Kapitel 9

31 4 0
                                        

Ich landete zwar auf den Füßen, verlor aber noch im selben Augenblick mein Gleichgewicht und stürzte kopfüber auf den Boden. Der Aufprall war schmerzhaft gewesen und ich rieb mir über meine aufgeschlagenen Knie, ehe ich den Kopf hob und dem Tiger vor mir einen genervten Blick zu warf. "Das ist alles ganz alleine deine Schuld." stellte ich klar und rappelte mich hoch, während das Tier schon wieder weiter lief, sollte ich ihm wirklich folgen? Unsicher blieb ich genau da stehen wo ich war. Mit viel Glück würde die Raubkatze ja einfach weiter laufen und mich vergessen.
Ich hatte kein Glück den nach zwei Meter blieb der Tiger stehen und sah mich wieder so komisch über die Schulter hinweg an. Ich gab ein resignierendes Seufzten von mir und trottet los, blindlings einem Tiger hinter her. Das war doch nicht normal, da war ich mir ziemlich sicher.
Naja zumindest hatte ich so die Möglichkeit mir die Umgebung etwas näher anzusehen, gestern war mir dafür ja kaum Zeit geblieben. 
Hier gab es weniger Bäume als bei uns, den Großteil der Fauna machten höhere Büsche und ein paar Gräser aus. Je weiter wir gingen desso mehr Felsen und Steine säumten unseren Weg, manche mit seltsamen alten Zeichen versehen, andere wirkten beinahe glatt geschliffen. Es brauchte seine Zeit bis ich realisierte das ich gerade durch Ruinen wanderte. Das hier musste wohl das Alte Gebiet sein von dem mir Suri erzählt hatte. Ob es ihr gut ging? Ich wusste nicht wie viele der anderen Menschen mein stummer Begleiter noch getötet hatte bevor er mir nachgesetzt hatte, aber ich hoffte stark das Suri davon gekommen war. Sie war so nett gewesen, doch wen ich realistisch war, standen die Chancen nicht sonderlich gut für sie. Selbst wen sie entkommen war, wie wollte sie im Dschungel überleben? Ich wusste selbst nicht wie ich das machen sollte, mich plagte schon seit einiger Zeit Hunger und Durst, doch ich wusste nicht woher ich etwas nehmen sollte um das Grummel in meiner Magengegend zu stillen.
Irgendwie bezweifelte ich stark das die Raubkatze vor mir sich viel dafür interessierte das ich etwas essen wollte. Ich wusste ja nicht einmahl warum ich ihr überhaupt nachlief, vermutlich weil ich sonst jegliche Hoffnung längst aufgegeben hatte und weil ich befürchtete das das Tier mich umbringen würde sobald ich ihm den Rücken zukehrte. Ja ich hatte nicht viel Vertrauen in diese Wesen, aber wieso auch es hatte ja schon versucht mich zu ermorden, warum sollte es das nicht wieder tun.
Ich war unaufmerksam geworden, was wie schon so oft zuvor mein Verhängnis wurde. Ich stolperte über eine Wurzel und schlug hart am Boden auf. Mit schmerzverzerrtem Gesicht tastete ich nach der Stelle an meiner Stirn an der auf der Erde aufgeschlagen war. Glücklicherweise konnte ich kein Blut spüren, dennoch tat das ganz schön weh, mit Sicherheit würde ich eine Beule davon tragen. Mir war mittlerweile jegliche Lust darauf vergangen mich auch nur noch einen Schritt weiter zu bewegen. Missmutig setzte ich mich im Schneidersitz hin und verschränkte die Arme vor der Brust. Der Tiger konnte mich gern haben, ich hatte Hunger, Durst und war müde, also wen nicht gleich von irgendwoher Essen auftauchte würde ich mich keinen Zentimeter mehr rühren. 

