In meinem Bauch kochte es nur so, geladen stampfte ich an dem Tiger vorbei und baute mich erneut vor ihm auf, diese Mal würde er nicht einfach so an mir vorbei gehen. Ich wollte meinem Zorn Luft machen und diese Tier war ja sowas von Schuld daran das ich wütend war.
Schon wieder wollte er an mir vorbei, doch ich versperrte dem Wesen seinen Weg augenblicklich.
"Du hörst jetzt zu. Haben wir uns verstanden?" fuhr ich das Tier forsch an und versuchte mich zu gleich größer zu machen. Fast schon gelangweilt ließ sich der Tiger schwer auf sein Hinterteil fallen und begann sich die riesigen Pranken zu putzen. "Du wirst mich jetzt zurück dorthin führen wo ich her kam, denn mir reicht es endgültig. Mir ist es scheiß egal das meine Hände glüht haben. Und es ist mir auch schnurzpiepe egal das du dir jetzt einbildest das ich . . . dir na . . nach . . . nachlaufen so. . . . " die Worte versiegten mir im Munde als sich das Tier auf die massiven Hinterläufe erhob und von oben auf mich herabsah. Er überragte mich jetzt um gut einen halben Meter und ich war nicht gerade klein mit meinem 1,74. Seine goldgelben Augen suchten die meinen und ich hatte das Gefühl als würde ich Spott darin sehen. Noch bevor ich das merkwürdige Funkeln in seinen Lichtern zuordnen konnte, ließ er sich nach vorne fallen. Die breiten Pranken trafen mich an den Schultern und rissen mich mit immenser Kraft auf den Erdboden. Durch den harten Aufschlag wurde mir kurz schwarz vor Augen, doch das Bild das sich mir bot als ich wieder eingermassen sehen konnte war um keine Spur besser als die Schwärze von kurz davor. Ich starrte direkt in ein offenes Tigermaul, voll mit scharfen Zähnen und einem widerlichen Gestank. Eisige Schauder bahnten sich ihren Weg über meinen Rücken hinunter und wieder hinauf. Warum habe ich nur gedacht ich könnte ihm die Meinung geigen? Wie blöd bin ich eigentlich? Ich konnte sehen wie sich der klare Speichel um seine Reißzähne sammelte und die schwarzen Lefzen benetzte. Sein Kiffer war mit Sicherheit groß genug um meinen gesamten Kopf mit einem Biss abzureisen.
Langsam zog sich sein Schädel so weit zurück das ich in die goldenen Augen schauen konnte. Sie funkelte mich herausfordernd an, fast schon verspielt. Ich brauchte nicht lange um zu verstehen das diese Aktion eine reine Machtdemonstration, er hatte mir zeigen wollen wer von uns Beiden den Ton angab, und leider haushoch gewonnen.
Missmutig verzog ich den Mund, während ich versuchte mich unter der Masse des Tieres auf mir hervor zu winden. Ich fand das mehr als nur unfair. Überhaupt diese ganze Situation kam mir wie ein böses Spiel, als sonst etwas vor. Im Grunde war ich einfach machtlos und musste zusehen wie ein Tiger über mein Schicksal entschied. Ein verdammter Tiger.
Genervte trottete ich weiter hinter dem Tier her, zumindest fand ich noch ein paar weitere Hibiskusblüten in dem Falten meines Gewandes. Stumm musterte ich die dunkelvioletten Blätter, sie waren mit einer dünnen Schicht Honig benetzt und schimmerten leicht wen man sie ins Sonnenlicht hielt. Fasziniert betrachtete ich die feinen Adern der Blüte, welche eine dicht verzweigtes Netzt bildeten. Sie stützten das gesamte Blütenblatt und waren doch nicht viel stabiler als der Rest des Blattes, erst das Zusammenspiel all dieser Linien führten dazu das, dass Konstrukt der Blume funktionierte. Es gab tausende an Kleinigkeiten die zusammenspielten, es war alles Teil eines ganzen und auf seine Art und Weiße besonders und doch konnte nichts ohne das andere existieren. Wahrlich das Ganze war mehr als die Summe seiner Teile.
In diesem Fall hier spendete es mir etwas von der so dringend notwendigen Energie, die ich brauchte um weiter zu machen. Die Blüten waren süßlich mit einem leichten säuerlichen Nachgeschmack, wirklich sehr, sehr lecker. Ich verstand warum sie eigentlich dem Adel vorbehalten wurden. Es war nicht viel gewesen, doch reichte aus um meinen größten Hunger zu stillen, zumindest vorerst.
Ich hatte beschlossen den Tiger ab sofort einfach zu ignorieren, wenn er sich wie ein Arschloch benehmen musste dann sollte er seinen Spaß damit haben. Ich seufzte leise als mir bewusst wurde das ich begonnen hatte das Tier wie einen Menschen zu behandeln. Wie schön, der Dschungel machte mich wortwörtlich verrückt. Naja solange ich nicht begann mich mit ihm zu unterhalten oder ihm einen Namen gab. Ich war mir mittlerweile schon ziemlich sicher das der Tiger männlich war, anderst konnte das bei solchen Verhalten ja gar nicht sein.
Ich knallte mit voller Wucht gegen die Raubkatze und musste mich mit den Armen an ihm festhalten um nicht zu stürzen, beleidigt gab die Katze ein tiefes Knurren von sich und hob drohend die Tatze. Schnell stolperte ich ein paar Schritte zurück und hob beschwichtigend die Hände, während der Tiger fast schon genervt eine Kopfbewegung in die Richtung einer Felswand vor uns machte. "Was ist damit? Ich werde sicher nicht daran hochklettern." stellte ich fest, und realisierte zugleich das ich gerade mit dem Tier gesprochen hatte. Damit war eines klar: Für mich gab es keine Hoffnung mehr. Ich konnte nur den Kopf schüttel und versuchen, mir selbst einzureden dass das gerade ein Ausrutscher war und sicherlich nur daran lag das mir der soziale Kontakt des Dorfes fehlte. Das war einzig und allein der Grund dafür das ich mit einer Raubkatze sprach, nicht etwa daran das ich ihn als ebenbürtig betrachtete oder denken würde er könnte mich verstehen. Das war alles reine Einbildung.
Noch während ich so meinen Gedanken nach hing spürte ich eine kalte Schnauze an meiner Handfläche, erschrocken sprang ich ein Stück nach vorne und sah den Tiger vorwurfsvoll an. "Was sollte das jetzt?" meinte ich genervt, auch wen er mir keinerlei Aufmerksamkeit schenkte sonder stattdessen mich erneut Richtung Felswand drückte. Ich konnte nur den Kopf schütteln, es schien als wäre nicht nur ich mittlerweile durchgedreht. Der Tiger aber schob mich nur einfach weiter zu dem Gestein. Was daran den nur besonders sein sollte?
Langsam musterte ich den schroffen Stein, er wirkte etwas porös und an einer Stelle fast schon abgegriffen. Neugierig betrachtet ich den Fleck etwas näher, er hatte in etwa die Größe einer Handfläche und der Stein war tatsächlich schon glatt gegriffen. Wie konnte so etwas den sein? Außer mir war doch mit Sicherheit niemand jemals hier gewesen. Es sei den. . . . In Gedanken kehrte ich zu meinem Traum der letzten Nacht zurück und begann die Gegend abzugleichen. Das konnte doch gar nicht sein, es war doch nur ein Traum.
Vorsichtig hob ich meine Hand und legte sie in die kleine Kuhle des Felsens. Zuerst geschah gar nichts, dann spürte ich eine leichte Wärme von dem Stein kommen. Langsam begann dieses seltsame Glühen von gestern Abend wieder einzusetzen. Es übertrug sich von meiner Hand auf den Felsen und dieser begann ein tiefes Grollen von sich zu geben. Erschrocken machte ich einen Schritt zurück und konnte beobachten wie sich tiefe Risse in dem Gestein bildeten, die immer größer wurden, biss eine Art Höhleneingang in der Felswand entstanden war.
Verunsichert sah ich zu meinem Begleiter, doch das Tier war schon längst zu dem Loch getreten und wartete dort gelassen auf mich.
Ich seufzte leicht, das konnte doch nicht gut gehen. Dachte ich mir und folgte der Raubkatze in die Tiefen der Höhle.
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Die 7 Siegel
FantasyEs gibt Dinge die können dein gesamtes Leben ändern, einfach so, von eine Sekunde auf die andere. Manch mahl sehen wir vielleicht nicht gleich was diese Veränderung für uns bedeutet, aber das heißt nicht das wir die Chance nicht nützen sollten. ...
