zeit besser werden. „Wie lange hast du das schon nicht mehr gespielt?", fragte Grace nachdem sie ihren neunten Treffer erzielte. „Ungefähr seit der Grundschule schätze ich und du?" „Ich bin einmal im Monat, manchmal auch öfter mit meinem Dad hier. Er ist verrückt nach Air Hockey." „Echt?" „Ja und wenn es nach ihm ginge, würde bei uns schon längst so ein Tisch im Wohnzimmer stehen." „Du verstehst dich gut mit deinem Dad oder?" „Sehr gut sogar." Während ich weiter beim Air Hockey versagte, unterhielten wir zwei uns weiter. Über alles Mögliche redeten wir dabei und merkten gar nicht wie die Zeit verging.

„Jetzt brauche ich aber erstmal was zu essen.", verkündete Grace, die soeben die 6 Runde gewonnen hatte. „Ach und der Verlierer zahlt oder wie?", fragte ich sie spöttisch. „Ich glaube es ist genug Strafe, dass du 6 Runden verloren hast, also fühl dich eingeladen." „Nein, ich bin immerhin ein Gentleman und das bedeutet, dass ich zahle." Grace verdrehte die Augen und wollte gerade etwas sagen bevor ich ihr das Wort abschnitt. „Miss Parker haben sie etwa gerade die Augen verdreht?" „Das könnte gut möglich sein Mr. Miller." Ich hob tadelnd den rechten Zeigefinger, um sie zu belehren, doch das hatte nur zur Folge, dass Grace vor Lachen nichts mehr sagen konnte. 

Wenn die Jahre vergehenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt