Kapitel 2

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Amala lachte begeistert und schien überhaupt kein Problem damit zu haben im Mittelpunkt zu stehen. Das fünfzehnjährige Mädchen, strahlte so fest während einer der Schauspieler mit ihr tanzte, die Sonne hätte eifersüchtig werden können. Fasziniert beobachtet ich meine Schwester, wie sie sich leichtfüssig und doch schwungvoll drehte, wie ihre kinlangen ebenholzfarbenen Haare um ihr Gesicht wirbelten und sie aus vollem Herzen lachte. Sie genoss diesen Moment in vollen Zügen, so wie sie ihr ganzes Leben genoss. Amala schien immer glücklich zu sein, jede einzelne Sekunde ihres Daseins, nie zeigte sich ihr gegenüber jemand anderst als zuvorkommend und liebevoll.
Während ich sie bei ihrem Tanz betrachtete, spürte ich wie der Neid in mir hoch kam. Mir war es nie vergöhnt gewesen so unbeschwert zu sein, nie hatte man mich Kind sein lassen. Amala wurde von allen geliebt, die Tochter des Hohen-Priesters, ein Sonnenschein durch und durch. Ich aber seine Erstgeborene war nun mahl Durga geweiht worden, die Menschen waren sich nie sicher wie sie mir begegnen sollten, aber sie schienen sich einig zu sein das sobald, etwas schlechtes geschah sie es darauf schieben konnten das ich eine meiner Pflichten vernachlässigt hatte. Gut, so schlimm war es auch nicht, aber so fühlte es sich für mich an. 

Während ich so meinen Gedanken nachgehangen war, entging mir wie die Schauspieler ihre Vorführung beendeten und sich zurück zogen. Erst als ich von irgend jemanden angerempelt wurde, drängte sich mir diese Tatsache wieder auf. Verdammt ich hatte Amala vollkommen aus den Augen verloren, das durfte doch nicht wahr sein, warum musste ich immer so unaufmerksam sein? Wo konnte meine kleine Schwester nur wieder hin sein? Bei so viel Freude wie ihr das Tanzen gemacht hatte war sie sicher mit den Schauspielern mitgegangen.
Es dauerte etwas bis ich jemanden fand der mir sagen konnte wo die Reisenden ihr Lager aufgeschlagen hatten. Es war am Südlichen Rand des Dorfes, einer der Bauern hatte ihnen gestattet sich auf einem Teil seiner Weiden auszubreiten. Ich konnte nur hoffen das Amala noch dort war. Mein Vater würde sehr sauer sein wen ich ohne sie wieder kam.
So schnell wie meine Füße mich tragen wollten lief ich zu dem genannten Feld, durch die brütende Hitze kam ich schnell ins Schwitzen und musste mein Tempo wohl oder übel verlangsamen, laufen war noch nie meine Stärke gewesen, aber als Tempeldienerin musste ich dies ja auch gewöhnlich nicht tun.

Es kostete mich beinahe fünfzehn Minuten bis ich den Lagerplatz der Schauspieler erreicht hatte und als ich ankam, musste ich erst einmahl kurz Luft holen um überhaupt wieder grade stehen zu können. Noch während ich so nach Luft keuchte konnte ich Amalas Lachen hören. Sie saß auf einem der Wagen und schien sich prächtig zu unterhalten. Ich musste ein Seufzen unterdrücken, ehe ich zur ihr ging. Mir fiel erst jetzt auf wie staubig der Boden hier war, bei jedem Schritt wirbelte ich tausende kleiner Partikel auf die wie kleine Sterne im Sonnenlicht funkelten, ehe sie sich wieder zurück auf den Boden legten. Wie schön doch manche noch so kleinen Sachen sein konnten, zu oft vergaß ich auf sie zu achten, dabei waren sie doch eines der größten Geschenke das die Natur für uns hatte.
"Tara, du bist hier? Ich wusste gar nicht das du heute frei hast." Amalas feines Stimmchen riss mich aus meinen Gedanken. Sie saß noch immer auf dem Holzwagen, aber jetzt war die Aufmerksamkeit ihrer beiden Gesprächspartner auf mich gerichtet. Ich spürte wie sich eine gewisse Unruhe in mir breit machte, ich stand nicht gerne im Mittelpunkt und noch weniger mochte ich es wen ich so genau gemustert wurde wie jetzt. 
"Habe ich auch nicht, Vater schickt mich dich zu holen." ich versuchte die beiden jungen Männer nicht weiter zu beachten und konzentrierte mich vollkommen auf meine Schwester. "Muss das den sein Tara, ich würde viel lieber noch etwas hier bleiben. Schau doch ich habe sogar schon neue Freunde gefunden." sie deute auf die beiden Männer, welche sogleich eine leichte Verbeugung machten. Schon sonderbar wie schnell Amala andere unter ihrer Kontrolle brachte und wie wenig es eben diese Menschen zu stören schien, das sie teils von ihnen sprach als wären sie von geringeren Wert als sie selbst. "Du bist also Tara, deine Amala hatte erwähnt das sie eine Schwester habe, doch ich dachte irgendwie das diese jünger sei. Immerhin meinte sie doch in ihrer Familie wäre noch niemand jemanden versprochen worden." während der Junge dies sagte grinste er meiner Schwester leicht zu und diese musste leicht kichern, ich verdrehte nur die Augen, was hätte ich auch anders erwarten sollen, natürlich spielte sie ihre Spiele mit dem jungen Mann. Er sah nicht allzu schlecht aus, was groß, sogar eingermassen muskulös und hatte charmante Augen und doch störte mich etwas an ihm, ich konnte nur noch nicht sagen was. "Das liegt daran das Tara nicht heiraten darf, sie ist Durga geweiht." erklärte Tara schnell und grinste mich frech an. Warum musste sie nur immer so vorlaut sein, was ging es diese Männer an wem ich geweiht war und überhaut warum sprach sie mit ihnen, sie waren doch so oder so nur auf der Durchreise.
"Amala ich denke du warst für heute wirklich lang genug unterwegs, komm jetzt bitte mit mir zurück. Vater macht sich schon Sorgen." es fiel mir schwer einen freundlichen Ton beizubehalten, wo ich sie doch eigentlich viel lieber einfach mit ziehen würde. Ich wurde nicht gerne daran erinnert das ich nicht mir selbst gehörte und das wusste sie auch ganz genau.
Meine kleine Schwester seufzte und sprang vom Wagen. "Wir sehen uns im Tempel, versuch doch mit mir mit zu halten." meinte sie und lief los. 
Ich sah ihr einfach nur nach, mit Sicherheit würde ich nicht laufen, ich war immer noch erschöpft von meinem Sprint hier her. Während ich sie so rennen sah, wurde mir mahl wieder bewusst weshalb sie alle so liebten. Amala war wirklich sehr hübsch, nicht sonderlich groß von schlanker Gestallt, mit wunderbar gelockten Haaren die ihr feines Gesicht umrahmten. Sie wusste wie man mit Meschen umging und es gab kaum jemanden der ihr und ihren großen Rehaugen nicht verfiel.

Ich seufze nur und folgte ihr langsam, so wie sie würde ich nie sein, also warum träumte ich davon. Ich war kurz davor das Lager zu verlassen als ich noch einen einzelnen Satz aufschnappte, der mir zwar bedeutungslos schien, aber doch irgendetwas in mir zu Misstrauen anregte.
"Unberührte und rein. So sind sie am meisten wert."

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