VIII

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Am nächsten Morgen fühle ich mich wie gerädert und hoffe inständig, dass über den Tag hinweg Motivation und Leben ihren Weg zurück zu mir finden. Als ich auf mein Handy blicke, entdecke ich eine Nachricht von Tessa, wir würden bereits um zwölf losfahren, falls das für mich keinen Stress bedeute. Ich antworte ihr in Lichtgeschwindigkeit, dass das absolut kein Problem sei und springe, wie von der Tarantel gestochen, aus dem Bett.

Nach einer heißen Dusche, Kaffee und einer Scheibe Toast findet sich endlich die prickelnde Vorfreude auf heute Abend ein. Fröhlich summend werfe ich mich in meine Merchandise-Kluft, packe die letzten Dinge zusammen und werfe noch ein Paar Snacks, sowie Wasser in einen Beutel. Damit, und mit all den Sachen, die ich bereits gestern gepackt habe, bin ich Startklar.

"Heeey, es kann losgehen!", kreischt mir Bea bereits vom Beifahrersitz entgegen und winkt aus dem Fenster. "Was hast du denn mit dem ganzen Zeug vor? Willst du in der Halle einen Flohmarkt aufmachen?"

Ich rolle mit den Augen und mache es mir auf der Rückbank bequem, "habt ihr schon Musik ausgewählt?"

Die beiden schütteln mit dem Kopf, also schließen wir mein Handy an und lassen die Setlist von einem der vorherigen Konzerte laufen. Die Stimmung ist Bombe, wir wippen alle begeistert auf den Sitzen auf und ab und hoffen, dass heute Abend noch grandioser wird als letzte Woche!

Die zwei Stunden Fahrzeit gehen schneller vorbei als erwartet, allerdings finden wir in dem Wirrwarr der Straßen keine richtige Beschilderung zu den Parkplätzen für das Konzert. Wer hat sich denn den Käse ausgedacht?

"Wohin muss ich denn?!", kreischt Tessa, während sie auf die rechte Spur wechselt.

"Ja, ich glaub das stimmt! Hier rechts abbiegen und danach nochmal rechts, dann sollten wir zumindest laut meinem Handy an der Halle sein."

Tessa folgt den Instruktionen, die Beas Handy diktiert, und so stehen wir dann doch mehr schlecht als recht mit dem Auto vor der Halle. Dummerweise finden wir immer noch kein Leitsystem zu einem Parkplatz, weshalb wir kurzerhand beschließen, das Auto in der Tiefgarage des Hotels, das sich neben der Arena befindet, abzustellen.

Als auch das endlich erledigt ist und wir uns jeder entschieden haben, was wir alles mitnehmen, machen wir uns auf den Weg in das nächstgelegene Kaufhaus, um dort noch einmal auf Toilette zu gehen und uns mit den nötigen Lebensmitteln einzudecken.

Einige Minuten später kommen wir vor der Einlasskontrolle an und gesellen uns zu den Fans, die schon länger hier kampieren. Natürlich sind wir nicht die ersten, können uns aber dennoch mit unserem Platz glücklich schätzen.

Und dann heißt es warten.

Die Zeit vergeht nur sehr zäh, aber wir sind mit einem Kartenspiel, sowie ordentlich Alkohol ausgestattet, und machen uns damit die Wartezeit so schön es geht. Das Konzert letzte Woche haben wir so gut wie nüchtern erlebt, weswegen wir uns für heute, was das Hochprozentige angeht, kein Limit gesetzt haben.

Ordentlich angetrunken und mit einem Grinsen auf den Lippen rappeln wir uns letzten Endes auf, um uns auf den Einlass vorzubereiten. Tessa wird unsere Sachen an die Garderobe bringen, während Bea und ich zur Bühne sprinten werden, um die bestmöglichen Plätze zu ergattern.

"Okay, und los geht der Wahnsinn", nicke ich meinen beiden Mädels zu, als die Schleusen zur Hölle geöffnet werden.

Der Run auf den ersten Wellenbrecher ist wie immer enorm, doch Bea und ich sind ein eingespieltes Team und schaffen es schon wieder, uns die allererste Reihe zu sichern, diesmal relativ mittig bis links. Als etwas später auch Tessa wieder zu uns findet, ist der Abend nahezu perfekt.

Hibbelig, wie letzte Woche, stehe ich am Gitter und blicke auf den riesigen roten Vorhang vor meiner Nase. Die Vorband hat schon mit guter Stimmung den Abend eingeleitet.

Hallo Nacht. [Kraftklub]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt