Ich kann nicht sagen wie lange ich schon auf diesen Wagen saß, wie viel weg wir zurückgelegt hatten, oder wie viel Zeit verstrichen war. Es musste von allem viel sein, mehr konnte ich dazu nicht sagen. Ich war in meine Gedanken abgedriftet, wurde auf einem Meer aus Angst, Hass und Verzweiflung hin und her gepeitscht. Es gab Momente da dachte ich daran das ich es schaffen könnte zu fliehen, das ich schnell genug wäre, doch dann viel mir wieder ein wie langsam ich war, wie schwach und unnütz. Es gab Sekunden da überlegte ich Yamar, wie ich herausgefunden hatte hieß so ihr Anführer, einfach zu treten wen er das nächste mahl in meine Nähe kam, doch ich hatte zu große Angst vor den Konsequenzen. Ich war wirklich erbärmlich, wie konnte es sein das ich so schnell jegliche Hoffnung verloren hatte? Der Einzige Gedanke der mich irgenwie über Wasser hielt war das es Amala und meinem Vater gut ging.
Ich hatte sogar aufgegeben mir den Weg einzuprägen, es war doch so oder so sinnlos, stattdessen starte ich nur auf meine Beine und Arme, mahlte die immer blasser werdenden Henna Tattoos mit meinen Augen nach. Sie waren wie ein Spott für mich. Was half es die Zeichen für Hoffnung zu tragen, wenn man keine mehr hatte. Warum trug ich das Zeichen des Mutes auf meiner Haut wen ich doch nichts mehr als Angst verspürte. Wofür stand das Symbol des Vertrauens wenn ich jegliches Vertrauen verloren hatte. Wie konnte es sein das ich einst Durga geweiht, ja ihr sogar geschenkt wurde? Wo sie sich ja so sehr für mich interessierte, ich war immer ihre Dienerin gewesen, treu, aufopfernd, ergeben und für was? Das ich jetzt auf einen alten Holzwagen saß und nach Anikel gebracht wurde wo ich als Sklavin verkauft werden sollte.
Ich hatte mein ganzes Leben jemand anderem gehört, das war nichts neues mehr für mich, doch ich hatte immer meinen freien Willen behalten dürfen, dies würde mir schon sehr bald nicht mehr gestattet sein.
Etwas begann ich meinem Nacken zu prickle, zuerst nur ganz leicht doch es wurde stärker als ob hunderte kleiner Feuerameisen meine Wirbelsäule hinunter liefen. Zum ersten mahl seit mich diese Welle der Hoffnungslosigkeit ergriffen hatte hob ich wieder meinen Kopf und sah mich um. Der Dschungel war hier nicht so dicht wie rund um mein Dorf, man konnte sogar einige Meter weit sehen, eine ungewohnte Umgebung. Das Prickel wurde nach und nach zu einem Stechen, es war nicht schmerzhaft eher unangenehm. Ich verzog mein Gesicht etwas und tastete vorsichtig über die Stelle in meinem Genick. Sie fühlte sich nicht anderst an als jemals zuvor, vielleicht etwas wärmer. Woher kam dieses Prickeln den nur? Es war als würde ich auf irgendetwas reagieren. Ich fühlte wie von irgendwoher wieder Energie in meine Glieder floss.
Ein leichtes Zittern kroch langsam über meinen Körper, irgendetwas konnte hier doch nicht stimmen. Mein Blick wanderte zu den anderen Mädchen, sie saßen immer noch gleich da wie an dem Tag als ich entführt wurde. Müde, hoffnungslos, deprimiert, warum konnten sie diese komische Kribbeln den nicht auch fühlen? Merkten es vielleicht unsere Entführer? Nein die liefen gleich stur gerade aus wie schon die ganze Wanderung über.
Der Einzige der sich irgendwie anderst benahm als sonst war Yamar, der unruhig wirkte, er sah sich immer wieder um, als würde er etwas bestimmtes suchen. Für den Bruchteil einer Sekunde konnte ich seine Augen sehen, in ihnen lag ein komischer Glanz, gemischt mit etwas anderem, etwas das ich nicht zu ordnen konnte. Was war das nur, dieser Mann hatte es doch tatsächlich noch geschafft mein Interesse zu wecken, nicht das ich ihn weniger hasste, aber ich musste wissen was er suchte, warum spürte außer mir nur er das etwas hier nicht stimmte?
Ich zwang mich trotz der Fesseln auf meine Knie zu kommen, es war nicht einfach aber auch nicht unmöglich. Vorsichtig bewegte ich mich zwischen den restlichen Mädchen durch, bis ich die Vorderseite des Wagens erreicht hatte. Von hier konnte ich Yamar viel besser sehen und auch ein paar von den Wörtern aufschnappen die er gerade zu Growsigan sagte, dieser Mann war tatsächlich das hässlichste menschliche Wesen das mir jemals unter die Augen gekommen war.
"Sag den anderen sie sollen sich beeilen, ich will hier weg, die Alten Gebiete werden nicht umsonst gemieden." Growsigan nickte nur und humpelte das kurze Stück zurück zu unserem Wagen, dabei warf er mir wieder diese widerlich schmierige Lächeln zu, so das mir kalte Schauder über den Rücken liefen. Wie sehr würde es mich erfreuen wen er jetzt stürzen würde. Leider wurde mein Wunsch nicht erfühlt und er konnte ungehindert seine Nachricht überbringen.
Was hatte Yamar nur mit dem Alten Gebiet gemeint? Ich seufzte und setzte mich wieder auf den harten Boden des Wagens. Das Prickeln war immer noch da, jedoch schwächer als noch ein paar Minuten zuvor. "Was hatte er nur damit gemeint?" murmelte ich leise vor mich hin, dieses 'Alte Gebiet' ließ nicht mehr von meinen Gedanken ab. Wie ein unsichtbarer Spuck geisterte es in meinem Kopf herum, wollte sich immer wieder mit neuen Ideen in den Mittelpunkt meiner Gedanken drängen, wurde aber nie greifbar.
"Das Alte Gebiet ist ein verbotenes Territorium, hier soll früher eine Vielzahl an Tempel gestanden haben, aber sie sind alle zerstört worden und von der Natur zurück erobert worden." ich musste das Mädchen vor mir vollkommen bescheuert anstarren. Hatte sie gerade wirklich mit mir geredet? Seit wann reagierten sie den auf mich? Zuvor hatte ich nie ein Wort von ihnen gehört, weder Flüche noch Bitten den Wachen gegenüber oder auch einen Laut der an mich gerichtet war. Wenn ich aber so nachdachte hatte ich sie auch nie angesprochen.
Wie sollte ich jetzt den reagieren? Ich starrte sie vermutlich immer noch total bekloppt an, den ich konnte so etwas wie ein leicht amüsiertes Funkeln in ihren Augen erkennen.
"Ich heiße Sira" stellte sie fest und neigte dabei leicht ihren Kopf, also ob sie ein Verneigung andeuten wollte. Immer noch ziemlich baff stammelte ich meinen Namen und erwiderte ihre Geste. "Woher weißt du das?" mittlerweile hatte ich mich wieder eingermassen gefangen und schaffte es sogar meine Gedanken zu sortieren.
"Meine Großmutter hat mir immer davon erzählt. Sie liebte die Geschichten über diese alten Stätten. Wenn du willst erzähle ich dir die bekanntest der Sagen." während sie sprach nahm ihre Stimme einen traurigen Tonfall an, sie musste ihre Großmutter sehr vermissen.
"Es heißt das in der Mitte diese Gebietes ein riesiger Tempel zu Ehren Durgas gestanden habe, er soll wunderschön gewesen sein. Doch eines Tages verschwanden sieben der Höchsten Tempeldienerinnen ohne jegliche Spur zu hinterlassen. Danach sollen immer mehr komische Dinge passiert sein. Tiere wurden angriffslustiger und verloren ihre Angst vor Menschen. Die Natur nahm immer mehr von den Tempel ein und die Personen die im Tempel lebten schienen teils vom Wahnsinn ergriffen zu werden. Es wird behauptet das die verschwunden Frauen etwas sehr wertvolles aus den Tempel gestohlen haben sollen und damit Durgas Zorn geweckt haben. Nun auf jeden Fall wird dieses Gebiet seit jener Zeit gemieden."
Ich hörte ihr zu ohne mich zu trauen sie zu unterbrechen, ihre Erzählung schien mir so real zu sein, es war als würde ich sie schon kennen. Wobei ich mir sicher war niemals davor auch nur ein Wort über die Alten Gebiete gehört zu haben.
Diese einnehmende Stimmung die Sira gerade noch mit ihrer Erzählung erzeugt hatte wurde abrupt von ein Schrei unterbrochen. Ruckartig sah ich auf und blicke mich panisch um. Was war los? Ich konnte nichts erkennen nur das einer der Wachmänner fehlte und die anderen vier hektisch herum liefen.
Ich konnte es schaffen mich an Sira vorbei zum Rand des Gefährts zu drängen und sah endlich was alle so in Panik versetzte. Der fehlende Wachmann lag tot am Boden, seine Kehle war heraus gerissen und lag in einer Blutlache neben ihn. "Was zu Durga! Welches Wesen war das" entsetzt starrte ich auf den leblosen Körper am Ende des Gefangenzuges. Meine Frage wurde von einem lauten Ruf Yamars, der vor Wut und auch Angst nur so strotze beantwortet.
"Tieger!"
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Die 7 Siegel
FantasiEs gibt Dinge die können dein gesamtes Leben ändern, einfach so, von eine Sekunde auf die andere. Manch mahl sehen wir vielleicht nicht gleich was diese Veränderung für uns bedeutet, aber das heißt nicht das wir die Chance nicht nützen sollten. ...
