Kapitel 13

26 4 0
                                        

Gierig schaufelte ich das Curry in meine Mund, ich ließ mir kaum Zeit zum schlucken, aber das Zeug war köstlich, zwar verdammt scharf, aber köstlich. Mir war gar nicht erst bewusst gewesen wie hungrig ich war. Wie lange hatte ich den eigentlich nichts mehr gegessen, mahl abgesehen von den paar Hibiskusblüten von Kan? Es waren sicher schon mehrer Tage. Auf jeden Fall viel zu lange für meinen Geschmack. Ich hatte schon fast die zweite Schüssel gelehrt und hätte kein Problem damit noch eine weiter in mich hinein zu schaufeln, doch Nisa tadelnder Blick ließ mich innehalten. Langsam senkte ich den Löffel und richtete mich etwas auf so das ich gerade saß ehe ich wieder etwas von dem Curry aß. Dieses mal beherrschter und geordnet, darauf bedacht nicht erneut die Missbilligung der altern Frau auf mich zu ziehen.
Als ich fertig war schob ich die hölzerne Schüssel ein kleines Stück von mir weg und faltete ordentlich meine Hände, so wie es sich einer Priesterin der Durga gegenüber gehörte. "Ihr Curry war wirklich hervorragen, bitte entschuldigen sie mein unangemessenes Benehmen." ein leichtes Lächeln erschien auf den Lippen der Frau mir gegenüber. "Du bist sehr höfflich junge Dame, aber es reicht vollkommen wen du beim Du verbleibst. Ich bin schon viel zu alt für solch Höflichkeiten. Sie sind reine Zeitverschwendung wenn du mich fragst." ich nickte eifrig, und trank noch einen Schluck von dem klaren Quellwasser das sie mir gegeben hatte. 

"Was hältst du davon dich jetzt noch etwas auszuruhen und wenn du wieder aufwachst erzahle ich dir mehr über all das hier." wieder nickte ich nur, mir viel es schwer mich ihr gegenüber zu äußern. Sie war so bestimmt und selbstbewusst, auch wen ihr Äußerliches das komplette Gegenteil ausstrahlte. Sie war klein, zierlich und irgendwie zerbrechlich, schon komisch wie widersprüchlich ein Mensch sein kann. Ich folgte Nisa durch die kleine Holzhütte, zu einem durch ein Bambus-Paravent abgetrennten Teil des Hauptraumes.  Hier lag eine Matte auf dem Boden und es gab eine dünnen Decke so wie einen kleinen Polster und ein Schüssel zum waschen. Dankbar lächelte ich und legte mich auf die Matte, sie war bequemer als sie aussah, und außerdem alles war besser als Felsboden. Ich hatte das Gefühl endlich wieder richtig schlafen zu können. Nisa nickte mir zum Abschied noch kurz zu, doch noch bevor ich diese Geste erwidern konnte übermannte mich der Schlaf.

Mit einem tiefen Gähnen verdrängte ich die letzten Reste der Traumwelt aus meinen Gedanken, während ich mich ausgiebig streckte. Ich fühlte mich wunderbar erholt und ausgeruht. Ein herrliches Gefühl, warum hatte ich nur solange darauf verzichten müssen? Vorsichtig robbte ich von der Matte auf den Holzboden und tauchte meine Hände in das kalte Wasser und spritzte es mir ins Gesicht. Es erfrischte mich und vertrieb den letzten Rest der Müdigkeit aus meinem Körper. Ich wollte ganz eindeutig öfter so auf wachen. Nachdenklich trat ich hinter dem Paravent hervor und sah als erstes den Tiger der ausgestreckt im Raum lag, ich konnte mich nicht erinnern das Nisa ihn herein gelassen hatte als wir ankamen, aber mittlerweile hatte ich mich so sehr daran gewöhnt das er da war wen ich aufwachte, das es komisch wäre wenn er fehlen würde. Egal wie bedrohlich ich ihn fand. 
"Oh du bist wach, sehr schön. Dann können wir gleich anfangen." verwirrt sah ich Nisa an, mir war vollkommen entgangen wie sie das Zimmer betreten hatte. Sie deutet auf den Tisch und ich setzte mich während die Alte eine Tasse mit Malven-Tee vor meine Nase stellte. Der leicht herbe Geruch erinnerte mich stark an Kans Laden und mich überkam so etwas wie Heimweh, ehe ich von einem Schnippen Nisas zurück ins hier und jetzt befördert wurde. "Also was weißt du schon alles über das Buch?" fragte sie und deutet auf das ledergebundene Buch. Kurz überlegte ich und sammelte alle Bruchstücke an Wissen über das Buch die ich hatte. "Also ich weiß das es von 7 Siegeln geschützt ist. Ich denke jedes steht für eine von euch." sie nickte leicht " Ihr habt Magie oder so etwas verändert um sie zu erschaffen, und ihr habt das mit dem Ziel gemacht irgendein Unrecht zu beheben. Ach ja und ihr habt es verflucht, deshalb habe ich auch nicht vor es zu berühren." Nisa lächelte leicht und schüttelte dabei ihr Kopf so das die silbrigen Locken hin und her sprangen. "Nein, nein. Es ist doch nicht verflucht. Wir haben jeglich einen Schutzzauber darüber gelegt das es niemand missbrauchen kann. Du musst wissen das diese Buch sehr mächtig ist." Ihr Blick wurde eindringlicher und sie zog es zwischen uns, ihre Hände strichen fast schon liebevoll darüber. "In diesem Buch beherbergt viele Geheimnisse und noch viel mehr Lösungen. Es wurde gefertigt um ein ganzes Volk zu befreien, aber wir haben nie daran gedacht was passiert wenn es befreit wird." Neugierig fixierte ich die alte Frau. Was hatte es nur mit diesem Buch auf sich.
"Vermutlich fange ich besser ganz vorne an:" setzte Nisa an und schenkte mir ein freundliches Lächeln, doch in ihren Augen konnte ich Traurigkeit erkennen, diese Geschichte musste ihr sehr wichtig sein.

"Wie du schon weißt gab es hier einmahl eine einzigartige Tempelanlage zur Ehren Durgas, was du nicht wissen kannst ist das zu der Zeit in der ich dort diente, Indien von einem furchtbaren Herrscher regiert wurde. Er war ein Tyrann rücksichtslos und brutal, von seinem Volk gefürchtet und von seinen Diener gehasst. Er forderte jedes Jahr neue Opfer und Diener, es gab kaum jemanden der sich seiner Macht entziehen konnte. Gegen Ende verbot er sogar den Glauben an die Götter, doch das war zu viel. Mann darf einen Menschen nicht seinen Glauben rauben, nur weil er einem nicht gefällt. Sina war eine starke Verächterin Durgas, wenn nicht sogar die Stärkste uns als bekannt wurde das mann die Tempelanlage einreisen wollte nur um dort einen Sommerpalst zu erbauen, wurde sie wütend. Sie flehte Durga an, ihr die Möglichkeit zu geben Indiens Volk zu befreien. Und Durga erhörte ihre Gebete, sie schenkte ihr ein Buch und sechs anderen von ihren Dienerinnen eine unglaubliche Macht, auch mir. Ich habe nie verstanden wie sie funktionierte, aber das war auch nicht weiter wichtig, denn ich besaß meine Kraft nicht lange. Als Sina endlich wusste wer noch Durgas Gabe erhalten hatte, versammelte sie uns alle und wir opferten unsere Kräfte mit einem einzigen Ziel. Den Herrscher Indiens zu stürzen. Wir hatten Erfolg, mehr oder weniger. Vasil wurde wie aus dem nichts krank, doch wir haben ihn unterschätz. Zwar mochte er nicht mehr in der Lage sein das Land zu regieren doch er konnte noch einen Nachfolger bestimmen, der mindestens genauso schlimm war wie er selbst. Sein Neffe war tatsächlich kaum besser. Genauso grausam und unberechenbar, aber weniger selbstsicher. Also bat Sina erneut um Hilfe, doch Durga antwortet ihr nur, dass sie schon alles hätte was sie dafür bräuchte. 
Wir haben viele Stunden gerätselt wie wir das Volk erneut retten konnten, bis Ravin plötzlich bei uns auftauchte. Er wäre der rechtmäßige Thronfolger gewesen und Durga hatte ihm versprochen, es gäbe jemanden der ihm helfen könnte sein Volk zu retten. Wir trugen alle unsere Informationen zusammen und fanden heraus das mann Vasils Nachfolger nur stürzen konnte wenn man alle Kräfte des Buches besaß, doch wir konnten die Siegel  nicht mehr öffnen den wir hatten sie ja geschlossen. Also mussten wir warten bis jemand kommen würde der die Siegel brechen konnte. Doch niemand wusste wie lange das dauern konnte und wir brauchten einen Beschützer für das Buch, denn niemand von uns besaß noch genug Kräfte um einen wirklichen Schutz darzustellen.  Da erklärte sich Ravin bereit dass er das Buch schützen wollte, dafür brauchte er aber eine andere Gestallt, eine Gestallt in der er nicht altern würde. 
Wir sammelten unsere letzten Kräfte und konnten ihn mit Durgas Hilfe, in ein Abbild ihres Reittiers verwandeln. Seit dem durchstreift er diese Wälder und sucht nach jemanden der die Gabe in sich trägt." Ihr Blick schweifte zu dem Tiger der noch immer tief und fest schief.
Ungläubig folgte ich ihrem Blick, das dort war gar kein Tiger? Was zwar erklären würde warum das Tier sich verhalten hatte wie es verhalten hatte, aber dennoch nicht wirklich Sinn für mich ergab. 

Die 7 SiegelGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt