Schlagartig war selbst das letzte bisschen Restalkohol, das sich noch in meinen Adern befand, der empor sprudelnden Nervosität gewichen.
Ich kann mein Herz ganz deutlich schlagen hören, genauso wie meinen Atem, dessen Rhythmus sich in den letzten Sekunden verdächtig beschleunigt hat.
Bea findet als erste ihre Stimme wieder, "du musst uns nicht mitnehmen, weil du Mitleid hast, oder so. Wir verstehen, wenn ihr Jungs lieber unter euch bleiben wollt." Das ist eine sehr diplomatische Art auf Tills Einladung zu reagieren, allerdings könnte ich meiner Freundin gerade den Hals herumdrehen.
"Obwohl wir uns natürlich riesig freuen würden!", zwitschert Tessa dazwischen. Innerlich atme ich auf und danke ihr für den Einwand, denn ich wäre wirklich sehr beleidigt, wenn wir uns diese Chance hier selbst vermasselt hätten.
Jetzt schmunzelt Till, bevor er anfängt herzhaft zu lachen. "Ich muss schon sagen, ihr spielt eure Begeisterung ganz gut runter, aber das Funkeln in euren Augen verrät euch dann doch. Vertraut mir, ihr könnt ruhig mitkommen und falls ihr doch keine Lust mehr haben solltet, zwingt euch ja keiner, hier zu bleiben. Alles ganz entspannt." Dann fügt er hinzu, "wir sollten jetzt aber wirklich gehen, eigentlich wollte ich nur Kippen holen gehen. Aber es wird sich ja hoffentlich niemand beschweren, wenn ich noch drei hübsche Mädels im Schlepptau habe."
Wir verfallen in ein uncooles Kichern, während uns wohl allen dasselbe im Kopf herumgeht.
Er hat uns hübsch genannt. Aber er hat bemerkt, dass wir Fangirls sind.
Er denkt die anderen freuen sich, uns kennen zu lernen. Allerdings sind wir Fans.
Er findet uns verdammt nochmal hübsch! Doch irgendwie klang das in seinem Kontext ganz nach Groupies abschleppen.
Viel Zeit bleibt uns nicht. Till fordert uns erneut auf, ihm zu folgen, doch ich werfe ein, dass ich erst noch zum Auto müsse, mich umziehen und kurz frisch machen. Daraufhin nickt der Bassist, weniger verständnisvoll als genervt von weiblichen Allüren, folgt uns aber wortlos.
Als wir das erledigt haben, machen wir noch einen Abstecher zu einem Zigarettenautomaten, denn dafür war Till ja überhaupt erst losgezogen. Außerdem sollte man als Aussätzige stets ein beschwichtigendes Willkommensgeschenk am Start haben.
Nervöser denn je marschiere ich hinter Till durch das Labyrinth aus Korridoren, Türen und Lüftungsrohren. Meine erste Vermutung, dass die Jungs hier in einem noblen Hotel abgestiegen sind, scheint sich nicht zu bestätigen, stattdessen befindet sich unter diesem Gebäudekomplex eine Art Privat-Club? Soweit zumindest meine Rückschlüsse.
Wir bewegen uns auf eine Tür am Ende des Gangs zu. Mit jedem Schritt wird die Musik lauter, schlägt mein Herz schneller, kreisen meine Gedanken in atemberaubender Geschwindigkeit um alles und nichts zugleich. Wird Felix da sein, wird er mich erkennen, wird er mich anders behandeln als Tessa und Bea? Alle Fragen scheinen in einem Strudel aus Gedankenfetzen zu ertrinken und sich zu einem Knäuel aus Panik und Unbehaglichkeit in meinem Magen zusammenzurotten. Ganz schön unfair, wenn ich es mir genauer überlege. Mir wäre es deutlich lieber, mein Körper würde mich unterstützen, stattdessen fühle ich mich benommen. Ich hoffe, es gibt Alkohol.
"Bereit?", dreht sich der lässig gekleidete Bassist zu uns um und fügt hinzu, "aber denkt dran, lasst das mit den Fotos sein. Außer wir erlauben es ausdrücklich."
Uns bleibt gar keine Zeit auf seine Ansprache zu reagieren, da öffnet er schon die Tür mit einem lauten Schrei, der wohl so viel heißen soll wie "I'm back, bitches!".
Verdutzt schauen sich meine Freundinnen und ich uns an und realisieren just in diesem Moment, dass wir wirklich den Jackpot geknackt haben: Aftershow-Party mit Kraftklub. Wer hätte das gedacht!
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Hallo Nacht. [Kraftklub]
FanfictionEndlich steht das lang ersehnte Kraftklub Konzert vor der Tür, auf das Elena und ihre Freunde schon so lange hingefiebert haben, doch wie sich der Abend noch entwickeln würde, hätte sich Elena nicht im Traum ausmalen können. Hier eine kleine Geschic...