Die Raubkatze lief noch ein paar Schritte weiter bevor sie sich umdrehte um zu sehen wo ich blieb. Als das Tier mich am Boden sitzen sah, wandte es sich erstaunlicher weiße um und trottete zu mir zurück. Es setzte sich direkt vor mich, viel zu nahe für meinen Geschmack, ich konnte sogar die feinen Schnurrhaare erkennen, welche rund um seine gewaltiges Maul verteilten. Meine Muskeln hatte sich komplett verspannt und ich lehnte mich etwas weiter nach hinten. Ganz vielleicht war mein Entschluss mit dem hier sitzen bleiben, doch nicht ganz so unumstößlich, wie ich gedacht hatte. Die analytisch Goldtaler des Tieres musterten mich so ausgiebig, ich legte wie zum Schutz meine Arme um meinen Oberkörper, als könnte ich so den Blick des Tigers abhalten. Angespannt musterte ich ihn und wagte es kaum mich zu bewegen, meine Atmung war flach geworden und irgendwo in meinen Kopf schrie mich eine kleine Stimme an, jetzt einfach weiter zu gehen und die Raubkatze nicht zu provozieren. 
Ich beschloss lieber auf die Stimme zu hören und richtete mich ganz langsam wieder auf, Hunger war besser als tot zu sein.
Während ich mich erhob hörte ich ein komisches Knacken und sah verwundert auf den Fleck Erde auf dem ich gesessen hatte. Dort lag verbröckelt eine getrocknete Blüte, ich kannte diese Ding doch. Natürlich das war eine der Hibiskusblüten die Kan mir geschenkt hatte. Der gute alte Mann, vorsichtig hob ich die Überreste der Blume auf. Ohne es zu wissen hatte mein langjähriger Freund mir ein viel größeres Geschenk gemacht als er gedacht hatte.
Ein leichtes Lächeln breitete sich auf meinen Lippen aus. Zum ersten mal seit einer langen Zeit keimte so etwas wie Hoffnung in mir auf und verschwand noch im selben Moment als eine lange raue Zunge die Überreste der Blätter von  meinen Handflächen stahl. Schockiert starrte ich auf meine nun nassen Hand. Wie konnte dieses Monster es nur wagen? Ich hob den Blick und funkelte das verfluchte Tier voller Wut an. Der Tiger schien sich jedoch nicht weiter für meinen Zorn zu interessieren, sonder schleckte sich nur genüsslich die Lefzen, ehe er sich wieder umwandte und einfach weiter trottete. Ungläubig sah ich dem Tier nach, das konnte doch nicht sein Ernst sein. Warum? Was fiel ihm nur ein? Genervt stampfte ich dem blöden Vieh nach, das wars jetzt endgültig für mich. Ich hatte ja sowas von genug. 
Aufgebracht stellte ich mich direkt in den Weg des Tigers und wollte gerade mit einer wütenden Predigt beginne, als das Tier einfach an mir vorbei lief. So etwas würde ich mir nicht bieten lassen. Ich hatte wirklich genug, das war doch alles samt ein übler Scherz. Meine Wut steigerte sich immer mehr, ich fand das alles einfach nur lächerlich. Wenn die Götter sich einen Spaß erlauben wollten dann sollten sie sich verdammt nochmal jemand anderen aussuchen. Und dieser Tiger, was sollte der den schon wieder sein. Er war so oder so viel zu groß für ein Tier seiner Art, schien mich zu verstehen und auch noch zu denken mir etwas vorschreiben zu können.
Und warum? Zur Belustigung und Unterhaltung von irgendjemanden, denn ich weder kannte noch verpflichtet war. Ich kam mir vor wie eine bescheuerte Marionette.
Die ganze Wut die sich über die letzten Tage in mir aufgestaut hatte kam mit einem mal hoch. Ich hatte es gehörig satt von allen wie eine wertlose Puppe behandelt zu werden und der erste dem ich meine Meinung geigen würde war dieser verfluchte Tiger. 
Mir egal ob er mich fressen würde oder nicht. Sollte er doch dann wäre das ganze Drama vorbei.

Die 7 SiegelGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt