Die nächsten zwei Wochen vergingen für mich wie im Flug. Jeder einzelne Tag lief exakt gleich ab. Ich wurde von Nisa geweckt, wir Frühstückten und anschließend half ich ihr im Garten während sie mir von meiner Begabung und der Geschichte in die ich hineingezogen worden war, erzählte. Zu Mittag tauchte dann immer Ravin auf, ignorierte mich mittlerweile und aß ein bisschen ehe wieder in den Wald abzog. Den Nachmittag verbrachte ich damit das Buch zu studieren und zwanghaft zu versuchen von selbst diese blaue Leuchten zu erzeugen, das machte ich solang bis Ravin am Abend zurück kam, sich darüber lustig machte das ich nichts konnte und wir dann alle samt schlafen gingen. Ich hatte mich fast schon an die Gesellschaft von Nisa und Ravin gewöhnt. An das häufige nörgel und tadeln der alten Frau, das doch eigentlich nur gut gemeint war und an die ständigen fiesen Kommentare von Ravin. Anfänglich hatte ich ihm noch Konter geboten, doch wie sich rausstellte interessierte er sich nicht einmahl wirklich für mich, es war einfach seine Art Frust abzulassen. Ich hatte noch keinen einzigen sinnvollen Wortwechsel mit ihm geführt und um ehrlich zu sein war ich auch gar nicht wirklich scharf darauf.
Nun saß ich neben Nisa am Esstisch und beobachtet Ravin dabei wie er mehr als die Hälfte des Essens alleine vertilgte und kaum etwas für uns übrig ließ. Er schob dieses Verhalten auf die lange Zeit als Tiger, ich hielt es einfach nur für adeligen Egoismus. Immer wider spielte er darauf an das er eigentlich ein Prinz sein und nicht wüsste warum er meine Hilfe brauchen sollte, dann fragte Nisa ihn automatisch ob er den eine Gabe der Durga besäße und Ravin musste zerknirscht verneinen. Ich hatte mittlerweile verstanden das es ihm nicht gefiel, dass er nicht in der Lage war sein eigenes Land zu retten, für ihn war ich nichts weiter als ein unliebsames Mittel zum Zweck. Nisa hatte mir erklärt das er schon immer ziemlich eingebildet war, aber anscheinend sein Herz am rechten Fleck hatte, daran zweifelt ich zwar etwas aber gut, nicht mein Thema.
"Morgen zu Mittag wird es soweit sein." stellte Nisa während zwei Bissen Chutney fest und hob dabei kaum den Kopf. Mir blieb mein Essen fast im Hals stecken. "Was meinst du mit es ist soweit?" hackte ich vorsichtig nach und musterte sie misstrauisch. "Damit meine ich das ich dir alles erzählt habe was ich weiß, den Rest musst du selbst herausfinden. Ihr werdet gegen Mittag aufbrechen, ich kann euch nur noch sagen was das erste Sigel sein wird, mehr steht nicht in meiner Macht." ungläubig starrte ich die ehemalige Priesterin an, nun schalltet sich auch Ravin ein:" Das ist doch lächerlich, sie kann ja noch nicht einmahl dieses komische Leuchten erzeugen." murrte er und schaufelte weiter Essen in sich hinein, ich verstand wirklich nicht wie er soviel essen und dann den ganzen Tag nicht tun konnte ohne das er auch nur einen Gram zunahm. "Das Leuchten wie du es nennst, ist nicht weiter bedeutend, aber das werdet ihr schon noch selbst feststellen." meinte daraufhin Nisa und erhob sich vom Tisch "Es wird Zeit das ihr schlafen geht, morgen wird sehr anstrengend." sie ließ mich einfach alleine mit einen missmutig dreinschauenden Ravin zurück. Der warf mir noch einen letzten verächtlichen Blick zu ehe er ebenfalls aufstand und ging.
Ich hatte in diese Nacht kaum geschlafen, wie sollte ich das alles was auf mich zu kam nur schaffen. Seit das alles hier begonnen hatte, war nun gut ein Monat vergangen, in dem ich mir immer sicher gewesen war das sich alles verändert hatte, aber so bewusst wie jetzt in diesem Moment war es noch nie gewesen. Es hatte sich immer unwirklich angefühlt, als wäre das alles weit weg von mir und nicht real. Zum ersten mal musste ich mich direkt damit auseinander setzen was da draußen auf mich wartete. Ein leichtes Zittern jagte über meinen Körper und ich setzte mich ruckartig auf. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Ich war ja nicht einmal gefragt worden ob ich das alles wollte. Mann hatte mich einfach entführt. Zweimal! Niemand schien sich auch nur ansatzweise dafür zu interessieren was ich eigentlich von dieser ganzen Geschichte hielt. Es war ganz einfach nur lächerlich. Als ob eine einzige Person ein ganzes Königreich retten konnte. Ich meine wie den überhaupt? Ich wusste ja nicht einmahl genau was diese Gabe genau sein sollte von der alle sprachen. Müde rappelte ich mich auf und tappte durch die Dunkelheit des Hauses hinaus zu Terrasse, wo ich mich auf dem Rand niederließ und stumm die Spiele des Mondlichts beobachtet. Licht jagte Schatte, Schatten jagte Licht, ein ständiges Wechselspiel zwischen hell und dunkel, ohne klare Ränder oder Muster. In der Nacht schien alles surreal, der abgebrochen Baumstumpf wurde zu einem kleinen Häuschen, die vom Wind herumgewirbelten Bambus-blätter zu eleganten Feen die zwischen den Büschen tanzten. Ein sanftes Lächeln schlich sich auf meine Lippen, und ich spürte wie ein Ärger zu schmelzen begann. Vielleicht konnte ich es ja wirklich schaffen, was auch immer es sein sollte. Würde es sich nicht lohnen solch eine Welt zu erhalten? Auf jeden Fall. Wenn Blätter zu magischen Wesen werden konnten dann konnte doch auch ich ein kleines Wunder bewirken.
"Warum finde ich dich eigentlich immer irgendwo alleine herumsitzen?" ertönte die melodische Stimme von Ravin. Ich machte mir nicht einmal die Mühe mich zu ihm umzudrehen, auf seine blöden Sprüche hatte ich jetzt wirklich keine Lust. Ich wollte alleine sein und ein letztes Mal die Schönheit der Nacht genießen, ehe ich zu diesem Abenteuer aufbrach. "Du hast Angst oder?" noch immer weigerte ich mich ihn anzusehen, ich würde diesem Mann mit Sicherheit keine neue Angriffsfläche bieten. Ich konnte spüren wie sich die Holzlatten unter seinen Gewicht durch bogen als er sich neben mich setzte. "Ist schon gut, ich verstehe das du nicht mit mir reden willst. Hin und wieder kann ich wirklich etwas . . . . anstrengend sein." ich hob leicht eine Augenbraue "Etwas?" fragte ich nach und bereute es noch im selben Moment, als ich sah wie er zu Grinsen begann. *Verdammt!* "Aha! Also kann unsere kleine Tara doch reden." ich verzog genervt das Gesicht. Sowas war unfair, erschaffte es wirklich jede Kleinigkeit gegen mich zu verwenden. "Ist ja schon gut, ich werde dich in Ruhe lassen, aber versuch doch zumindest etwas zu schlafen. Du magst es nicht glauben aber diese Geschichte ist sehr wichtig für mich." Es überraschte mich nicht wenig das er einfach so ging, ohne einen weitern Scherz. Kurz sah ich Ravin noch nach, hatte er die Wahrheit gesagt? War das wirklich so wichtig für ihn? Ich konnte es nicht beurteilen. Dazu fehlte mir vermutlich sogar jegliches Recht und doch interessierte mich warum das alles so eine Bedeutung für ihn hatte. Allein ein möglicher Königstitel konnte es doch nicht sein oder?
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Die 7 Siegel
FantasyEs gibt Dinge die können dein gesamtes Leben ändern, einfach so, von eine Sekunde auf die andere. Manch mahl sehen wir vielleicht nicht gleich was diese Veränderung für uns bedeutet, aber das heißt nicht das wir die Chance nicht nützen sollten. ...
