Als Frey wieder aufwachte, verspürte er nur noch Hunger. Seine Kopfschmerzen waren weg, trotzdem, war ihm immer noch übel, was wahrscheinlich daran lag, dass er in den letzten beiden Tagen nicht wirklich etwas gegessen hatte. Aber was ihm auch auffiel, war dass er nicht alleine in dem Bett lag. Müde drehte er sich um und blickte auf den Rücken von Riley. Dieser schlief tief und fest, und nur seine regelmäßigen Atemzüge waren zu hören. Draußen musste es schon dunkel sein, denn Riley hatte die Vorhänge wieder geöffnet und es war trotzdem stock dunkel in dem Zimmer. Etwas unsicher, schob der Junge die Bettdecke zur Seite und kroch aus dem Bett. Von draußen drangen noch Geräusche eines Fernsehers zu ihm durch, was wohl hieß, dass Alex noch wach war. Unsicher versuchte Frey die Türe zu öffnen. Sie war nicht abgeschlossen. Vorsichtig steckte der schwarzhaarige seinen Kopf aus dem Zimmer und sah sich um. Er konnte nur den laufenden Fernseher sehen. Er traute sich nicht wirklich hinaus zu gehen, weshalb er einfach wieder die Tür schloss und sich zu Riley in das Bett legte. Aber einschlafen konnte er nicht. Dafür war er zu hungrig. Aber der Junge wollte Riley nicht wecken und Alex auch nicht um etwas bitten, denn dieser würde ihn sicher anschreien und davon scheuchen. Wahrscheinlich zurück in die kleine Kammer. Dahin wollte Frey wirklich nicht mehr. Er schloss einfach wieder seine Augen und versuchte trotz seines knurrendes Magens einzuschlafen. Doch als die Tür zu dem Zimmer geöffnet wurde, zuckte er kurz zusammen und zog sich die Decke ein wenig höher. Fast schon automatisch rückte er näher an Riley heran. Als ob dieser ihn schlafend beschützen könnte. ,,Ey Kleiner, ich weiß, dass du nicht schläfst. Ich nehme an, dass du hungrig bist? Ich gehe jetzt ins Bett. Du kannst dir etwas aus dem Kühlschrank nehmen, aber sei leise. Und mach ja keine Dummheiten!", knurrte Alex der lässig im Türrahmen lehnte. Frey setzte sich kurz auf und sah zu Alex. Erst jetzt fielen dem Jungen die dunklen Augenringe des Mannes auf. Er nickte jedoch nur und schälte sich erneut aus der Bettdecke. Alex verschwand aus seinem Blickfeld und Frey hörte nur noch eine zuschlagende Tür. Erst nach einigen verstrichenen Minuten, wagte Frey es das Zimmer zu verlassen. Er ließ die Lichter ausgeschaltet und tappte leise in die Küche. Erst dort wagte er es die kleine Herdlampe anzuschalten und öffnete den Kühlschrank. Alex war wohl einkaufen gegangen, denn im Kühlschrank waren wirklich viele Leckereien. Frey aber nahm sich nur ein Stück Brot und bestrich das mit Butter. Auch wenn er weitaus mehr wollte, aß er jedoch nur das Butterbrot, welches er auf einen Teller legte. Er mochte es nicht, etwas von anderen zu nehmen, ohne sicher sein zu können, dass er das auch wirklich essen durfte. Es war ihm sogar unangenehm das Butterbrot zu essen. Dazu füllte er sich ein Glas mit Wasser und setzte sich an den Tisch. Im dunkeln knabberte er schließlich an dem Brot, dabei merkte er gar nicht, dass Riley aus dem Zimmer kam. Erst als sich dieser dazu entschloss die Lichter anzumachen, wurde er bemerkt. Natürlich zuckte der Junge zusammen und sah sofort zu dem jungen Mann, der verschlafen grinste.
,,A..Alex hat gesagt, ich soll mir etwas zu essen nehmen.", sagte er sofort und rückte zur Seite, als Riley sich neben ihn setzte. Dieser trug jetzt nur eine graue Jogginghose und ein weißes T-Shirt. Er schüttelte nur leicht den Kopf. ,,Schon gut. Willst du wirklich nur dieses karge Brot essen? Ich wollte mir selbst auch etwas zu essen machen, habe mich dann aber doch dagegen entschieden. Jetzt aber, da ich dich sehe, mache ich mir doch etwas. Was willst du?", erklärte der Mann und fuhr ihm durchs Haar. Riley wäre bestimmt ein guter Vater, wenn er kein Krimineller wäre.
,,Ich weiß nicht. Mach einfach dir etwas, ich gehe wieder ins Bett.", beeilte sich Frey zu sagen und wollte schon aufstehen, doch er wurde von Riley wieder zurück gezogen.
,,Nein, schon okay. Magst du...Eier mit Speck? Ein verfrühtes Frühstück. Ich habe ja auch Hunger, also mach dir nichts daraus. Du kannst dir ruhig einen Tee machen, du musst nicht das Wasser aus dem Wasserhahn trinken, komm. Du kannst mir helfen."; meinte Riley und erhob sich. Frey nahm sein leeres Geschirr mit zur Spüle und stellte es dann hinein. Danach holte er sich eine Tasse aus einem Wandregal und füllte diese in die Mikrowelle, ehe er diese auf zwei Minuten stellte und wartete.
Er beobachtete den jungen Mann dabei, wie er eine Packung Eier und eine Packung Speck aus dem Kühlschrank und zwei Pfannen aus einem Schrank holte. Diese stellte er auf den Herd und holte zwei Eier heraus. ,,Wie viele Eier möchtest du denn?", wandte sich der braunhaarige schließlich an den Jungen, welcher schüchtern zu Boden sah.
,,Nur eines bitte.", gab dieser leise zurück und sah dem Mann dabei zu, wie er die Eier aufschlug und sie in das brutzelnde Öl fielen. In die andere Pfanne, war er ein paar Speckstreifen und räumte alles wieder weg. Im selben Moment, piepte die Mikrowelle und Frey holte vorsichtig seine Tasse hinaus. Riley hatte ihm in der Zwischenzeit einen Teebeutel hingelegt, welchen der Junge nun in das Wasser hängte und die Tasse zu dem Tisch hinüber stellte. ,,Darf ich dich mal etwas fragen?", sagte er zu Frey welcher zögernd nickte.
,,Als ich dich gestern geschlagen habe, hast du so reagiert, als wärst du das schön gewohnt, warum?", es überraschte Frey, dass er ihn das fragte. Weshalb der Junge auch nicht wusste, ob er dem Mann die Wahrheit sagen sollte. Eigentlich hatte er nichts zu verlieren, also warum nicht?
,,I..Ich bin das auch gewohnt.", antwortete Frey ihm und umschlang sich selbst mit seinen Armen. Etwas verwirrt sah Riley ihn an, was Frey wirklich verunsicherte. Er senkte sofort seinen Blick und wich ein paar Schritte zurück. ,,Warum denn das?", fragte Riley erschrocken und runzelte die Stirn.
,,K..Kann ich dir das während wir essen erzählen? Ich bin wirklich hungrig.", versuchte Frey der Frage des Mannes auszuweichen und hoffte, dass dieser seine Frage vergessen würde. Natürlich nickte der junge Mann und holte das Essen aus den Pfannen, ehe er es auf zwei Teller aufteilte. Zu Freys Überraschung, trug Riley beide Teller zu dem Tisch und kam dann zurück um Besteck zu holen. ,,Komm. Der Tisch hat dich nicht gebissen und ich werde es auch nicht.", grinste Riley und sah dabei irgendwie süß aus. Mit seinen verwuschelten Haaren und dem Schlafzimmerblick. Schnell folgte der Junge ihm und setzte sich neben ihm an den Tisch.
,,Also, erzählst du es mir jetzt? Ich werde auch nichts dazu sagen, wenn du es nicht willst, und Alex werde ich auch nichts sagen. Versprochen."
Erst zögerte er und rutschte ein Stück von Riley weg, welcher ihn einfach machen ließ, doch dann nickte er leicht. Er würde Riley wahrscheinlich eh nicht mehr sehen und außerdem, konnte es doch sein, dass Riley ihn verstehen würde.
,,Meine Eltern haben mich nach meiner Geburt zur Adoption frei gegeben, sie wollten mich nicht. Danach bin ich die ersten zwei Jahre in einem Kinderheim aufgewachsen und habe dann in den restlichen dreizehn Jahren, vierzehn verschiedene Pflegefamilien gehabt. Mehr als die Hälfte von denen haben mich geschlagen, missbraucht, beschimpft, oder einfach nur ignoriert und einfach eingesperrt. Ich hab mich damit abgefunden, weil ich eh nichts dagegen machen konnte. Meine jetzige Pflegefamilie ist recht nett. Zumindest werde ich da nicht geschlagen oder so. sie sind wirklich nett, aber, ich weiß, dass ich nicht zu denen dazu gehöre. Bei Familien Ausflügen, haben sie mich zwar mitgenommen, aber meistens bin ich hinter ihnen gelaufen, während sie immer gemeinsam gelacht haben oder so. ich fühle mich auch nicht wirklich wohl bei ihnen. Aber, sie sind besser als irgendeiner von diesen, Arschlöchern. Ich verhalte mich eben ruhig und bin meistens in meinem Zimmer. Wenn man nicht wüsste, dass ich wirklich da wäre, würde man mich gar nicht bemerken. Was ist mit dir? Ich glaube dir deine Geschichte nicht, die du mir und Xander erzählt hast.", sagte Frey und sah dem jungen Mann zum ersten Mal wirklich ohne Angst ins Gesicht.
,,I..Es tut mir leid, dass ich euch angelogen habe, aber...ich wollte einfach nur, dass ihr zumindest mir ein bisschen vertraut." gab dieser leise zurück und schob seinen Teller etwas weg, damit er seinen beiden Ellbogen auf dem Tisch stützen konnte.
,,Ich, meine Mum hat mich und meinen Dad verlassen, kurz nach meiner Geburt. Mein Dad ließ seinen Frust immer an mir aus wenn du weißt, was ich damit meine, Kleiner. Bis ich sechzehn wurde, hab ich es einfach still und leise über mich ergehen lassen und nichts gesagt, aber dann habe ich mir nachts, als er mal wieder stock besoffen eingeschlafen war, meinen Koffer geschnappt, alles nötige gepackt, oder besser gesagt, alles was ich besaß, und bin dann abgehauen. Ich bin dann nach London geflogen mit meinen gesamten Ersparnissen und habe begonnen in einem Cafè zu arbeiten. Bis ich siebzehn wurde, war alles gut. Aber dann wurde unser Cafè überfallen. Von zwei Männern. Alex und Chris. Wie wir dich und Xander mitgenommen hatten, haben die beiden mich mit genommen. Erst war ich verängstigt aber dann, habe ich mich irgendwie in Alex verknallt. Aber die Polizei hat uns gefunden. Bei unserer Flucht, wurde Chris geschnappt, und Alex hat mich vor die Wahl gestellt, ein Leben als Krimineller an seiner Seite, oder bei meinem Dad. Da ich ja noch minderjährig war, hätte man mich natürlich zu ihm zurück gebracht, deshalb bin ich gemeinsam mit Alex gegangen. Gemeinsam sind wir dass hier her gezogen und ich wurde eben zu seinem Komplizen. Er hat mich glauben lassen, dass er mich auch lieben würde, aber das tat er nicht. Ich war anfangs für ihn nur ein Spielzeug und eben sein Partner in Crime. Wir haben uns dann später darauf geeinigt, dass wir nur Freunde sein sollten. Ich habe dem natürlich zugestimmt, und hier bin ich jetzt und tue dir dasselbe an, das Alex mir angetan hat."
Frey war über die Ehrlichkeit des Mannes überrascht. Wenn er etwas konnte, dass Wahrheit von Lüge unterscheiden. Anstatt etwas zu sagen, nickte Frey. Er hatte schon geahnt, dass Riley etwas ähnliches wie er selbst durchmachen musste, aber, dass er wirklich recht gehabt hatte, hätte sich der Junge nicht gedacht.
Keiner von beiden, hatte etwas zu der Erzählung des anderen gesagt. Sie räumten nur noch die Teller weg, Frey seine Tasse, und schalteten dann die ganzen Lichter aus, ehe sie wieder in Rileys Bett gingen. Etwas verwirrt, blickte Frey den jungen Mann an.
,,Ich muss nicht zurück in den Raum?", fragte er leise und sah verblüfft zu dem Mann, der rasch den Kopf schüttelte.
Dankend schlüpfte Frey wieder unter die Bettdecke und kuschelte sich in das Kissen. Egal, wer neben ihm lag, er schlief überall lieber als in diesem Raum. Er würde sogar neben Alex schlafen wenn es nötig gewesen wäre.
Müde schloss er seine Augen und merkte noch, wie jemand dichter zu ihm rutschte und einen Arm um ihn schlang. Unsicher richtete der Junge die Decke und zog sie höher. Riley hatte den Arm nicht direkt über den Jungen gelegt, sondern über die Bettdecke und dann um den Jungen. Frey ließ ihn einfach gewähren, denn komischer Weise, fühlte sich Frey in den Armen des anderen Mannes geborgen und sicher. Keiner von beiden wusste ja selbst nicht warum, aber im Moment wollten sie beide einfach jemanden in seiner Nähe haben.
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Partners In Crime
RomantikBei einem misslungenen Überfall in einem Einkaufszentrum, sehen sie die Komplizen Alex und Riley, gezwungen Geiseln zu nehmen. Den fünfzehnjährige Frey und den siebzehnjährigen Xander. Diese nehmen sie mit in ihre Waldhütte und lassen sie soweit in...
